Nosferatu

Nosferatu

Deutschland 1921, Spielfilm

Nosferatu


H.W. (= Hans Wollenberg), Lichtbild-Bühne, Nr. 11, 11.3.1922


Man versichert, daß einige Damen, die am Sonnabend der "Nosferatu"-Première beiwohnten, eine schlechte Nacht gehabt haben. Und das scheint nicht unglaubwürdig. Denn das Grauen in Kunstform zu gießen, ist in dieser Vollendung bisher nur den Hoffmann, Poe und Ewers auf dem Gebiete der Literatur gelungen. Und der Mann des Grimmschen Märchens, der auszog, um das Gruseln zu lernen, wäre bei diesem Film auf seine Kosten gekommen. Der Nosferatu-Film ist eine – Sensation; denn er verläßt radikal die ausgetretenen Geleise der hundertfach neu aufpolierten Liebesgeschichten und des mechanistischen Abenteuers. Er schöpft aus voraussetzungsloser Phantastik, deren Born der schauerliche Aberglaube vom Menschenblut trinkenden Vampir ist. Die Geschichte vom gespenstischen Vampir Nosferatu, der Tod, Pest und Entsetzen verbreitet, ist mit bannender Eindringlichkeit hier zum Lichtspiel gestaltet. Stimmung schaffende Elemente sind herangeholt, wo sie immer die Linse fand: Düstere Hochgebirgsklüfte, wildbrausende See, sturmgepeitschtes Gewölk, unheimliches Gemäuer. Ein Musterbeispiel dafür, wie der Film die Stimmungen der Landschaft für seine Wirkenszwecke auszunutzen hat. (...) Dieser Prana-Film, den am Sonnabend nur ein kleinerer Kreis sah, muß hinaus in die Kinos; man hat nicht das Recht, dem Publikum ein derart interessantes (um nicht zu sagen sensationelles) Werk, eine solche Gesamtleistung vorzuenthalten. Diese Uraufführung fand im Rahmen eines Festes statt, das von der Prana veranstaltet wurde.