Herr der Diebe

Deutschland Luxemburg Großbritannien 2005 Spielfilm

Inhalt

Verfilmung des Kinderbuchs von Cornelia Funke. Auf der Flucht vor ihren herzlosen Pflegeeltern kommen die beiden Waisenkinder Bo und Prosper nach Venedig, wo sie den 15-jährigen Scipio kennen lernen. Er ist der geheimnisvolle "Herr der Diebe", der die Reichen bestiehlt, um für die hilfsbedürftigen Mitglieder seiner Kinderbande zu sorgen. Eines Tages entdecken die Kinder ein uraltes, magisches Karussell, das die Kraft besitzt, seine Passagiere älter oder jünger zu machen. Zuvor aber muss man einen seit langem verschwundenen Löwenflügel finden und an dem Karussell anbringen – eine große Herausforderung für die gewitzten Diebe, zumal ein böser Hehler und ein Privatdetektiv der Bande auf den Fersen sind.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Der Detektiv Victor Getz erhält in seinem bescheidenen Büro in Venedig Besuch von einem Hamburger Ehepaar, Esther und Max Hartlieb. Sie beauftragen ihn mit der Suche nach zwei Kindern, dem Brüderpaar Prosper und Bonifatius, genannt Bo. Es sind die als unzertrennlich geltenden Söhne von Esthers verstorbener Schwester, die sich von Norddeutschland in die Lagunenstadt durchgeschlagen haben, von der sie aus Erzählungen ihrer Mutter hörten. Denn nur der jüngere Bo sollte von den Hartliebs an Kindes statt aufgenommen, Prosper dagegen aufs Internat geschickt werden.

Das Mädchen Wespe und ihre Freunde Riccio und Mosca erhalten unerwarteten Neuzugang in ihrem gemeinsamen Versteck, dem aufgelassenen Kino Stella, dass ihnen ihr Anführer Scipio, der selbsternannte „Herr der Diebe“, besorgt hat. Scipio, der nie selbst in diesem „Sternenversteck“ übernachtet, versorgt die Kinder mit Geld und Essbarem, die im Gegenzug kleinere Taschendiebstähle begehen und ihre Beute im Laden des Antiquitätenhändler Barbarossa unweit der Basilica San Marco verhökern.

Erst später kommt heraus, dass ihr Anführer Scipio, der Prosper und Bo, die von einem Apotheker verfolgt werden, ins Stella in Sicherheit gebracht hat, in Wahrheit gar kein Waisenkind ist, sondern der ungeliebte Sohn des einflussreichen und wohlhabenden Dottore Massimo. Viele der besonders wertvollen Stücke, die sie dem rotbärtigen Fettwanst Barbarossa verkauft haben, stammen in Wahrheit aus dem elterlichen Hausstand Scipios. Durch dessen Vermittlung erhalten die Kids durch einen geheimnisvollen Conte (Geoffrey Hutchings) den Auftrag, in ein Haus am Campo Santa Margherita einzubrechen, das der Fotografin Ida Spavento gehört. Ein hölzerner Flügel ist das Objekt seiner Begierde, denn das Gegenstück zu ihm befindet sich bereits in seinem Besitz.

Ida überrascht die unerfahrenen Einbrecher – und lädt sie zu einem Kaffee ein. Sie, die einst selbst ein Waisenkind gewesen ist, kennt die Geschichte des hölzernen Flügels. Er gehört zu einer Löwenfigur, dem Wahrzeichen Venedigs, die Teil eines Karussells gewesen ist, das ein reicher Kaufmann vor 150 Jahren dem Waisenhaus der Barmherzigen Schwestern geschenkt hat. Dieses auf mysteriöse Weise verschwundene Karussell birgt ein Geheimnis: Wer ein paar Runden auf ihm dreht, kann als Kind zum Erwachsenen werden und umgekehrt. Ida beschließt, zusammen mit den Kindern den verabredeten Deal mit dem hölzernen Flügel zu machen, um hinter die Identität des Conte zu kommen. Er heißt in Wirklichkeit Renzo und gehört wie seine Schwester Morosina (Anita Wright) keineswegs dem alten venezianischen Adelsgeschlecht der Vallaresso an, deren Villa er zusammen mit der vorgeblichen Contessa auf der Isola Segreta, der Geheimen Insel, bewohnt.

