Sisi

Österreich Deutschland Italien 2009 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Die Aufregung im bayerischen Schloss Possenhofen ist groß, als der fesche österreichische Kaiser Franz Joseph die junge Nené von Bayern (die Italienerin Christiane Filangieri) nach Wien einlädt, um sie näher kennen zu lernen. Alle, und vor allem Erzherzogin Sophie (Paraderolle für Martina Gedeck als gestrenge Hausherrin der Wiener Hofburg) erwarten, dass Nené die Frau des jungen Kaisers wird.
Doch für den ist es Liebe auf den ersten Blick, als Nenés jüngere Schwester wie ein junges, ungestümes Füllen und naturgemäß erheblich zu spät auf der Bildfläche erscheint: Wirbelwind Sisi verdreht allen mit ihrer rehäugigen Makellosigkeit sogleich den Kopf: natürliche Ungezwungenheit gepaart mit herzlicher Offenheit. „Weil du du bist, ohne dich zu verstellen“: Franz Joseph heiratet Sisi - zum Entsetzen seiner Mutter.

„Ich habe noch nie eine Kaiserin gesehen, die so schallend gelacht hat wie sie“: Und so wird das Traumpaar nach der Traumhochzeit rasch auf den Boden der habsburgischen Tatsachen geholt – von Erzherzogin Sophie, die der kessen, daheim sehr liberal erzogenen 16-Jährigen, die sich über alle Hofetikette hinwegsetzt, schon die Flausen austreiben wird. Die Erzherzogin versichert sich der Dienste ihrer Ersten Gesellschaftsdame Gräfin Esterhazy und setzt durch, dass sich eine Amme um die Sisis Töchter Sophie und Gisela („Eine Kaiserin stillt nicht“), die zudem in ihren Flügel der Hofburg umziehen, kümmert.

Aber nicht nur privat verschärfen sich die Konflikte zwischen Franz Joseph, der den Entscheidungen seiner Mutter folgt, und Sisi. Die Probleme der Habsburger Monarchie besonders an den Rändern des Vielvölkerstaates sind nicht zu übersehen, aber auch im Kernland Österreich herrscht Armut und Not. Gegen das ausdrückliche Verbot Sophies („Ausgeschlossen. Eine Kaiserin mischt sich nicht unters Volk“) führt Sisi ihren Gatten incognito durch die Gassen Wiens. Und verhandelt mit Billigung ihres Vaters Herzog Max von Bayern heimlich mit dem charismatischen Wortführer der rebellischen Ungarn, Graf Andrassy, als sie sich daheim mit ihrer Schwester trifft, die nun an der Seite des Grafen von Thurn und Taxis ihr Glück gefunden hat.

Sisi, deren ehrliche Offenheit nicht nur in Wien, sondern im ganzen Habsburger Reich anerkannt wird, begleitet ihren Mann bei wichtigen Missionen nach Italien und Ungarn. Als sie gegen den ausdrücklichen Wilen ihrer Schwiegermutter auch ihre beiden Kinder mit nach Budapest nimmt, kommt es zu einer Katastrophe: Sophie stirbt auf der Reise an einer Lungenentzündung.

Im zweiten Teil des opulent ausgestatteten und, trotz mancher historischer Oberflächlichkeiten, in vielfacher Hinsicht großartigen Liebesdramas „Sisi“ dauert es lange, bis sich die Titelheldin vom Tod ihrer Tochter Sophie erholt. Doch die ungebrochene Liebe zum nach wie vor in Konventionen erstarrten Franz Joseph und ihren Kindern, Gisela gesellt sich bald der langerwartete Thronfolger Rudolf hinzu, geben ihr die Kraft, sich erneut ihren Aufgaben als Ehefrau, Mutter und Kaiserin zu stellen. Und die wachsen mit der Kriegsgefahr. Während Franz Joseph („Wir werden siegen, was sonst“) seinen greisen Marschall Radetzky gewähren lässt, der sich gegen die abtrünnigen Provinzen in Italien die Unterstützung Napoleons erhofft, hat Sisi ihre Zweifel an der Aufrichtigkeit des französischen Kaisers – und sie soll Recht behalten: Napoleon III. (prägnante Episodenrolle für Erwin Steinhauer) verrät Österreich an Piemont, und Franz kehrt geschlagen aus der Schlacht von Solferino zurück.

