Mörderische Stille

Deutschland 2016 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
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Gerade hat Kriminalhauptkommissar Jan Holzer noch in der Badewanne entspannt, da sitzt er schon beim „Seelen-Klempner“ im Studio und zeichnet nach Anweisungen aus dem Kopfhörer. Währenddessen hat Horst Wisotzki (Veit Stübner), ein Berliner auf Angelurlaub an der Oldenburgischen Nordseeküste, einen so dicken Fisch am Haken, dass sein Boot von Michael Kühnert, dem Leiter einer Segelschule, ins Schlepptau genommen wird: in der Wilhelmshavener Bucht ist eine Wasserleiche aufgetaucht.

„Verdammt Holzer, schwing deinen Arsch hier ‘rüber“ schallt es dem Tinnitus-geplagten Kommissar entgegen mit der ausgeprägten Berliner Schnauze seiner Assistentin Amal Catack, einer Deutschtürkin aus der Hauptstadt. Welche die offenbar erheblichen eigenen Problemen übertünchen soll: „Du kannst mir eine auf die Fresse hauen, aber kein Mitleid!“ Die beiden sind nicht wirklich ein harmonisches Team, auch was den Musikgeschmack im Dienstwagen betrifft: „Muss es denn unbedingt Mozart sein, geht nicht ‘was weniger Schwules?“ fragt Amal, die ihre kleine Schwester Aisha (Idil Kocadag) aus Berlin hierhergeholt hat, um deren Zwangsverheiratung zu verhindern.

Die Wasserleiche stellt sich als Ruud Achtermaat aus Amsterdam heraus, ein unehrenhaft aus der Armee entlassener Offizier der niederländischen Kfor-Truppen im Kosovo. Er soll, so die offizielle Lesart, an illegalen Waffengeschäften im ehemaligen Jugoslawien beteiligt gewesen sein. Achtermaat, seitdem als Privatmann für die Sicherheit auf Handelsschiffen tätig, ist angeblich weder Michael Kühnert noch seiner gehörlosen Gattin Elena bekannt, obwohl beide sich im Kosovo kennengelernt haben, wo der Segellehrer als deutscher KSK-Soldat gedient hat.

Jan Holzer, der sich zunehmend für Elena Kühnert und ihre ganz besondere Art, mit ihrer 18-jährigen Tochter Sabin in Gebärdensprache zu kommunizieren, interessiert, ist sicher, dass die Kühnerts ihm etwas verschweigen. Als es mit Miro Popitsch (Peter Franke) einen zweiten Toten gibt, verdichtet sich sein Verdacht. Stellt sich doch heraus, dass der beste Seilmacher weit und breit nicht nur auf offener See von einem professionellen Scharfschützen ermordet worden ist, sondern im Kosovo als Dolmetscher tätig war für das deutsche Kommando Spezialkräfte.

Dass Aisha die erste Nacht im Polizei-Büro verbracht hat, stößt auf Kritik im Kollegenkreis. Weshalb Holzer, offenbar schwer traumatisiert nach einem Waffeneinsatz und daher in psychiatrischer Behandlung, das obsessive junge Mädchen bei sich beherbergt und sich wie ein Vater um sie kümmert. Ihre Schwester Amal Catack ermittelt derweil in der obskuren Welt privater Sicherheitsfirmen und findet heraus, dass der tote Niederländer für das Unternehmen Scorpion Solution gearbeitet hat, dessen Chef Gerhard Heider (Achim Buch) ebenfalls als KSK-Soldat im Kosovo gewesen ist. Sie erfährt über eine holländische Anwältin, dass Achtermaat wegen Menschenhandels und Vergewaltigung während seines Kfor-Dienstes aus der Armee entlassen worden ist: „Das wurde alles unterm Deckel gehalten, damit der Einsatz nicht beschmutzt wird.“ Ein in seinem Cloud-Account gefundenes Video weist ihn als Zuhälter der „Nato-Huren“ genannten Prostituierten im Kosovo aus.

Als Amal mit dem MEK zum Hafen kommt, ist Jan Holzer entführt. Auf Michael Kühnerts Segelboot erfährt er auf offener See die unvorstellbare Wahrheit: Miro Popitsch war Elena Kühnerts Vater. Und ihre Tochter Sabin hat Elenas Vergewaltigung durch Kfor-Soldaten mitansehen müssen. Kühnert, der alle drei mit nach Deutschland genommen hat, will sich nun an Gerhard Heider rächen – dabei landet auch Jan Holzer im Wasser…

„Mörderische Stille“, am 2. Oktober 2016 beim Hamburger Filmfest uraufgeführt und am 9. Januar 2017 im ZDF erstausgestrahlt, behandelt ein lange nicht nur in den Niederlanden tabuisiertes Thema, die Verbrechen westeuropäischer „Friedenssoldaten“ im Kosovo-Krieg der Jahre 1998 und 1999. Das „Schuld- und-Sühne-Drama“ (ZDF-Pressetext) verbindet die zentrale Geschichte mit der Gehörlosenproblematik: was Elena Kühnert der hier einmal mehr überragenden Sylvie Testud verbal nicht auszudrücken vermag, kompensiert sie durch mimische und körperliche Emotionalität.

Friedemann Fromm im ZDF-Pressetext: „Wir wollen Gutes tun und scheitern am Bösen, das wir selbst gefördert haben. Dieses moralische Dilemma anhand von Figuren zu erzählen, die alle eine individuelle Form von Moral leben, das fand ich spannend. Unser Handeln holt uns unvermittelt ein als Konsequenz dessen, was wir irgendwo auf der Welt verursacht haben. Und genau dann wird der Unterschied wichtig zwischen Recht und Gerechtigkeit.“

Pitt Herrmann

Credits

Drehbuch

Darsteller

Alle Credits

Regie-Assistenz

Continuity

Drehbuch

2. Kamera

Kamera-Bühne

Szenenbild

Innenrequisite

Kostüme

Stunt-Koordination

Darsteller

Redaktion

Produktionsleitung

Geschäftsführung

Dreharbeiten

    • 29.09.2015 - 01.11.2015: Wilhelmshaven
Länge:
89 min
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:

Aufführung (DE): 02.10.2016, Hamburg, Filmfest

Titel

  • Originaltitel (DE) Mörderische Stille

Fassungen

Original

Länge:
89 min
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:

Aufführung (DE): 02.10.2016, Hamburg, Filmfest