Essen is' fertig

Deutschland 2006/2007 Spielfilm

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Heinz17herne
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„Oberhausen war gestern, Essen ist heute“: Als Gunther Hennings, der Beauftragte der Stadt Essen für den Bau eines großen neuen Einkaufszentrums am Ehrbecker Platz, ermordet aufgefunden wird, deutet zunächst alles auf einen Zusammenhang mit dem bevorstehenden Prozess gegen Norbert „Nobbi“ Wolleck (Paraderolle für Felix Vörtler) hin. Die bekannte Größe im Essener Klüngel sitzt wegen Bestechung und Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft und wird vor Gericht auspacken müssen, um einer längeren Haftstrafe zu entgehen. Und so hofft Staatsanwältin Jale Deniz (Sascha Ö. Soydan), mit diesem Prozess den nur gerüchtehalber existierenden „Essener Kreis“ auffliegen lassen zu können.

Dabei soll es sich um eine dubiose Geheimgesellschaft von einflussreichen Bürgern der Stadt handeln mit Verbindungen bis ganz oben hinauf ins Rathaus. Gewisse Zweifel an der Existenz dieses „P 7“-Ruhrpottablegers hegt Kriminalhauptkommissar Alexander Lutter. Und ist damit nicht der einzige: Auch der Buchhändler, Ehrbecker Platz-Anrainer und erbitterte EKZ-Gegner Albert Kampmann (Heinrich Giskes) will nichts davon wissen, und die Gattin des Ermordeten, Wilma Hennings (Susanne Wilhelmina), schon gar nicht. Schließlich ist sie mit Susanne Merker (Michaela Wiebusch) befreundet, der einflussreichen Enkelin des Essener Baulöwen Körner.

Mit der schönen Witwe übrigens spielt Lutters junger und stets adrett gekleideter Assistent Michael Bergmann (Lucas Gregorowicz war schon als Bochumer Gymnasiast und Schauspielschüler ein Frauenschwarm) nicht nur Golf auf der vornehmen Clubanlage Hoheneiche. Im Augenblick aber plagen Polizei und Staatsanwaltschaft ganz andere Sorgen: In Wollecks Gefängnispost, die Jale Deniz mit Billigung ihres Chefs, des smarten Oberstaatsanwalts Rüdiger Althaus (Dietrich Hollinderbäumer), illegal öffnen ließ, findet sich ein Erpresserbrief, dessen Absender Wolleck für den Fall einer Aussage Rache an seiner Familie androht.

Lutter hat einen Plan, den er sogar vor seinem Chef Dr. Schneider (Thomas Meinhardt) verheimlicht: Er inszeniert mit seinem jungen Partner Bergmann die Entführung des Kronzeugen vor laufenden Kameras, um Wolleck zu schützen und Zeit zu gewinnen. Doch der spektakuläre Coup in Mafia-Manier geht beinahe daneben: Das Versteck, ein alter Bauwagen auf dem weitläufigen Zollverein-Gelände, ist nicht sicher. Gerade als Nobbys geliebte Kohlrouladen auf dem Herd stehen, wird auf ihn geschossen. Was dem angeblichen kleinen Licht („Alles Bagatellen, ich bin doch nur Geschäftsmann“) zu denken gibt.

So fasst er endlich Vertrauen zu Lutter, und der bringt Wolleck erst einmal bei seinen Kumpels Höcki (Timo Dierkes) und Sunny (Jochen Nickel) auf'm Platz des FC Lindenbruch unter, sozusagen in Sichtweite der eigenen vier Wände. Wohnt der Freizeit-Kicker, der ab und an das Trikot mit der Pommestüte als Vereinswappen („Essen Rot-Weiß – alle anderen sind auch nicht besser als wir“) überstreift, doch direkt über der Vereinskneipe mit bester Terrassen-Aussicht aufs Spielfeld. Nobby revanchiert sich und bringt die Ermittler auf die Spur einer Korruptionsaffäre, in die auch ein russischer Investor verstrickt zu sein scheint. Da jedoch passiert ein zweiter Mord, mitten auf dem Ehrbecker Platz – und eine spektakuläre Wendung des Falls zeichnet sich ab...

