Falscher Jasmin

BR Deutschland 1989/1990 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
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„Der Rausch der Sinne hat sie die Zeit vergessen lassen“ ist Dr. Bernd sicher und beruhigt die junge Krankenschwester Sigrid, die nun schon das ganze Wochenende auf die kleine Anja aufgepasst hat, Tochter der Kollegin Annemarie Liedekow. Der „alte Hahn“ von Chef hofft sogar, dass die alleinstehende Mutter endlich Glück in der Liebe hat – schon des Kindes wegen. Doch als Dr. Bernd am Montagmorgen zur verheulten Sigrid ins Zimmer kommt, ist Annemarie noch immer nicht aufgetaucht. Während Sigrid die Kleine in die Krippe bringt, klopft ihr Chef vergeblich an Annemaries Wohnungstür und fährt dann ‘raus zu deren Schwester, Angelika Kolm. Da auch sie weder etwas weiß noch einen Wohnungsschlüssel besitzt, fahren beide zurück zur Wohnung der Vermissten – und finden diese völlig verwüstet vor.

Währenddessen hat ein mit der Harzgewinnung aus Baumrinde beschäftigter Waldarbeiter, dem die Vielzahl von Insekten an einem Buschwerk aufgefallen ist, darunter die versteckte Leiche einer jungen Frau gefunden und die Polizei alarmiert. Der leitende Kripobeamte, Hauptmann Günter Beck, lässt sie durch Angelika Kolm als ihre vermisste Schwester identifizieren. Todesursache: Genickbruch. Annemarie ist erwürgt worden, ihr wurde postmortal noch ein Stich mit einem schmalen Messer in der Nähe des Herzens zugefügt.

Eine erste Spur findet Leutnant Hempel in der Mülltonne der Ermordeten: eine Flasche Pinot Noir mit Fingerabdrücken, die nicht von Annemarie Liedekow stammen. „Interessanter Sekundärrohstoff“ nennt Hempel sein Fundstück, ein letzter sprachlicher Restbestand aus der DDR-Ära der „Polizeiruf 110“-Reihe. Die Zeiten der „Genossen Volkspolizisten“ ist vorbei, auch wenn sie noch im Wartburg oder Trabant unterwegs sind. Freilich ohne bisher obligatorisches Nationalitätskennzeichen am Heck.

Bei Jan Heder, Nachbar der Kolms in der Eigenheimsiedlung im Grünen (im Sommer 1989 wurde im Brandenburgischen gedreht: Bad Freienwalde, Marienwerder und Eichwalde sowie im Babelsberger Defa-Studio), ist die Marktwirtschaft schon Alltag: er schrubbt nach Feierabend seinen Barkas-Transporter mit der Stüback-Werbeaufschrift. Denn: „Ein sauberes Auto ist ‘ne gute Visitenkarte.“

Die Ermittler tragen immer mehr Indizien zusammen, welche die Suche nach dem Täter (beim Opfer wurden männliche Schamhaare und Spermaspuren gefunden) einengen: ein Angler, der Rentner Brade, hat in der Tatnacht ein Fahrzeug unweit des Waldsees gehört, bei dem es sich um einen Barkas handeln könnte. Und ein anderer Senior, Alfred Ditsch, der von Annemarie stets mit Medikamenten und frischer Wäsche aus der Reinigung versorgt worden ist, erkennt auf einem Foto den Mann wieder, mit dem sich die Ermordete heftig gestritten hat.

Als dann auch noch der Schlüssel, den Oberleutnant Thomas Grawe unter Annemaries Bett fand, zu einem Schloss in des Nachbarn Garage passt, wird der Brotfahrer, zu dessen Kunden auch das Krankenhaus gehört, verhaftet. „Sie ist selber schuld. Sie hat es nicht anders gewollt“ gibt Jan Heder zu Protokoll, bevor er den Beamten die Geschichte einer heftigen Amour fou erzählt, die ihn als Täter zwar nicht entlastet, ihm aber auch nicht die Alleinschuld aufbürdet. Weil Heder sich nicht von seiner Gattin Ingrid und den beiden Kindern trennen wollte, hat Annemarie den Vater ihres Kindes erpresst…

„Falscher Jasmin“ gehört zu den ersten „Polizeiruf 110“-Folgen des in der Wendezeit neu aufgestellten Deutschen Fernsehfunks (PL Anita Schwager), der – letztlich vergeblich – unter dem Arbeitstitel „DFF-Länderkette“ auf ein gemeinsames Drittes Programm aller fünf neuen Bundesländer hoffte. Aus der DDR-Tradition einer unspektakulären Schilderung nüchterner Ermittlungstätigkeit im ersten Teil, immerhin wird das Tatwerkzeug, ein von Annemarie einst zum Spargelschälen verwendete Skalpell, von Tauchern im See gefunden, entwickelt Manfred Mosblech ein opulent verfilmtes Beziehungsdrama – mit viel nackter Haut an Land und unter Wasser. Die neue Zeit ist knallig bunt – wenn auch noch im alten TV-Format. Das Lied „Falscher Jasmin“ im Abspann wird übrigens von Anke Lautenbach gesungen.

Pitt Herrmann

Credits

Drehbuch

Kamera

Schnitt

Darsteller

Alle Credits

Drehbuch

Dramaturgie

Kamera

Kamera-Assistenz

Standfotos

Kostüme

Schnitt

Schnitt-Assistenz

Mischung

Darsteller

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Dreharbeiten

    • Juli 1989: Bad Freienwalde und Umgebung (Brandenburg), Marienwerder, Berlin; DEFA-Studio für Spielfilme
Länge:
89 min
Format:
35mm, 1:1,33
Bild/Ton:
Orwocolor, Mono
Aufführung:

TV-Erstsendung (DD): 22.04.1990, DFF

Titel

  • Reihentitel (DD DE) Polizeiruf 110
  • Originaltitel (DE) Falscher Jasmin

Fassungen

Original

Länge:
89 min
Format:
35mm, 1:1,33
Bild/Ton:
Orwocolor, Mono
Aufführung:

TV-Erstsendung (DD): 22.04.1990, DFF