Eyes Wide Shut

USA Großbritannien 1999 Spielfilm

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Heinz17herne
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Seit neun Jahren sind der erfolgreiche New Yorker Arzt William Hartford und Alice, die mit ihrer Kunstgalerie in Soho finanziell Schiffbruch erlitten hat, miteinander verheiratet. Was in der Upper-Class-Szene der amerikanischen Metropole als Sensation wahrgenommen wird: Die beiden geben immer noch ein glückliches Paar ab. Während Alice sich um die gemeinsame siebenjährige Tochter Helena (Madison Eginton) und um den aufwendigen Haushalt des Luxusappartements kümmert, wobei ihr mit der jungen Roz (Jackie Sawiris) ein zuverlässiger „Babysitter“ an der Seite steht, macht William sich einen Namen als kompetenter und vertrauensvoller Arzt – besonders unter seinen weiblichen Patienten.

Wie jedes Jahr sind William und Alice zur Weihnachtsfeier des steinreichen Unternehmers Victor Ziegler (Sidney Pollack) eingeladen. Und wie jedes Jahr gehen sie auch heuer auf die Party, obwohl beide nicht so recht wissen, was sie dort verloren haben. Und auch kaum jemanden der anderen Gäste kennen. Immerhin erkennt William in dem für den Weihnachtsabend verpflichteten Pianisten einen ehemaligen Kommilitonen wieder, Nick Nightingale (Todd Field), der seinerzeit jedoch sein Medizinstudium abgebrochen hat und sich und seine Familie nun, wie er im Verlauf des eher langweiligen gesellschaftlichen Ereignisses von ihm erfährt, als Barpianist in verschiedenen Clubs durchschlägt.

William, von Gayle (Louise J. Taylor) und Nuala (Stewart Thorndike), zwei jungen, attraktiven Models, die er aus seiner Arztpraxis her kennt, heftig umschwärmt, wird in das obere Stockwerk der hochherrschaftlichen Villa gerufen. Dort findet er den Gastgeber in leichter Bekleidung und ziemlich aufgelöst vor: Dessen schöne Geliebte, die Ziegler zum „Ende des Regenbogens“ (ver-) führen wollte, ringt nach einer Überdosis Heroin mit dem Tod.

Während es William mit Engelsgeduld und großer ärztlicher Umsicht schafft, die bewusstlose junge Frau ins Leben zurückzuholen, lässt unten im Erdgeschoß ein älterer ungarischer Aristokrat, Sandor Szavost, seinen altbackenen kakanischen Charme spielen – und verzaubert Alice im Handumdrehen mit schmeichelhaften Komplimenten und dem Angebot, ihr bei der Suche nach einem neuen, adäquaten Job zu helfen. Spät in der Nacht kehren William und Alice heim. Sie bezichtigt ihn, sich mit den beiden Models vergnügt zu haben und gesteht ihm gleichzeitig nicht nur die Avancen des distinguierten Europäers, sondern auch eine Begebenheit, die sich bei ihrem letzten gemeinsamen Strandurlaub zugetragen hat, wo sie einem jungen Marineoffizier begegnet ist.

Aufgewühlt von den Ereignissen des Abends und verfolgt von Traumbildern seiner ehebrecherischen Frau macht sich der eifersüchtige William noch in der Nacht zum Totenbett eines ehemaligen Patienten auf. Dort gesteht Marion (Marie Richardson), die Tochter des Verstorbenen, ihre Liebe zu ihm. Und William befindet sich gerade in der richtigen Stimmung, ihrem Werben nachzugeben, als Marions Verlobter Carl (Thomas Gibson) hereinkommt. Er ist Mathematik-Professor und hat einen Lehrauftrag an einer entfernten Universität erhalten: Er und Marion wollen heiraten und von New York fortziehen.

William, immer noch von Traumbildern verfolgt, kommt nicht zur Ruhe. Die so schöne wie zärtliche Prostituierte Domino (Vinessa Shaw) erbarmt sich des verstörten Arztes, nimmt ihn in ihre Wohnung mit und nur der Anruf seiner besorgten Gattin hindert William daran, ihren erotischen Avancen nachzugeben. Doch William zieht es immer noch nicht nach Hause. In der Bar „Sonata Jazz“ trifft er erneut mit Nick Nightingale zusammen, der ihm davon berichtet, noch einen – geheimnisumwitterten – Auftritt zu haben. Dabei handelt es sich um einen privaten Club in einer Villa weit draußen, in die man nur in Kenntnis eines Codewortes („Fidelio“) und im Kostüm gelangt. Schnellentschlossen besorgt sich William ein solches beim nahegelegenen Rainbow-Verleih, wo er auf einen merkwürdigen Kostümverleiher und dessen minderjährige Tochter trifft.