Die erste Folge der neuen Samstagabend-Krimiserie ist vielversprechend und macht Lust auf mehr Lutter: Joachim Król spielt einen durch und durch bodenständigen Essener Kriminalhauptkommissar, weit entfernt vom vornehmen Hansjörg Felmy oder gar dem prolligen Götz George. Weshalb in der Lindenbruch-Kneipe weder Frikadellen noch „Pommes Schranke“ offeriert werden, letztere tauchen immerhin – augenzwinkernd ironisch – im Vereinswappen der Hobbykicker von Essen Rot-Weiß auf. „Lutter kommt“: Dass der bekennende BVB-Fan Joachim Król sogar zweimal zu Kurz-Einsätzen im Team seiner Kumpel Höcki und Sunny kommt, ist allein der wirklich singulären Ruhrpott-Location geschuldet (die übrigens in Wirklichkeit in Köln gefunden wurde): Lutter wohnt unmittelbar über der Vereinskneipe mit kurzem Weg auf'n Platz und noch kürzerem an die Theke.

„Kinder, Küche, Moschee“: An Lutters Seite zwei außergewöhnliche Figuren, die, nimmt man die beiden bisher produzierten Folgen zusammen, schon adäquat besetzt sind, obwohl beide Darsteller noch Potential besitzen: Lucas Gregorowicz spielt Lutters jungen Assistenten Bergmann, der immer so aussieht, als käme er frisch vom Golfplatz. Und Sascha Ö. Soydan spielt eine Staatsanwältin mit deutsch-türkischem Familienhintergrund, die mit Lutter, der in Folge eins sogar ein paar Brocken Türkisch zum besten gibt, freundschaftlich verbunden ist – mehr noch nicht, aber durchaus möglich.

Andere Kleinigkeiten sind dem Genre geschuldet, machen nichts her, aber auch nichts kaputt. Lutters kleine freundschaftliche Kabbeleien mit „Doc“ Kurt Menges (Michael Hanemann) gehören ebenso dazu wie die zumeist in sehr gesitteten Bahnen verlaufenden Auseinandersetzungen mit seinem wie üblich übervorsichtigen Vorgesetzten Dr. Schneider. Das Zweitschönste an den beiden Folgen („Um jeden Preis“ ist Titel des zweiten, ebenfalls von Jörg Grünler verfilmten Lutter-Krimis) ist, dass sie ohne weitschweifigen Einführungs-Plot daherkommen, dass so gut wie gar nichts festgelegt ist. Das lässt alle Möglichkeiten offen – und wenn die Quote auch nur einigermaßen stimmt, dann gibts weitere Folgen. Und die müssen dann nicht zwangsläufig nur in Essen selbst spielen.

Das Beste zum Schluss. Das „Essen is' fertig“-Autorengespann Dirk Salomon/Thomas Wesskamp, letzterer ein gebürtiger Essener, wusste wovon die fiktive Figur Albert Kampmann spricht („Schleim dringt eben durch alle Ritzen“): Der Korruptionsfall ist nahezu authentisch, auch wenn die Leichen, die im wahren Leben der Revier-Kulturhauptstadt 2010 im Keller so mancher Polit-Größe gefunden wurden, metaphorischer Natur waren.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Shoot

    • 12.07.2006 - 20.09.2006: Essen, Köln
Duration:
89 min
Format:
16:9
Video/Audio:
Farbe, Dolby
Screening:

Uraufführung: 24.02.2007

Titles

  • Originaltitel (DE) Essen is' fertig
  • Gesamttitel (DE) Lutter

Versions

Original

Duration:
89 min
Format:
16:9
Video/Audio:
Farbe, Dolby
Screening:

Uraufführung: 24.02.2007