Summary
A documentary about a highly unusual airport project: Parchim, a small town in Mecklenburg-West Pomerania, has a defunct military airfield. Today, only rabbits run across the grass-covered landing strip, yet Chinese entrepreneur Jonathan Pang sees great potential in the area. He has bought the airport from Parchim County, aiming to turn it into a major hub for air cargo carriers. His bold vision includes a business center, a shopping mall, artificial mountains, hotels, hundreds of jobs – and of course a profit of billions. Alas, the energetic idealism of Mr. Pang meets the red tape of local bureaucracy: Although his negotiations with officials are often reminiscent of a Kafka novel, he is determined to make the East German province a hotspot of the world.
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Diese berührende Szene, der emotionale Höhepunkt des am 2. Mai 2017 vom NDR in seinem „Dritten“ erstausgestrahlten Dokumentarfilms, offenbart, wie eng und vertrauensvoll die Beziehung der beiden Filmemacher zu dem visionären chinesischen Unternehmer, dem sie sieben Jahre (!) um die Welt gefolgt sind, gewesen ist. Jonathan Pang hat den in den 1930er Jahren für die Wehrmacht erbauten und nach 1945 von der Sowjetarmee bis zur deutschen Wiedervereinigung genutzten Flughafen Schwerin-Parchim 2007 erworben.
Neben dem Pfund einer Startbahn, auf der die größten Flugzeuge der Welt landen können, kann der Standort mit einer guten Verkehrs-Infrastruktur zwischen der Handelsmetropole Hamburg und der Hauptstadt Berlin punkten. Jonathan Pang und seiner rechten Hand vor Ort, dem handfest-umtriebigen Bayern Werner Knan, ist es trotz Investitionen in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe bisher nicht gelungen, den Regionalflughafen zu einem internationalen Drehkreuz für den Personen- und Warenverkehr zwischen Europa, Asien und Afrika auszubauen.
Man könnte „Parchim International“ als Dokfilm-Tragödie bezeichnen, denn in absehbarer Zeit ist an eine Aufnahme des für den Sommer 2016 terminierten Linienflugverkehrs mit China ebenso wenig zu denken wie an die Eröffnung einer florierenden Freihandelszone mit Veredelungs-Produktionen für Waren aus Afrika. Der aus Nordrhein-Westfalen stammende Textilkaufmann Karl-Heinz Bohl, als Manager für das gigantisch dimensionierte Logistikzentrum in die mitteldeutsche Provinz gekommen, hat längst seine Sachen wieder gepackt.
Doch die beiden Filmemacher präsentieren ihrem Publikum weniger die Chronologie eines Scheiterns – auch an inkompetenten Provinzpolitikern, der ausufernden deutschen Bürokratie und nie ganz auszuräumenden Vorbehalten gegen einen asiatischen Investor. Sondern das Porträt eines visionären Mannes aus kleinsten Verhältnissen, der es vor allem sich selbst beweisen will und deshalb über einen langen Atem verfügt – auch im wahren Leben als Langstreckenläufer im fürchterlichen Smog chinesischer Metropolen wie in der gesunden Landluft in schier unendlicher Weite Mecklenburg-Vorpommerns.
Zumal sie im Grundsatz mit Jonathan Pang einer Meinung sind, wenn es um die großen Chancen seines Mammutprojektes geht. Manuel Fenn im Presseheft: „Der wachsende chinesische Mittelstand ist scharf darauf, nach Europa zu reisen, unsere Kultur kennenzulernen und sich mit den bei uns produzierten Luxusgütern zu umgeben. Und natürlich sind die Chinesen immer bestrebt, den Handel mit uns Europäern zu intensivieren. Gleichzeitig wären sie froh über ein Stück Heimat in der Fremde. Dies könnte die anvisierte zollfreie Zone in Parchim leisten.“
Pekings verbotene Stadt als Disneyland-Version in Meck-Pom? Stefan Eberlein und Manuel Fenn offenbaren nur in einer, freilich nachhaltig beeindruckenden Szene, dass die Vision des chinesischen Selfmade-Unternehmers aus der Sicht der Einheimischen nur als Ausdruck eines Größenwahns wahrgenommen werden kann, weil die Parchimer die historischen und tatsächlichen Dimensionen des bevölkerungsreichsten Landes der Erde dahinter nicht in Betracht ziehen: Ein Fischer, dem Pang eine Kooperation im großen Stil offeriert, lacht den Chinesen und seine Pläne, Peking künftig mit Fisch und Krustentieren aus der Mecklenburger Seenplatte zu versorgen, schlicht aus. Weil er sich nicht vorstellen kann, was in zahlreichen fruchtbaren Regionen Afrikas längst Alltag ist: die Produktion von Lebensmitteln für den größten Markt der Welt, der selbst so groß ist wie ein ganzer Kontinent und dennoch für seine wachsende Bevölkerung über zu wenig Anbaufläche verfügt.
Pitt Herrmann