Ein Taxi bringt William zu dem schlossartigen Anwesen, wo nicht nur eine bizarre Kostümorgie gefeiert wird, sondern offenbar so etwas wie eine schwarze Messe gut betuchter Geheimbündler. Obwohl er rasch als fremder Eindringling entlarvt und mehrfach von einer schönen Larve vor den Konsequenzen seiner Enttarnung gewarnt wird, weigert sich William, diesen magischen Ort zwischen Wahn und Wirklichkeit zu verlassen. Eine Art Femegericht beschließt, den ungebetenen Gast umzubringen. Da erklärt „seine“ nackte Schöne, sich für ihn opfern zu wollen – und William ist frei.

Zuhause angekommen, schreckt Alice aus einem Albtraum hoch und veranlasst William, seine erotische Reise noch einmal zu rekapitulieren. War die opferbereite junge Frau etwa die Geliebte Victor Zieglers, die er ins Leben zurückgeholt hat? Oder Amanda Curren, die Ex-„Miss New York“, die nach einem Unfall verstorben ist, wie es anderntags die Zeitungen melden. Auch ein Besuch im Leichenschauhaus, für den angesehenen Arzt kein Problem, bringt keine Gewissheit.

Traum oder Wirklichkeit? Als William am anderen Morgen die Kostümmaske, die er in der Nacht getragen haben muss, im Bett neben dem Kopf seiner Frau vorfindet, zweifelt er nicht mehr. Zumal er nun von einem geheimnisvollen Mann verfolgt wird und Victor Ziegler offen zugibt, dass die Mitglieder des geheimnisvollen Clubs, dem offenbar neben Ziegler auch weitere einflussreiche Mitglieder angehören, dahinterstecken. William verzichtet auf weitere Nachforschungen – und kommt endlich in den weit geöffneten Armen seiner Gattin Alice zur Ruhe...

Dreißig Jahre lang plante Stanley Kubrick die Verfilmung von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“. Und auch die Dreharbeiten zogen sich ungewöhnlich lange hin: Nach 16-monatiger Klausur am Set war die Ehe der beiden Hauptdarsteller Tom Cruise und Nicole Kidman zermürbt. Eine Entwicklung, die der Regisseur nicht mehr mitbekommen hat: Stanley Kubrick starb vier Tage nach Ablieferung des Endschnitts. „Eyes Wide Shut“, der von Jan Harlan und Stanley Kubrick produzierte Film der Unternehmen Pole Star London und Warner Bros., startete am 16. Juli 1999 in den US-Kinos. Auf die Europa-Premiere am 1. September 1999 zur Eröffnung der 56. Filmfestspiele Venedig folgten der deutsche Kinostart am 16. Juli 1999 sowie die Free-TV-Premiere am 21. Dezember 2002 in der ARD.

Kubrick und sein Drehbuchautor Frederic Raphael haben sich erstaunlich eng an die Vorlage von 1926, gehalten. Darin hat sich Schnitzler („Kein Traum ist völlig Traum“) als ein Meister des psychologisch motivierten Stils, in dem das Bewusste und das Unbewusste, die Wirklichkeit und die Illusion ineinander fließen, entpuppt. Naturgemäß ist William nicht Fridolin und Alice nicht Albertine, „Eyes Wide Shut“ spielt nicht im behäbigen, noch ganz kakanisch geprägten Österreich, sondern 50 Jahre später im aufgeheizten Milieu der New Yorker High Society.

Und was Schnitzler in wohlgesetzten Worten nur ganz vorsichtig anzudeuten wagte, setzt Kubrick in opulenten, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglassenden Bildern um. Der neuen Zeit sind manche Details geschuldet, ein kleines, aber paradigmatisches Beispiel: Schnitzlers Mizzi hat von Fridolin kein Geld angenommen, Kubricks Domino von William ganz selbstverständlich schon. Aber warum letztere auch noch HIV-positiv getestet werden muss, bleibt ebenso eine überflüssige Film-Erfindung wie Williams (nicht ganz) freiwillige Demaskierung vor der exklusiven Club-Gesellschaft.

Pitt Herrmann

Credits

Darsteller

Alle Credits

Darsteller

Länge:
155 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

Deutsche Erstaufführung (DE): 09.09.1999

Titel

  • Originaltitel (US GB) Eyes Wide Shut

Fassungen

Original

Länge:
155 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

Deutsche Erstaufführung (DE): 09.09.1999