Im damaligen Deutsch-Ostafrika wurden zwischen 1905 und 1907 während des Maji-Maji-Kriegs etwa 300.000 Afrikaner*innen ermordet – weil sie sich gegen die deutsche Kolonialherrschaft wehrten. Ein Anführer des Befreiungskampfes war Songea Mbano vom Volk der Ngoni. Er wurde 1906 von Kolonialsoldaten erhängt und dann enthauptet. Sein Kopf verschwand – wie viele andere menschliche Überreste aus den Kolonialgebieten, die zu rassistischen Forschungszwecken missbraucht oder als grausames "Souvenir" in deutsche "Völkerkunde"-Museen gebracht wurden; vieles landete auch in Privatsammlungen. In ihrem Dokumentarfilm "Das leere Grab" begleiten Cece Mlay und Agnes Lisa Wegner den Urenkel von Songea Mbano auf der Suche nach dem Schädel seines berühmten Urgroßvaters. Sie zeigen seine Treffen mit Aktivist*innen und die Recherchen bei den zuständigen deutschen Institutionen. Dabei werden neue Hoffnungen und alte Enttäuschungen nachvollziehbar, die so viele Betroffene der kolonialistischen Gräueltaten bis heute erleben. Zugleich vermittelt der Film eine Ahnung von der umfassenden Bereitschaft zur Entmenschlichung auf Seiten der damaligen Kolonialherren. Bundespräsident Steinmeier besuchte Ende 2023 das Maji-Maji-Museum in Tansania und bat für die deutschen Kolonialverbrechen um Verzeihung. Gefunden hat John Mbano den Schädel seines Urgroßvaters indes noch nicht. "Das leere Grab", ein so wichtiger wie berührender Film, wurde im Februar auf der Berlinale uraufgeführt, nun startet er regulär in den Kinos.