Close-Up Kurdistan

Deutschland 2007 Dokumentarfilm

Inhalt

Dokumentarfilm von Yüksel Yavuz, in dem der Filmemacher seine persönliche Lebensgeschichte als türkischer Immigrant in Deutschland mit der aktuellen Lage des Konflikts zwischen Türken und Kurden verbindet. Von seiner Wahlheimat Hamburg aus macht er sich über Stockholm, Ankara und Istanbul auf den Weg ins irakische Kurdistan. Auf dieser Reise trifft und unterhält er sich mit höchst unterschiedlichen Menschen – einem türkischen Intellektuellen, einem türkischen Guerilla-Krieger –, deren Schicksal entweder vom türkisch-kurdischen Konflikt oder einem Leben im Exil geprägt ist.

 

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Heinz17herne
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In seinem Dokumentarfilm stellt der kurdischstämmige Regisseur Yüksel Yavuz eine Verbindung zwischen seiner persönlichen Geschichte als Immigrant und dem aktuellen Stand des türkisch–kurdischen Konflikts her. Yavuz wurde 1964 in Karakocan/Türkei geboren und lebt seit 1980 in Deutschland. Der diplomierte Volkswirt und Soziologe macht seit 1991 Filme, sein bekanntester ist „Aprilkinder“. Seine Film-Reise beginnt in Hamburg, wo er heute lebt, führt ihn nach Stockholm und in die Türkei - und endet im Flüchtlingslager Maxmur im irakischen Kurdistan.

Nach dem Besuch bei seinen Eltern im Dorf begegnet er Verwandten, alten Freunden und anderen Protagonisten in Ankara, Istanbul, Diyarbakir, in ländlichen Gebieten und im kurdischen Teil des Iraks. Auf seinem Weg trifft er auf unterschiedliche Menschen und ihre Schicksale – Menschen, die sowohl noch in der Türkei, als auch im europäischen Exil leben. Einer seiner Protagonisten ist Dr. Ismail Besikici, ein 1939 in Corum in Zentralanatolien geborener Intellektueller, der auf Grund seiner Forschungen auf dem Gebiet der kurdischen Kultur 17 Jahre in türkischen Gefängnissen verbracht hat.

Er ist einer der wichtigsten Intellektuellen der Türkei und hat schon zu Beginn seines wissenschaftlichen Werdeganges, als das Thema noch ein Tabu war, über die Existenz des kurdischen Volkes geschrieben. Als er im Jahre 1962 an der Atatürk Universität in Erzurum an der soziologischen Fakultät assistierte, wurde er in das kurdische Gebiet geschickt, um seinen Militärdienst zu leisten. Dort mit der kurdischen Realität konfrontiert hat ihn seitdem das Schicksal der Menschen dort nicht mehr losgelassen, über die er mehr als 30 wissenschaftliche Bücher geschrieben hat.

Der Preis dafür war allerdings sehr hoch: Gegen Besikici wurden wegen der Veröffentlichungen und Äußerungen zur kurdischen Realität und der kemalistischen Staatsideologie über 200 Gerichtsverfahren eingeleitet. Er saß mit kurzen Unterbrechungen insgesamt 17 Jahre im Gefängnis. Wie oft er von der Polizei abgeholt und verhört wurde, erinnert er sich nicht mehr. Seine Verleger und Verteidiger mussten ins Ausland fliehen, weil sie politisch verfolgt wurden. Aber er blieb fest entschlossen, seinen Weg weiterzugehen und hat im Gefängnis und später zu Hause seine Forschungsarbeiten weitergeführt. Heute lebt er in Ankara.

Beriwan ist eine ehemalige Guerrillakämpferin. Sie stammt aus Cizre im kurdischen Teil der Türkei und hat sich schon im Alter von 14 Jahren der kurdischen Guerrillabewegung angeschlossen. Sie wurde mehrfach verletzt, bevor sie sich nach zehn Jahren nach Europa abgesetzt hat. Yüksel Yavuz erzählt eine Geschichte, die politische Fakten mit persönlichen Schicksalen verbindet – auf das bewusst auf „beiden Seiten“.

Auf der anderen Seite gibt Abdulkadir Aygan Auskunft, der für einige Jahre als „Contra–Guerilla“ im „schmutzigen Krieg“ gegen die kurdischen Oppositionellen vorgegangen ist. Er stammt aus Urfa, ebenfalls im kurdischen Teil der Türkei, und ist einer der bekanntesten Überläufer der PKK. Während des Militärdienstes auf Zypern ist er aus der Armee geflüchtet und hat sich der PKK angeschlossen, sich aber1985 den türkischen Sicherheitskräften ergeben.

Unter Anwendung des „Reuegesetzes“ kam Aygan fünf Jahre später frei, leistete den restlichen Militärdienst ab und kam danach zur siebenköpfigen Jitem-Kadergruppe in Diyarbakir, die durch den Armeeoffizier Ahmet Cem Ersever gegründet worden war. Er gehörte zehn Jahre lang diesem auf die Terrorabwehr spezialisierten Nachrichtendienst der Gendarmerie an, der für zahlreiche politischen Morde an kurdischen Oppositionellen verantwortlich ist. Durch seine Geständnisse wurden einige Morde aufgeklärt, jedoch von den türkischen Behörden nicht strafrechtlich verfolgt: Die Existenz von Jitem wird vom Staat geleugnet. Heute lebt Aygan mit seiner Familie im schwedischen Exil. „Close-Up Kurdistan“ ist am 2. Mai 2009 von Arte erstausgestrahlt worden.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • Kurdistan
Länge:
105 min
Format:
HD
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.10.2007, 111821, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 06.12.2007

Titel

  • Schreibvariante (DE) Close Up Kurdistan
  • Originaltitel (DE) Close-Up Kurdistan

Fassungen

Original

Länge:
105 min
Format:
HD
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.10.2007, 111821, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 06.12.2007