Inhalt
Nach der Auflösung der Sowjetunion reist der "Mythomane" Werner Herzog nach Sibirien. Trotz über 70 Jahren Marxismus-Leninismus macht er dort die verschiedensten religiösen Praktiken aus. Neben Gläubigen der Russisch-Orthodoxen Kirche trifft er auf Hirten, die über die Richtung ihrer Wanderungen mit einem Schamanen beraten, sowie eine Vielzahl von Wunderheilern und Wanderpredigern. Dazu zählen etwa ein wiedergeborener Jesus, ein Gesundbeter, der kosmische Energie freisetzt, ein Teufelsaustreiber, der mit den Dämonen "befallener" Frauen ringt, sowie ein Ex-Filmvorführer, der nun als Glöckner die Menschen beglückt. Besondere Aufmerksamkeit findet der See Svetloyar, aus dessen Tiefe Glocken der versunkenen Stadt Kitezh zu hören sein sollen, sofern die Pilger*innen sich ihm auf allen vieren nähern.
Authentische Ausdrücke spiritueller Ergriffenheit wechseln hier mit Scharlatanerie. Erstgenannte gewährten Herzog Einblicke in die "russische Seele". Zugleich steigerte er mit profundem Gespür für Showmanship den Unterhaltungswert seines Films, indem er mangels echter Pilger in Ekstase eingestandenermaßen Betrunkene anheuerte und sie die Eisfläche bäuchlings überqueren ließ.
Quelle: 76. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)
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