Bei der 43. Jurysitzung des Berlinale World Cinema Fund (WCF) sprach die Jury neun Förderempfehlungen aus und vergab die aktuelle Fördersumme von 365.000 Euro an Projekte aus Bangladesch, Burkina Faso, Ecuador, Kambodscha, Libanon, Malaysia, den Philippinen, Senegal und der Türkei. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Monaten drei deutsche Kinostarts mit einer Gesamtfördersumme von 28.000 Euro unterstützt.
Unter der Auswahl befinden sich drei Regisseur*innen, die bereits zuvor vom WCF gefördert wurden: Ana Cristina Barragán, deren jüngster Film "Hiedra" 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wurde, Amanda Nell Eu, Regisseurin des Cannes-Gewinners "Tiger Stripes" von 2023, sowie Apolline Traoré, deren Film "Sira" 2023 im Berlinale Panorama Premiere feierte.
Die Auswahl unterstreicht zudem Synergien innerhalb des Berlinale-Pro-Ökosystems: Fünf Regisseur*innen haben an Berlinale Talents teilgenommen, zwei Projekte wurden beim Berlinale Co-Production Market beziehungsweise beim Talents Project Market präsentiert.
Es handelt sich um die erste Jurysitzung unter dem Vorsitz von Sata Cissokho, die Ende 2025 die Leitung des World Cinema Fund übernommen hat.
"Wir haben eine Rekordzahl an Einreichungen und qualitativ hochwertigen Projekten erhalten. Auch wenn es nicht leicht ist, nur neun Projekte für eine Förderung zu empfehlen, zeigt dies die Bedeutung und Relevanz der Unterstützung des World Cinema Fund für kulturelle Vielfalt – durch eine Vielzahl von Themen, Perspektiven und Formen. Besonders stolz sind wir darauf, sechs Erstlingsfilme zu begleiten und zugleich unser Vertrauen in die Arbeiten früherer WCF-Regisseur*innen zu erneuern. Nach den jüngsten Erfolgen WCF-geförderter Filme wie "Ben´Imana" von Marie-Clémentine Dusabejambo, Gewinner der Caméra d´Or in Cannes, und "Elephants in the Fog" von Abinash Bikram Shah, Gewinner des Jurypreises – Un Certain Regard, ist unser Engagement für mutige und zum Nachdenken anregende Stimmen klarer denn je", sagt Sata Cissokho.
Die Förderempfehlungen der 43. Jurysitzung
Die WCF-Jury traf ihre Auswahl aus 373 eingereichten Projekten aus insgesamt 75 Ländern. Die Förderempfehlungen umfassen eine Fördersumme von 365.000 Euro.
Mitglieder der Jury waren der Filmkritiker und Kurator Ali Benzekri (Marokko), Festivalleiterin Susanne Bieger (Deutschland), Produzentin und Festivalprogrammerin Tatiana Leite (Brasilien) sowie die Leiterin des WCF, Sata Cissokho.
Produktionsförderung
WCF Classic
"Birthday", Regie: Lara Zeidan (Libanon). Berlinale Talents 2019
Produktion: Road2Films (Libanon), Sévana Films (Frankreich), Couronne Nord (Kanada), Tabi360 (Jordanien), Mayana Films (Deutschland)
Inhalt: Beirut, 7. Mai 2008: Ein gewöhnlicher Tag nach der Schule wird für Razan, die am nächsten Tag vierzehn wird, durch Schusswechsel erschüttert, die in der ganzen Stadt ausbrechen. Dennoch bleiben Razans Teenager-Sorgen unverändert, während sie versucht, einen normalen Geburtstag zu erleben.
Förderung: 60.000 Euro
"Goodbye for Now" ("Şimdilik Hoşça Kal"), Regie: Kasım Ördek (Türkei)
Produktion: Parda Film (Türkei), Die Gesellschaft DGS – Michael Henrichs Filmproduktion (Deutschland), Kidam Production (Frankreich), The Film Kitchen (Niederlande)
Inhalt: Sevgi, eine junge Frau Anfang zwanzig, die mit einer Gang im Ghetto von Istanbul lebt, begibt sich auf eine gefährliche Suche, nachdem ihre Mutter auf mysteriöse Weise verschwunden ist.
Förderung: 35.000 Euro
"The Guardian of the Green Ocean" ("La Gardienne de L’Océan Vert"), Regie: Apolline Traoré (Burkina Faso)
Produktion: Les Films Selmon (Burkina Faso), Araucania Films (Frankreich), Productions Colorées (Kanada)
Inhalt: Nach der Entdeckung einer Ölquelle, die ihr Dorf bedroht, und während ihre Vergangenheit sie einholt, muss Inaya ihr Schicksal als Hüterin annehmen, um ihren Wald vor den Bedrohungen der Moderne zu schützen. Doch dies wird sie ihre Liebe kosten…
Förderung: 40.000 Euro
"HUM" ("OVUG"), Regie: Don Josephus Raphael Eblahan (Philippinen). Berlinale Talents 2024 / Talents Project Market 2025
Produktion: Daluyong Studios (Philippinen), Prima Materia Pictures (USA), Oma Inge Film (Deutschland), Big Wave Films (Polen)
Inhalt: Esme, eine indigene Reiterin mit der seltenen Gabe, Tierlaute nachzuahmen, begleitet Professor Arceo, einen Tierlinguisten, der den Auftrag hat, einen Öko-Terroristen im Wald aufzuspüren.