Daheim in Wien kommt es in der Frage um die Erziehung der Kinder, insbesondere des Thronfolgers Rudolf, erneut zum Eklat. Erzherzogin Sophie, die nun auch menschlich-mütterliche Regungen zeigt, bestimmt, dass sich dessen Erziehung nach den strikten Prinzipen der Habsburger Traditionen für den Thronerbe zu richten hat: Rudolf wird in der Kadettenschule gedrillt und Sisi sieht sich in die Ecke gedrängt. Nach einem Zusammenbruch wird sie ohne die Kinder zur Erholung nach Venedig geschickt, nach dem Verlust der Lombardei letztes Habsburger Refugium an der Adria. Der Gesundungsprozess schreitet voran, eine Lösung ihres Dilemmas aber ist nicht in Sicht: Sisi liebt ihre Kinder, ihren Mann und ihr Volk. Aber an der Wiener Hofburg wird sie von den starren Strukturen erdrückt. Im letzten Moment gelingt es Franz Joseph, sich gegen seine dominante Mutter durchzusetzen: Rudolf wird von der Militärschule genommen und Sisi kehrt gestärkt nach Wien zurück.

Wo auch ihr politischer Ratschlag – und ihre Verbindungen zu Graf Andrassy mehr denn je gefragt sind. Maximilian von Österreich (Xaver Hutter) ist als Kaiser von Mexiko gescheitert und von Aufständischen getötet worden. Und die Geschichte unheiliger Allianzen wiederholt sich: Nach dem Franzosen Napoleon erweist sich auch der Preuße Otto von Bismarck (Dieter Kirchlechner) als kompromissloser Machtpolitiker – und Österreich erleidet in der Schlacht von Königgrätz eine zweite vernichtende Niederlage. Das zweitgrößte europäische Reich, in dem einst die Sonne nicht unterging, bröckelt inzwischen nicht mehr nur an den Rändern. Und wieder ist es an Sisi, erneut von ihren beiden Kindern begleitet, in Budapest die Wogen zu glätten.

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs und des Untergangs der Habsburger Doppelmonarchie endet Xaver Schwarzenbergers aufwendiger Zweiteiler „Sisi“ so, wie er begonnen hat – mit einer Traumhochzeit. Die alt-österreichische Produzentengemeinschaft weiß, was das „Sissi“-Publikum sehen will und bedient die Romy Schneider-Fans mit prächtigen Interieurs, Kostümen und fürchterlich kitschiger Musik. Was sich alle Beteiligten immerhin elf Millionen Euro haben kosten lassen.

Und dennoch kann von einem Remake der immer noch Rekord-Einschaltquoten erreichenden Marischka-Kultstreifen aus den 1950er Jahren nicht gesprochen werden: Das dreiköpfige Autoren-Gespann und Xaver Schwarzenberger lassen den Mythos dieser Heile-Welt-Geschichten, die Romy Schneider selbst als „Kaiserschmarrn“ herabwürdigte, unangetastet und offerieren stattdessen unter der glänzenden Verpackung ordentlich Zeitgeschichte, deren Auswirkungen bis in die heutige Europäische Union deutlich werden.

Pitt Herrmann

Credits

Schnitt

Darsteller

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 15.04.2009 - 04.07.2009: Wien, Niederösterreich, Steiermark, Venedig, Ungarn
Länge:
200 min (2 à 100 min)
Format:
35mm, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SR
Aufführung:

TV-Erstsendung (AT): 16.12.2009, ORF 2 [Teil 1];
TV-Erstsendung (DE): 17.12.2009, ZDF [Teil 1];
TV-Erstsendung (AT DE): 20.12.2009, ORF 2/ZDF [Teil 2]

Titel

  • Originaltitel (AT DE IT) Sisi
  • Schreibvariante (AT DE IT ) Sissi

Fassungen

Original

Länge:
200 min (2 à 100 min)
Format:
35mm, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SR
Aufführung:

TV-Erstsendung (AT): 16.12.2009, ORF 2 [Teil 1];
TV-Erstsendung (DE): 17.12.2009, ZDF [Teil 1];
TV-Erstsendung (AT DE): 20.12.2009, ORF 2/ZDF [Teil 2]