Berlinale Classics 2026: Das Programm

Das Programm der Berlinale Classics präsentiert mit zehn Filmen aus neun Ländern die umfangreichste Auswahl seit seiner Einführung. Mit "Assarab" ("Mirage") wird erstmalig ein Film aus dem diesjährigen EFM-Gastland Marokko gezeigt, eine zweite Länderpremiere ist der frühe ukrainische Tonfilm "Kryshtalevyi Palats" ("Crystal Palace"). Das Anime-Genre hält mit einem Meisterwerk Einzug bei den Berlinale Classics: "Jubei Ninpucho" ("Ninja Scroll"). 

 

Die Filme in chronologischer Reihenfolge: 

1926, noch in der Stummfilmära, entstand Georg Wilhelm Pabsts "Geheimnisse einer Seele" ("Secrets of a Soul"). Ein avantgardistischer Film, dessen Restaurierung Premiere im Haus der Kulturen der Welt feiert – mit neuer Musik von Yongbom Lee. Dabei werden die neuronalen Aktivitäten eines Ensemblemitglieds live in Licht und Klang übersetzt. 

Das ukrainische, vom deutschen Film-Expressionismus und der heimischen Avantgarde beeinflusste, Politdrama "Kryshtalevyi Palats" ("Crystal Palace", Regie: Hryhorii Hrycher) aus dem Jahr 1934 war schon kurz nach seiner Uraufführung nicht mehr zugänglich. Heute ist in der Ukraine keine Kopie mehr erhalten. Das Amherst College initiierte eine digitale Restaurierung. Durchgeführt wurde sie im FIXAFILM Studio in Warschau. 
Ebenfalls aus den 1930er-Jahren stammt "La kermesse héroïque" ("Carnival in Flanders") von Jacques Feyder. Ein humorvoller Historienfilm um die Stärke der Frauen und die Schwäche der Männer, der 1616 in der Stadt Boom in Flandern spielt. 1935 als Sprachversionsfilm produziert, wird bei der Berlinale die französische Fassung präsentiert. Die Restaurierung wurde durch das Centre national du cinéma et de l'image animée (CNC) erstellt. 

Die Satire "Erogotoshi-tachi yori: Jinruigaku nyûmon" ("The Pornographers", Japan 1966) von Shōhei Imamura, der 2026 100 Jahre alt geworden wäre, identifiziert Gier und Triebhaftigkeit als Motor der Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Restaurierung in 4K auf Grundlage des originalen 35-mm-Negativs, zur Verfügung gestellt durch die Nikkatsu Corporation, wurde in Zusammenarbeit mit Radiance Films vorgenommen. 

Mit "Assarab" (1979), dem einzigen Spielfilm des Regisseurs Ahmed Bouanani, wird ein Schlüsselwerk des postkolonialen marokkanischen Kinos bei den Berlinale Classics gezeigt. Die 4K-Restaurierung bewahrt die einzigartige visuelle und akustische Qualität des Films. Marokko ist "Country in Focus" beim EFM der Berlinale 2026. 

Im gleichen Jahr entstand "Hukkunud Alpinisti hotell" ("Dead Mountaineer's Hotel") des estnischen Regisseurs Grigori Kromanov. Ein genresprengender Film Noir mit fantastischen Elementen, nach einer Vorlage des legendären sowjetischen Science-Fiction-Autorenduos Arkady und Boris Strugatsky. Grundlage für die Restaurierung war ein neuer 4K-Scan des 35-mm-Interpositiv-Materials aus dem Nationalarchiv Estlands. 
Ebenfalls 1979 hatte "Panelstory, aneb jak se rodí sídlište" ("Geschichte der Wände oder Wie eine Siedlung entsteht") von Věra Chytilová seine Uraufführung. Eine Sozialsatire über die Schwierigkeiten des Zusammenlebens in einer neu errichteten Hochhaussiedlung am Rande von Prag. In der Tschechoslowakei wurde der Spielfilm erst zwei Jahre nach seiner Fertigstellung zugelassen. Als Grundlage für die Digitalisierung dienten das Original-Bildnegativ und das Original-Ton-Negativ, die vom Národní filmový archiv in Prag aufbewahrt werden. 

Genau zehn Jahre später entstand Pradip Krishens Spielfilm "In Which Annie Gives It Those Ones" nach einem Drehbuch der indischen Bestseller-Autorin Arundhati Roy. Sie hat in diese launige Campus-Komödie mit Kultstatus Erinnerungen an ihr eigenes (Architektur-)Studium einfließen lassen und spielt eine der Hauptrollen. Die Restaurierung in 4K durch die Film Heritage Foundation im Labor von L’Immagine Ritrovata entstand in Zusammenarbeit mit dem National Film Archive of India (NFAI), der National Film Development Corporation (NFDC) und dem Regisseur unter Verwendung des 16-mm-Kameranegativs und einer 35-mm-Filmkopie. 

Mit "Jubei Ninpucho" ("Ninja Scroll") von Yoshiaki Kawajiri wird erstmals ein Anime bei den Berlinale Classics präsentiert. 1993 entstanden, entwickelte sich der Film über die Heldenreise eines jungen Ninja-Kämpfers zu einem der einflussreichsten Animes weltweit. Die Restaurierung in 4K unter Beteiligung des Regisseurs befasste sich mit den besonderen Herausforderungen der aufwändigen Cel-Animation. 

Der jüngste Film der diesjährigen Berlinale Classics ist "Leaving Las Vegas" (Regie: Mike Figgis, 1995), für den Hauptdarsteller Nicolas Cage einen Oscar erhielt. Viele der Aufnahmen wurden mit einer mobilen Kamera in den Straßen und Casinos von Las Vegas gedreht. Der Restaurierung in 4K, durchgeführt durch Silver Salt Restoration im Vereinigten Königreich, liegt das Super-16-mm-Kameranegativ zugrunde. 

Als Gäste der Berlinale Classics haben sich bereits die Autorin und Aktivistin Arundhati Roy und Regisseur Mike Figgis angekündigt. 

Die Filme der Berlinale Classics 2026

Quelle: www.berlinale.de