Förderung: 50.000 Euro
"Little Phnom Penh", Regie: Chheangkea (Kambodscha)
Produktion: NoMad Productions (Frankreich), Anti-Archive (Kambodscha)
Inhalt: Eine kambodschanische Frau sucht nach Nähe und Zugehörigkeit – als Tochter, Ehefrau und Mutter –, während eine verlorene erste Liebe sie über Zeiten und Kontinente hinweg immer wieder einholt: vom Phnom Penh nach der Herrschaft der Roten Khmer bis ins Kalifornien der frühen 2000er-Jahre.
Förderung: 35.000 Euro
"Lotus Feet", Regie: Amanda Nell Eu (Malaysia). Berlinale Talents 2018 / Berlinale Co-Production Market 2026
Produktion: Ghost Grrrl Pictures (Malaysia), Weydemann Bros. Film GmbH (Deutschland), KawanKawan Media (Indonesien), Flash Forward Entertainment (Taiwan)
Inhalt: Britisch-Malaya, 1938. Eine Zweitfrau tut sich schwer damit, sich an das Leben in einer mächtigen Familie auf einer abgelegenen Kautschukplantage anzupassen, und greift schließlich zu Gewalt, um die Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper zurückzugewinnen.
Förderung: 40.000 Euro
WCF Europe
"AMAPOLA", Regie: Ana Cristina Barragán (Ecuador). Berlinale Talents 2018
Produktion: Trópico Cine und Botón Films (Ecuador), Graal Films (Griechenland), Ciné-Sud Promotion (Frankreich), Klaxon Cultura Audiovisual (Brasilien), Clara Films (Chile)
Inhalt: Eine Gruppe jugendlicher Überlebender von Menschenhandel lebt in einer abgelegenen Zuflucht, versteckt in üppigen Mangrovenwäldern. Dort beginnt für sie ein langsamer Heilungsprozess, während sie sich um die Babys kümmern, die sie von ihren Entführern bekommen haben. Zwischen Zärtlichkeit, Angst und Verbundenheit entstehen tiefe Bindungen, während sich ihr Aufenthalt dem Ende nähert und eine seltsame Sonnenfinsternis bevorsteht.
Förderung: 40.000 Euro
"Fagadaga", Regie: Yoro Mbaye (Senegal)
Produktion: Astou Production (Senegal), In Vivo Films (Frankreich), Yzanakio (Kanada)
Inhalt: Ousseynou überlebt, indem er an die Menschen in seinem Dorf "Fagadaga" verkauft – altbackenes Brot, das von der Hauptstadt aussortiert wurde. Er arbeitet für einen korrupten Arbeitgeber, um seine Familie zu ernähren. Als seine Schwägerin Nafi eine traditionelle Bäckerei wiedereröffnet, ist sein Geschäft bedroht, und er gerät in einen moralischen Konflikt zwischen Loyalität, Überleben und Selbstachtung.
Förderung: 40.000 Euro
"Waiting for Winter", Regie: Farid Ahmad (Bangladesch). Berlinale Talents 2022. Dokumentarfilm
Produktion: Noyakar Productions (Bangladesch), House on Fire (Frankreich)
Inhalt: Bangladesch ist das größte Delta der Welt, wo Überschwemmungen im Sommer verheerende Ausmaße annehmen können. Wenn der Winter kommt, entsteht am Jamuna-Fluss eine Insel, auf der Sahana, eine obdachlose Mutter, als billige Arbeitskraft arbeitet – gefangen in einem modernen System der Sklaverei. Sie kämpft darum, gemeinsam mit ihren zwei Kindern an einen sicheren Ort zurückzukehren, bevor der Sommer wiederkommt.
Förderung: 25.000 Euro
Verleihförderung für Kinostarts in Deutschland
"Aisha Can’t Fly Away", Regie: Morad Mostafa (Ägypten)
Verleih: Rapid Eye Movies
Deutscher Kinostart: 15. Januar 2026
Förderung: 8.000 Euro
"A Useful Ghost", Regie: Ratchapoom Boonbunchachoke (Thailand)
Verleih: Little Dream Pictures
Deutscher Kinostart: 26. März 2026
Förderung: 10.000 Euro
"DAO", Regie: Alain Gomis (Senegal)
Verleih: Luftkind Filmverleih
Deutscher Kinostart: 4. Juni 2026
Förderung: 10.000 Euro
Allgemeine Informationen zur WCF-Förderung
Der World Cinema Fund ist Teil von Berlinale Pro, das den European Film Market, den Berlinale Co-Production Market, Berlinale Talents und den World Cinema Fund umfasst. Berlinale Pro ist die umfassende Brancheninfrastruktur des Festivals, die der globalen Filmindustrie als Inkubator, Förderer und Unterstützer in allen Phasen der Filmentwicklung, der Produktion sowie des Sales & Vertriebs dient.
Quelle: www.berlinale.de