Summary
Red stars upon the field
The East German rural idyll in Laura Laabs’ debut feature promptly evaporates when a well-preserved skeleton is pulled out of the moor. How did it get there and when – 10, 50 or 100 years ago? The villagers and Tine start speculating: who could it have been? The farmer’s son who deserted from the Wehrmacht? The farmer who stubbornly refused to give up his collective farm? An undercover federal agent who died in the shootout at Bad Kleinen? A “whodunnit” case unfolds in four acts with the Germany of the 20th century reappearing in the present. “What‘s it to me?” Tine asks when confronted by it all. But that’s before she then has first-hand experience of how history can take over your life…
Source: German Films Service & Marketing GmbH
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Apropos Rote Armee Fraktion. Tine wohnt wieder bei ihrem Vater Uwe im alten, einst zur Landwirtschaftlichen Produktions-Genossenschaft (LPG) Glücksstern gehörenden Anwesen, einem unverdrossen „Junge Welt“, einst auflagenstarke Tageszeitung der Freien Deutschen Jugend (FDJ), lesenden Linken („Der Sozialismus wird uns alle überleben“) mit DDR-Fahne im Schuppen. Seit der Wiedervereinigung lebt er allein auf dem großen, von ihm allein nicht mehr zu bewirtschaftenden Hof: Als der damalige LPG-Vorsitzende Willi Stange mit dem Vorhaben scheiterte, die Genossenschaft in die neue kapitalistische Wirtschaftsordnung zu transformieren, verschwand er spurlos – und mit ihm Tines Mutter Rieke, eine in der DDR untergetauchte RAF-Terroristin.
Werner Gömer, frisch gewendeter Genosse, war damals die treibende Kraft hinter dem Ausverkauf des LPG-Vermögens. Er ist nun als Professor für Geologie an der Universität Greifswald mit seinem Doktoranten Mischa und einigen Studenten ins Dorf zurückgekehrt, um im nahegelegenen Moor nach Zeugnissen aus vergangenen Jahrhunderten zu suchen. Was sie finden ist eine Moorleiche, die freilich noch so jung ist, das sie mit Bornstäd einen Schnüffler vom Bundesnachrichtendienst anlockt, den die Regie-Debütantin Laura Laabs als exakte Kopie Ulrich Mühes in „Das Leben der Anderen“ anlegt.
Tine kommt wieder mit ihrer Jugendliebe Martin zusammen, der sich als im Grunde Apolitischer mit völlig abgedrifteten Gleichaltrigen wie dem tumben Neonazi Raik den Slogan „Frei.Sozial.National“ auf die Schwarzrotgoldene Fahne geschrieben hat. Trifft aber auch auf den politisch wie philosophisch bewanderten Rotschopf Efi (schon wieder Jule Böwe), von der sich schon nach wenigen Worten die umstehenden Dörfler distanzieren, indem sie nicht nur bildlich gesprochen die Seite wechseln und sich hilfesuchend hinter Tine versammeln. Die kramt auf dem Dachboden in den Sachen ihrer verschwundenen Mutter und findet Feldpostbriefe aus den 1940er Jahren. Sie stammen von den älteren Brüdern des kurz vor seiner Einberufung zur Wehrmacht ebenfalls spurlos verschwundenen Rudi, die beide vor Stalingrad fielen. Die Familie (Jule Böwe und Rainer Reiners als Eltern) lebte damals auch in dem Anwesen der LPG, in dem nur noch ihr Vater Uwe ausharrt.
Die Gerüchteküche kocht: Könnte es sich bei der Moorleiche um Willi handeln? Oder um Rudi? Und dann ist da noch der GSG-9-Einsatz im benachbarten Bad Kleinen: Tine sucht die inzwischen betagte Frau Prophet auf, die damals den Kiosk im Bahnhof betrieben hat und in den ersten polizeilichen Vernehmungen von drei toten Terroristen sprach. Wer war die dritte Leiche? Interessiert sich deshalb der BND plötzlich für den Cold Case? Tine gräbt aber nicht nur in der Vergangenheit des Ortes, sie hat bereits die nächste als Kunst verbrämte Aktion gegen Windräder geplant. Mit Efi und der Dorfjugend soll ein „Symbol der rechts-grünen Konsensgesellschaft“ gesprengt werden. Da taucht plötzlich Tom auf, Tines Berliner Lover – mit der vom Reichstag geklauten Deutschland-Fahne im Rucksack…
„Rote Sterne überm Feld“, gedreht in Bad Kleinen und Umgebung, ist Laura Laabs biographisch grundierter Erstling – was die Spurensuche betrifft, nicht die eigene familiäre Situation. 1985 in Ost-Berlin geboren ist sie in Bad Kleinen aufgewachsen, studierte Politik und Filmwissenschaft und anschließend Regie an der Babelsberger Filmhochschule Konrad Wolf. Nach dem Diplom folgte dort ein Meisterschüler-Studium bei Andreas Kleinert. Der Film ist so vielgestaltig wie die darin verwendete Typographie, vermischt die durch Schwarz-Weiß-Sequenzen und divergierende Bildformate kenntlich gemachten Zeitebenen ebenso wie Traum („Rammstein“-Frontmann Till Lindemann als Todesengel) und Wirklichkeit.
Laura Laabs‘ Spurensuche schließt nur thematisch an den weitaus dichteren Spielfilm „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski an, ist aber viel experimenteller. Die Regisseurin im Farbfilm-Presseheft: „Mir geht es darum, die Sedimente des politischen Minenfelds offenzulegen, aus dem unsere Gegenwart besteht. Doch Geschichte spielt sich nicht nur auf den großen Bühnen der Hauptstädte und Parlamente ab. Es reicht ein Dorf, ein Haus, ein Quadratmeter deutscher Erde, um beim Ansetzen des Spatens an dieser Stelle ebenso Unglaubliches, wie Groteskes und Schauriges zu Tage zu fördern, Stich für Stich. Diese Grabungsarbeit soll mein Film mit seinen diversen historischen Kellerleichen leisten.“
Pitt Herrmann