Während Scipio und Prosper in der Nacht zu dieser geheimnisumwitterten Insel fahren, wo sie auch tatsächlich das Karussell finden, aber entdeckt und eingesperrt werden, wird das „Sternenversteck“ vom geldgierigen Barbarossa verraten: Bo wird zu ihrer Tante Esther ins Hotel gebracht, Wespe landet im Waisenhaus. Ida, die den Rest der Kinder in ihr Haus aufnimmt, wo sie – zumindest in der Buchversion – liebevoll von ihrer Haushälterin (Ann Comfort) bekocht und betreut werden, boxt zusammen mit dem Detektiv Victor, der inzwischen die Seiten gewechselt hat und von seinem ursprünglichen Auftrag nichts mehr wissen will, das Mädchen aus dem Heim heraus. Bis zum großen Happy End müssen freilich noch so manche spannenden Abenteuer überstanden werden...

Cornelia Funke, die 1958 in Dorsten geboren wurde und gerade nach Los Angeles gezogen war, hatte Pädagogik und Grafik studiert, bevor sie ihr Schreibtalent entdeckte. Kinderbücher, witzige Bilderbücher und Romane nicht nur für junge Leute wurden vielfach preisgekrönt und in über zwanzig Sprachen übersetzt. Neben „Tintenherz“ und „Drachenreiter“ gehört „Herr der Diebe“ zu ihren erfolgreichsten Werken, das nun als ihr erstes mit einer internationalen Starbesetzung, so spielt Vanessa Redgrave die Waisenhaus-Schwester Antonia, verfilmt worden ist. Die in Venedig und Luxemburg gedrehte englischsprachige Leinwandadaption „The Thief Lord“ hält sich erfreulicherweise im Wesentlichen an die Vorlage, naturgemäß ohne jeden kleineren Nebenstrang der Handlung in epischer Breite darzustellen. Es gibt jede Menge rasante Verfolgungsjagden durch die engen Gassen der vielleicht schönsten Stadt der Welt mit ihren schmalen Brücken und einer unübersichtlichen Vielzahl von Kanälen. Bis sich diese Action-Szenen freilich zu einer gradlinigen Handlung verdichten, dauert es eine Weile.

Richard Claus („Kleiner Vampir“) musste für seinen von ihm selbst mitproduzierten Film zudem mit einem schmalen Budget auskommen, was an manchen Stellen auch sichtbar wird. Kein Vergleich also zu Roman Polanskis Meisterwerk „Oliver Twist“. Aber vor allem die jungen Protagonisten, allen voran Jasper Harris als Bo, reißen technische Mängel allemal heraus. Großartig freilich auch Jim Carter als etwas zu trotteliger Detektiv Victor und Alexei Sayle als mit allen Wassern Venedigs gewaschener Hehler Barbarossa.

Kameramann David Slama hat für „Herr der Diebe“ wunderbare Sehnsuchtsbilder der romantischen Lagunenstadt eingefangen, und das ist beileibe keine dem Cinemascope-Format geschuldete Zutat: Schon Cornelia Funke hat ihren Roman mit wunderschönen Vignetten – und sogar einem selbst gezeichneten Stadtplan Venedigs – ausgestattet. Uraufgeführt am 18. Dezember 2005 im traditionsreichen Hamburger Premierenkino Streit’s am Jungfernstieg, das skandalöserweise nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde und heute einen Drogeriemarkt beherbergt, startete „Herr der Diebe“ am 5. Januar 2006 in den Kinos, die Free-TV-Premiere war am 22. November 2009 im ZDF.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie-Assistenz

Script

Kamera

Kameraführung

Material-Assistenz

2. Kamera

Steadicam

Kamera-Bühne

Ausstattung

Bau-Ausführung

Storyboard

Requisite

Außenrequisite

Innenrequisite

Maske

Kostüme

Schnitt

Darsteller

Produzent

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • Italien, Luxemburg
Länge:
2690 m, 98 min
Format:
35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung: 28.10.2005, 104146, ohne Altersbeschränkung, feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung: 18.12.2005, Hamburg, Streit's;
Kinostart (DE): 05.01.2006

Titel

  • Originaltitel (DE) Herr der Diebe
  • Weiterer Titel (LU GB) Thief Lord

Fassungen

Original

Länge:
2690 m, 98 min
Format:
35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung: 28.10.2005, 104146, ohne Altersbeschränkung, feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung: 18.12.2005, Hamburg, Streit's;
Kinostart (DE): 05.01.2006

Auszeichnungen

FBW 2005
  • Prädikat: wertvoll