Das Lied in mir

Deutschland 2009/2010 Spielfilm

Summary

The Day I Was Not Born

In Buenos Aires, 31-year-old Maria runs up against a long-kept family secret whose origins go back to the time of the Argentinean military dictatorship.

During a stopover on her way to Chile, 31-year-old Maria recognizes a nursery rhyme in Buenos Aires. Maria does not speak a word of Spanish, but without understanding what she is singing she remembers the Spanish lyrics. Disturbed and thrown off course, she breaks off her journey and wanders through the unfamiliar city.

On the phone to Germany she tells her father, Anton, about her experience and the peculiar fascination the unfamiliar city has on her. Two days later, Anton suddenly turns up at Maria’s hotel with something to confess; Maria spent the first three years of her life in Buenos Aires during the military dictatorship at the end of the seventies, until the people she had always thought were her parents adopted her and brought her to Germany. Father and daughter begin a journey together in search of Maria’s biological parents. Anton does everything he can to not lose his daughter.

Source: German Films Service & Marketing GmbH

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Die 31-jährige Schwimmerin Maria wird von ihrem Vater Anton Falkenmayer zum Flughafen gebracht. Sie will an einem Wettkampf in Chile teilnehmen und soll sogleich den Papa in Deutschland anrufen, wenn sie in Südamerika angekommen ist. Während eines Zwischenstopps in Buenos Aires, den sie in der Transit-Area des Flughafens verbringen muss, hört Maria ein Kinderlied. Obwohl die Deutsche der spanischen Sprache nicht mächtig ist, kann sie nicht nur die Melodie mitsummen, sondern erinnert sich sogar an den Text.

Völlig aus der Bahn geworfen, muss Maria sich erst einmal im Waschraum sammeln und frisch machen, wobei sie ihren Anschlussflug nach Santiago verpasst. Sie nimmt ein Taxi in die argentinische Metropole und beobachtet zunächst aus dem Fond des Fahrzeugs, dann zu Fuß auf den lärmenden Straßen jedes Haus, jedes Schaufenster, ob sie sich an weitere Details erinnern kann. Als sie in einem Hotel eincheckt, bemerkt Maria, dass sie zwar noch ihre Geldbörse bei sich trägt, ihr aber der Pass und das Flugticket gestohlen worden sind. Eher aus Pflichtbewusstsein denn aus Sorge berichtet sie ihrem Vater von dem seltsamen Vorfall.

Der nimmt den nächsten Flieger nach Buenos Aires und taucht bereits am anderen Tag in ihrem Hotel auf. Während sich Maria um neue Papiere kümmert und dabei mit Alejandro einen ihrer Sprache mächtigen Polizisten, Enkel deutschsprachiger Einwanderer aus Südtirol, näher bekannt wird, drückt sich Anton lange davor, mit der Wahrheit, dass er nicht ihr leiblicher Vater ist, herauszurücken: Maria ist hier in Buenos Aires geboren und hat die ersten drei Jahre ihres Lebens auch hier gelebt. Als ihre leiblichen Eltern 1980 von der argentinischen Militärjunta verschleppt wurden und nicht mehr zurückkehrten, wurde Maria von Anton und seiner inzwischen verstorbenen Frau adoptiert: Sie nahmen die Kleine einfach aus dem Kindergarten der Firma, bei der Anton und ihr wirklicher Vater arbeiteten, mit.

Maria ist zunächst sprachlos: Das vertraute Verhältnis zwischen (Stief-) Vater und Tochter ist von einem zum anderen Augenblick zerbrochen. Jetzt soll Anton ihr wenigstens bei der Suche nach ihren Angehörigen helfen. Der aber will die Vergangenheit ruhen lassen und lieber heute als morgen nach Deutschland zurückkehren. Doch unverdrossen begibt sich Maria mit den Namen ihrer Eltern, Luis Acosto und Marcela Villafana, auf die Suche und wird tatsächlich fündig: Hugo Villafana vereinbart mit Maria ein Treffen und bringt sie zu seiner Gattin Ana sowie zu seiner Schwester Estela.

Diese erkennt in Maria sogleich das Kind ihrer verschwundenen Schwester Marcella und obwohl sich nur Estela mit ihr in arg gebrochenem Englisch unterhalten kann, wird Maria sogleich in „ihre“ Familie aufgenommen. Ein großes Fest wird vorbereitet und Maria wird mit historischen Bildern und Orten wie dem Waschsalon, in dem ihre Mutter gearbeitet und sie selbst sozusagen im Wäschekorb aufgewachsen ist, konfrontiert. Doch die „Deutsche“ kann sich nicht erinnern und die Fragen auf beiden Seiten werden dringender. Da muss ein Dolmetscher her – Alejandro. Doch der ist nur bereit, zu den Villafanas mitzugehen, wenn sein Beruf als Polizist verschwiegen wird: Er weiß nur zu genau, was Familien wie der Marias zugestoßen ist zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur und er weiß auch, warum er seinen Vater besser nicht danach fragt.

