Nosferatu

Nosferatu

Deutschland 1921, Spielfilm

Nosferatu


ej., Vossische Zeitung, Nr. 111, 7.3.1922


Das ist Film: gespensterische Kutschen huschen durch Waldesschluchten, Schreckgespenster jagen auf Menschen, Pest bricht aus, Schiffe fahren unbemannt in Häfen, Särge mit Erde und Mäusen flitzen aus Keller auf Wagen, in Schiffe, in zerfallene Hauslöcher. Das ist Film: ein Wesen Gespenst-Mensch kriecht, klettert über die Leinwand – und zwischendurch als Konzession auszahlende Durchschnittspublikum: eine Liebesgeschichte mit tragischem Ende. "Nosferatu" heißt dieser Film, der in den Fußstapfen "Dr. Caligaris" fünf Akte lang Gruseln erregt. Weil ihn kein Theaterbesitzer ins Haus einlassen will, hat man ihn zunächst in einer Sonderveranstaltung im Marmorsaal im Zoologischen Garten nach einem unpassenden Vorspiel und vor einem graziösen Tanzspiel und Ball vorgeführt. Henrik Galeen, der nachempfindende Autor, ist ein Knappe aus der Schule Wegeners. Sein Vampyr "Nosferatu" könnte aus Wegeners Werkstatt entsprungen sein: sprechenrampenfremd, buchfeindlich; ein eigener Stil-Film. Murnau, sein Bildlenker, stellt die Bildchen, sorglich durchgearbeitet, in sich abgeschlossen. Das Schloß des Entsetzens, das Haus des Nosferatu sind packende Leistungen. Ein Motiv-Museum. Den Nosferatu gibt er einem Leinwandneuling: Max Schreck. Der bringt ihn als Kleinkindergreuel, düster, leichenblaß, mit Teufelskrallen. Sein Wesen ist Alexander Granach, absichtlich betont grotesk. Erfrischend in all dem traurigen Dunkel: Gustav v. Wangenheim, der Held, der Lichtblick, der Besieger des Vampyrs. Und Greta Schröder, sein Eheweib, photoschön in großen Szenen. Hans Erdmann, der die "Symphonie des Grauens" musikalisch ausstattete, fand eine Lösung des Problems der Filmkomposition.