Credits
Regie
Kamera
Alle Credits
Regie
Kamera
Ton
Produktionsfirma
im Auftrag von
Produktionsleitung
Länge:
45 min
Format:
16mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Aufführung:
TV-Erstsendung (DD): 09.01.1972, DDR-TV
Titel
- Originaltitel (DD) Palucca
- Weiterer Titel (DD) Gret Palucca
Fassungen
Original
Länge:
45 min
Format:
16mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Aufführung:
TV-Erstsendung (DD): 09.01.1972, DDR-TV
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Schnitt. Ostseewellen. Die grazile Frau ist am Strand mit einem Hammer unterwegs, um damit geschlossene Muscheln zu bearbeiten. Vitte auf Hiddensee wurde in der NS-Zeit zu ihrem „Exil“ und später zu ihrem zweiten Wohnsitz, nachdem sie durch die Hochzeit mit dem kunstsinnigen Mühlenbesitzer Fritz Bienert in den 1920er Jahren in Kontakt zur Künstlerkolonie der kleinen Insel trat.
Die Erfinderin des „Neuen Künstlerischen Tanzes“ ist die Tochter jüdisch-ungarischer Eltern aus Konstantinopel, die kurz nach der Geburt Margaretes nach San Francisco zogen. 1909 kehrte Margaret mit ihrer Mutter Rose nach Deutschland zurück, wo sie von 1914 bis 1916 in Dresden Ballettunterricht bei Heinrich Krölle nahm. Die Ausdruckstänzerin Mary Wigman wurde nach eigenem Bekunden zum Schlüsselerlebnis, Margarete schloss sich ihrer Compagnie an und änderte ihren Namen 1921 in Gret Palucca.
Vier Jahre später gründete sie ihre eigene Schule in Dresden, wobei nun der Komponist und Dirigent Herbert Trantow ihr künstlerischer Begleiter wurde, dem Gitta Nickel eine kleine Exkursion widmet. Paul Klee, Wassily Kandinsky und andere Bauhaus-Künstler waren ihre Schüler, auch die Choreografin, Regisseurin und spätere Leiterin des Berliner Ensembles Ruth Berghaus. Ihr Soloauftritt 1936 bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin hat Gret Palucca wohl das Leben gerettet – und nach Kriegsende in der DDR nicht geschadet. Sie konnte 1945 ihre Tanzschule in Dresden wiedereröffnen und hatte ihren letzten Soloauftritt 1951 zum 75. Geburtstag des DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck.
Gitta Nickel verschweigt sowohl die Auftritte vor Adolf Hitler und Wilhelm Pieck als auch die kurzzeitige „Auswanderung“ Gret Paluccas 1959 nach Sylt samt erfolgreicher Rückholung mit dem Versprechen eines Grundstücks auf Hiddensee sowie einer Professur. Die Dokumentaristin zeigt vielmehr eine vor Engagement sprühende alte Dame, die 122 Schüler unterschiedlicher Altersstufen unterrichtet – und das bewusst immer wieder mit dem die Gemeinschaft fördernden gemeinsamen Unterricht.
Gret Palucca macht ihren Schützlingen gegenüber keinen Hehl daraus, dass auf das siebenjährige Studium nur eine vergleichsweise kurze Zeit der Berufsausübung folgt: Bereits mit 35 Jahren ist in der Regel Schluss – weil der Körper einfach nicht mehr mitmacht. Aber Gret Palucca machts allen vor, dass die Freude an der Arbeit die aktive Zeitspanne erheblich verlängern kann. Die 45-minütige TV-Dokumentation im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks ist am 9. Januar 1972 im zu Jahresbeginn umbenannten Fernsehen der DDR erstausgestrahlt worden.
Pitt Herrmann