Maria erfährt, dass ihre Tante auch bei Anton Falkenmayer nach ihrer Nichte geforscht hat – vergeblich. Weshalb Estella ihn nun vor Gericht stellen lassen will. Doch Maria kann das verhindern: Für sie ist der Mann, der seine Sachen packt, um nach Deutschland zurückzukehren, immer noch ihr Vater, auch wenn dieser einen großen, unverzeihlichen, aber zutiefst menschlichen Fehler begangen hat. Maria geht einer unbekannten Zukunft in Buenos Aires entgegen...

Schon bei seiner Uraufführung in Montréal wurde „Das Lied in mir“ mit dem Publikums- und dem Kritikerpreis Fipresci ausgezeichnet, es folgten zahllose internationale Auszeichnungen in Zürich, Lünen, Biberach und Hof, zuletzt beim Deutschen Filmpreis 2011 zwei „Lolas“. Eine Menge Edelmetall für den Debütstreifen des 1979 in Tel Aviv geborenen Florian Cossen, zugleich sein Diplomfilm an der Ludwigsburger Filmakademie Baden-Württemberg. Was sicherlich, ohne die Leistung des 31-jährigen Regisseurs schmälern zu wollen, auch am Thema liegt: 30.000 Menschen sind während der Junta-Diktatur am Rio de la Plata spurlos verschwunden. Deren Kinder wurden zumeist zwangsadoptiert und nur wenigen ist es in der Folge gelungen, Angehörige ihrer biologischen Eltern ausfindig zu machen. Mit diesen schrecklichen Tatsachen wurde der in Israel, Kanada, Spanien, Costa Rica und Deutschland aufgewachsene Cossen bei einem mehrmonatigen Argentinien-Aufenthalt fünf Jahre zuvor vertraut.

Während Kameramann Mathias Fleischer immer wieder für ungewöhnliche Perspektiven sorgt, um uns das brodelnde, hektische Buenos Aires vor Augen zu führen, kann Florian Cossen ganz auf die Leinwandpräsenz seiner beiden deutschen Protagonisten bauen. Während Michael Gwisdek einen grau und müde gewordenen Meister der Verdrängung und Vertuschung gibt, der sich kaum selbst damit beruhigen kann, aus reiner Menschenliebe gehandelt zu haben und dann plötzlich doch ganz offen darüber spricht, verblüfft Jessica Schwarz einmal mehr in ihrer enormen Vielfältigkeit. Sie verkörpert Maria als eine junge Frau, die es durch ihren Sport gelernt hat, auf sich allein gestellt und mit großer Hartnäckigkeit ihre Ziele zu verfolgen. Und die dennoch zu Empathie fähig ist für den Mann, den sie beinahe drei Jahrzehnte für ihren Vater halten musste – und ihn nun hassen müsste. Im Gegensatz zu ihrer von Beatrix Spelzeni kaum weniger eindrucksvoll gespielten Tante: Ein einziger Blick in das abgehärmte Gesicht der vorzeitig Gealterten genügt, um darin ihr ganzes entbehrungsreiches, hoffnungsloses Leben zu lesen. Und ihre Rache zu verstehen.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Shoot

    • 09.02.2009 - 01.04.2009: Argentinien
Duration:
2582 m, 94 min
Format:
35mm, 1:2,35
Video/Audio:
Farbe, Dolby
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 07.01.2011, 125962, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Aufführung (CA): 03.09.2010, Montréal, IFF;
Erstaufführung (DE): 02.02.2011, Berlin, Kulturbrauerei;
Kinostart (DE): 10.02.2011;
TV-Erstsendung (DE): 17.05.2012, Debüt im Ersten, ARD

Titles

  • Weiterer Titel (DE AR) El Niño
  • Originaltitel (DE) Das Lied in mir
  • Weiterer Titel The day I wasn’t born

Versions

Digitalisierte Fassung

Duration:
95 min
Format:
DCP, 1:2,35
Video/Audio:
Farbe, Dolby

Original

Duration:
2582 m, 94 min
Format:
35mm, 1:2,35
Video/Audio:
Farbe, Dolby
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 07.01.2011, 125962, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Aufführung (CA): 03.09.2010, Montréal, IFF;
Erstaufführung (DE): 02.02.2011, Berlin, Kulturbrauerei;
Kinostart (DE): 10.02.2011;
TV-Erstsendung (DE): 17.05.2012, Debüt im Ersten, ARD

Awards

Deutscher Filmpreis 2011
  • Lola, Beste Filmmusik
  • Lola, Beste Nebendarstellerin
Bayerischer Filmpreis 2011
  • Beste Bildgestaltung
FBW 2010
  • Prädikat: besonders wertvoll
Filmfestspiele Biberach 2010
  • Debutbiber
IFF Hof 2010
  • Kodak Eastman Förderpreis
IFF Montreal 2010
  • FIPRESCI Preis
Filmfestival Zürich 2010
  • Bester Film der deutschsprachigen Reihe
Kinofest Lünen 2010
  • Berndt-Media-Preis , Bester Filmtitel