Variante Tramper

DDR 1988/1989 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Das Autoradio auf volle Dröhnung gedreht ist beim jungen Fahrer eines schon recht betagten Wartburg die Stimmung bestens – und die Geschwindigkeit reichlich überhöht. In einer scharfen Kurve übersieht er ein kleines Mädchen, das über die Straße läuft. Die Neunjährige ist sofort tot – und der Fahrer über alle Berge.

Eine Radfahrerin ist Augenzeugin, den beiden Kriminalisten, Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Thomas Grawe, aber keine Hilfe: Frau Degenhard kann weder zielführende Angaben zum Fahrer noch zum Fahrzeug machen. Auch eine sogleich eingeleitete großräumige Fahndung hat keinen Erfolg.

Der Student Kai-Dieter Kutscher war nach einem wunderschönen Sommerferientag im Strandbad abgelenkt und so erschrocken, dass er Fahrerflucht beging. Als er den Unfall seiner Mutter Angela Kutscher beichtet, ruft diese sogleich ihren geschiedenen Mann Ralph Jonas zu Hilfe: „Der Junge ist auch dein Sohn“. Im Gegensatz zu Kai, der bereit ist, sich der Volkspolizei zu stellen, sind sich seine Eltern einig wie schon lange nicht mehr: Ihr Sohn darf sich seine vielversprechende akademische Zukunft nicht verbauen.

Nachdem das an den Scheinwerfern und der Stoßstange vorn erheblich beschädigte Unfallfahrzeug in der Garage der verreisten Nachbarn verschwunden ist, wird Kai zurück ins Strandbad beordert. Seine Mutter, die den Wartburg als gestohlen meldet, wird ihn abends dort abholen und in den Zug aufs Land zu Tante Lena stecken: Erst ‘mal von der Bildfläche verschwinden. Vater Ralph, der einen perfiden Plan ausheckt, um den Verdacht auf einen Unschuldigen zu lenken, bringt ihm später noch sein Zelt nach.

Dessen zweite, jüngere Frau Helma Jonas sich in den „Variante Tramper“ genannten Plan einbeziehen lässt. Obwohl sich die attraktive Leiterin einer Kurzwaren-Boutique gerade noch über ihren schluffigen Gatten mokiert hat, dass er sich mehr für seine Hunde als für sie interessiere. Ralph hat den per Anhalter aus Berlin kommenden Jochen Pankhaus in Helmas Lada aufgenommen und unter einem Vorwand mit vier Flaschen Pilsener Urquell, anno 1989 selbst in der DDR-Provinz offenbar keine Bückware mehr, vor einer idyllisch an einem See gelegenen Datsche „geparkt“.

Erst am späten Abend bringt er ihn zum nächsten Bahnhof, wo in dieser Starkregen-Nacht kein Zug mehr verkehrt. Den völlig Durchnässten liest die scheinbar zufällig vorbeikommende, mit Kopftuch und Brille kaum identifizierbare Helma Jonas wenig später im Unfallwagen auf und fährt ihn nach Hause. Am anderen Morgen wird Jochen Pankhaus verhaftet: der verbeulte Wartburg vor seiner Haustür wies der Volkspolizei den Weg.

Dem einschlägig als Autodieb und Unfallfahrer vorbestraften, sich aufmüpfig gebenden Leder-Punk, der vor kurzem im DDR-Fernsehen noch als asoziales Element gegolten hätte, glaubt niemand seine krude, aber wie die Zuschauer wissen, wahre Geschichte. Erst als dem alten Fuchs von Hauptmann Zweifel an dem schlüssigen Indizien-Bündel kommen, lässt er die Abläufe des Unglückstages minutiös rekonstruieren. Im Gespräch mit dem Besitzer besagter Datsche, einem nur Opa Krebs genannten Rentner, tun sich Widersprüche auf. Von der dort gesicherten Lada-Reifenspur ganz abgesehen.

In der Tat kann Opa Krebs Eins und Eins zusammenrechnen und erpresst Ralph Jonas: Als Verkaufsstellenleiter der „Siedlerquelle“ soll er ihm Maschendrahtzäune und Holzpflöcke besorgen, kostenlos natürlich. Auf den leiblichen Vater des Unfallfahrers aber kommen die Ermittler, zu denen auch Leutnant Felsch gehört, erst durch das gesprächige Nachbars-Ehepaar Uwe und „Mäuschen“ Kellerbauer. Freilich fehlt von Kai-Dieter Kutscher weiterhin jede Spur…

Noch herrscht Ruhe im Land: Zwar lässt sich eine führende Mitarbeiterin der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) Baustoffversorgung als alleinerziehende Mutter dazu hinreißen, sich zum Schutz ihres Sohnes zusammen mit ihrem „Ex“ eine „Variante Tramper“ genannte Schweinerei auszudenken. Aber letztlich siegt doch die Ehrlichkeit: Kai Kutscher setzt sich am Ende gegen seine sogar übergriffig gewordene Mutter durch und stellt sich der Volkspolizei. Und Helma Jonas übernimmt die Verantwortung für den zunächst als Unfall erklärten Ertrinkungstod Opa Krebs‘ am Anleger. Die gesellschaftlichen und politischen Probleme, die zur neun Monate später vollzogenen Wiedervereinigung geführt haben, spielen keine Rolle.

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Drehbuch

Schnitt

Darsteller

Alle Credits

Regie

Regie-Assistenz

Drehbuch

Dramaturgie

Kamera-Assistenz

Standfotos

Kamera-Bühne

Kostüme

Garderobe

Schnitt

Schnitt-Assistenz

Ton-Assistenz

Darsteller

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • 15.09.1988 - 25.11.1988: Königs Wusterhausen, Zeuthen, Eberswalde, Zehdenick, Jena/Cospeda
Länge:
78 min
Format:
35mm, 1:1.33
Bild/Ton:
Orwocolor, Mono
Aufführung:

TV-Erstsendung (DD): 19.02.1989, DDR-TV

Titel

  • Reihentitel (DD DE) Polizeiruf 110
  • Originaltitel (DD) Variante Tramper

Fassungen

Original

Länge:
78 min
Format:
35mm, 1:1.33
Bild/Ton:
Orwocolor, Mono
Aufführung:

TV-Erstsendung (DD): 19.02.1989, DDR-TV