Marie-Louise Droop

Weitere Namen
Lu Fritsch (Weiterer Name) Ludwig Fritsch (Pseudonym) Marie Martha Luise Fritsch (Geburtsname)
Regie, Drehbuch, Produzent
Stettin, Pommern (heute Polen) Gengenbach

Biografie

Marie Martha Luise "Lu" Fritsch, 1890 in Stettin geboren, wächst in guten Verhältnissen auf. Ihr Vater Karl Georg Fritsch ist Direktor der Stettin-Bredower Zementfabriken, seine Frau Emmeline Albertine Elisabeth Conradine Most entstammt einer wohlhabenden Schokoladenfabrikantenfamilie. Marie Luise be­sucht das Mädchenlyzeum in Stettin und begeistert sich früh für Literatur, vor allem für Gedichte.

Die Entdeckung der literarischen Welt von Karl May stellt für das Mädchen eine Zäsur dar: Sein Kosmos kombiniert die deutsche Mentalität des 19. Jahrhunderts mit der Anziehungskraft des 'Exotischen'. Dies wird später Droops Weltbild ausmachen, erweitert um eine stark deutsch-nationale Gesinnung. 1903 schreibt sie einen ersten verehrenden Brief an den damals 61-jährigen Schriftsteller. Nach ihrem Schulabschluss 1906 besucht sie für ein Jahr die Anglo-Continental-School im englischen Folkstone sowie die Brüsseler Kunstakademie. Als sie 1907 nach Stettin zurückkehrt, beginnt sie beim Bibliothekar und Pionier der Volksbüchereibewegung Erwin Ackerknecht eine Bibliothekarinnenausbildung.

Im selben Jahr besucht sie Karl May zum ersten Mal im sächsischen Radebeul. Weitere Besuche folgen. 1910 zieht Marie Luise Fritsch nach Berlin. Sie arbeitet beim Ullstein-Verlag als Redakteurin der Frauenzeitschriften, wird Leiterin des Archivs, 1912 dann Lektorin. Ebenfalls 1910 lernt sie den Schriftsteller und Karl-May-Forscher Adolf Droop kennen. Daraufhin löst sie ihre Verlobung mit dem Schriftsteller und Privatgelehrten Ernst Albert Thiele. 1912, aber erst nach Karl Mays Tod am 30. März, heiratet sie Adolf Droop.

Beide arbeiten im Folgenden als Redakteure der Kinoreform-Zeitschriften "Die Lichtbildkunst" und "Die Lichtbildschule". Marie Luise Droop wird außerdem Schriftleiterin der Beilage "Volk und Film". In dieser Zeit beginnt sie mit dem Drehbuchschreiben. Um 1915 wird sie als Dramaturgin bei der Nordisk Films Kompagni in Kopenhagen tätig. Sie schreibt Zwischentitel und bearbeitet Drehbücher. 

Die Droops leiten gemeinsam die Karl-May-Vereinigung und zusammen mit Karl Mays Witwe Klara gründen sie im März 1920 die Ustad-Film, Dr. Droop & Co. Marie Luise Droop hat länger auf Klara May eingewirkt, die Geschichten ihres Mannes verfilmen zu dürfen. Bis zu fünf Filme sollen pro Jahr produziert werden. Da die Produktionsfirma jedoch keinesfalls solide finanziert ist, muss bereits im Sommer 1921 Insolvenz angemeldet werden. Insgesamt entstehen 1920 drei Spielfilme, alle beruhen auf den Drehbüchern von Droop: "Auf den Trümmern des Paradieses" (Josef Stein), "Die Teufelsanbeter" (Marie-Luise Droop, Muhsin Ertugrul) und "Die Todeskarawane" (Josef Stein).

Hoch verschuldet, an Schwerhörigkeit erkrankt und von ihrem Ehemann geschieden, setzt Marie Luise Droop ihre Tätigkeit als Drehbuchautorin fort. Sie adaptiert für die Leinwand, schreibt eigene Melodramen und vorzugsweise Filme mit nationalen Inhalten. Laut eigener Angabe verfasst sie über 80 Drehbücher, etwa die Hälfte lässt sich nachweisen. Auch möchte sie im nationalsozialistischen Deutschland weiterarbeiten, hat damit aber keinen Erfolg. Eines ihrer letzten Drehbücher ist der kolonialistische Tendenzfilm "Die Reiter von Deutsch-Ostafrika" (1934, Herbert Selpin). Seit dem 1. September 1930 NSDAP-Mitglied, beantragt Droop im Januar 1938 die Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer. Diese wird ihr verweigert. 1942 beginnt sie im Amt Ausland/Abwehr unter Admiral Wilhelm Canaris als Übersetzerin.

Da ihr Zuhause in Berlin ausgebombt wird, zieht Marie Luise Droop 1943 nach Freiburg, nach Kriegsende dann nach Seelbach im Schwarzwald. Sie übersetzt und schreibt vereinzelt für die Lokalpresse. In äußerst bescheidenen Verhältnissen lebend, stirbt sie am 22. August 1959. (aha)

Ausgewählte Literaturhinweise 

Wolfgang Jacobsen, Heike Klapdor: Merhameh. Karl Mays schöne Spionin. Ein Dialog über die Autorin Marie Luise Droop. In: Jörg Schöning (Hg.): Triviale Tropen. Exotische Reise- und Abenteuerfilme aus Deutschland 1919–1939. München: edition text + kritik 1997, S. 124–141. 

Rudolf W. Kipp: Die Lu-Droop-Story, Teil I. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft, 10. Jg., Nr. 37, September 1978, S. 3–26. URL: https://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/sek lit/m-kmg/037/index.htm (14.05.2025).

Quelle:

Berten, Daria; Haupts, Annika; Heizmann, Anna; Jaspers, Kristina (Hg.): Weimar, weiblich. Filmpionierinnen des Kinos der Moderne (1918-1933). München: Edition text+kritik 2025 (Film Erbe, Bd. 7).

FILMOGRAFIE

1929
  • Drehbuch
1929
  • Drehbuch
1926
  • Drehbuch
1926
  • Drehbuch
1925
  • Drehbuch
1924/1925
  • Drehbuch
1923
  • Drehbuch
1922
  • Drehbuch
1922
  • Drehbuch
1922
  • Drehbuch
1921
  • Drehbuch
1920
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1920
  • Drehbuch
  • Produzent
1920
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1918
  • Drehbuch
1918
  • Drehbuch
1918
  • Vorlage