Summary
The Wall Between Us
Anna from West Germany and Philipp from East Berlin get to know each other and fall in love at a church youth meeting in East Germany in 1984. When Anna returns home, the only thing left for them to do is communicate via letters until Anna is able to visit Philipp again and the couple begins to plan a future together. In order for the latter to become a reality, they start planning Philipp's escape from the East. This turns out to be doubly difficult when they are targeted by the Stasi on the one hand and Anna's parents on the other hand, who get wind of the relationship and are very much against it. Can the love of the two teenagers overcome these obstacles?
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Pfarrer Andreas Rieger empfängt die Gruppe herzlich und bewirtet sie mit Kuchen und Tee. Als sein freakiger Sohn Philipp ins Zimmer kommt und zur Gitarre greift, schmilzt Anna dahin: Liebe auf den ersten Blick. Abends beim Abschied am „Tränenpalast“, der gläsernen Ausreisehalle des Bahnhofs Friedrichstraße für West-Besucher, gibt’s eine vorsichtige Umarmung. Und Philipp erklärt ihr den Namen des heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes: „Wir weinen, weil wir nicht reindürfen und ihr weint, weil ihr uns wieder verlassen müsst.“ Das Tagesvisum für Besucher aus dem Westen gilt nur bis 24 Uhr.
Nach dem mehrtätigen Austausch und romantischen Stunden, die beide so schnell nicht vergessen werden, fließen tatsächlich Tränen an der Weidendammer Brücke. Und Anna kehrt verwandelt nach Holzminden zurück, was ihren Eltern nicht verborgen bleibt. Sie ahnen, dass in Berlin einiges passiert ist, zumal nun häufiger sehnsüchtig erwartete Briefe mit DDR-Marken eintrudeln. Anna versucht mehrfach vergeblich, Philipp telefonisch zu erreichen und nutzt die erste Gelegenheit, wieder nach Berlin zu fahren. Was nicht nur ihren Eltern gar nicht recht ist.
Der Pfarrer und seine Gattin Martha wissen, dass sie von der Staatssicherheit rund um die Uhr überwacht werden und fürchten berufliche Nachteile für Philipp, wenn diese deutsch-deutsche Liebe herauskommt. Ob er schon oft an Flucht gedacht habe, will Anna von ihm wissen: „Ja und nein. Ja, weil ich auch mal Croissants in einem Straßencafé essen will oder Michelangelo sehen will. Aber auch nein, weil ich nicht scharf darauf bin, erschossen zu werden oder im Knast zu landen.“ Dennoch schmiedet Philipp abenteuerliche Fluchtpläne, fotografiert heimlich die Mauer und den Todesstreifen durch die Dachluke eines Hauses, in dem ein Kirchenvorstandsmitglied wohnt.
März 1987. Ihre Eltern wollen Anna nicht nach Berlin fahren lassen, sie setzt sich schließlich durch. Die Verliebten sind freilich schon längst ins Visier der Stasi geraten: Als bei Anna eine am Leib versteckte Punk-Schallplatte gefunden wird, nennt der Grenzer den Adressaten der Vinylscheibe namentlich. Ina, die heimlich zum kirchlichen Freundeskreis Philipps gehört, soll als NVA-Offizierstochter Funktionärin bei der Freien Deutschen Jugend (FDJ) werden. Sie weigert sich – und kommt bei einem Fluchtversuch um. Die 17-Jährige ist im Todesstreifen verblutet, ihr Fall schafft es im Westen auf die Titelseiten. Philipp wird als Mitwisser verhaftet und kurzzeitig ins Gefängnis gesteckt.
April 1987. An ihrem 18. Geburtstag bekundet Anna, kurz vor dem Abi noch nach Prag reisen zu wollen: neuer Fluchtplan für Philipp. Weil sie volljährig ist, können ihre besorgten Eltern nichts dagegen unternehmen. Doch Anna wartet vergeblich in einem Prager Café: Philipp ist von der NVA aus dem Zug geholt worden. Der Kontakt ist nun völlig abgebrochen – und auf der feucht-fröhlichen Abiturfeier erneuert Anna ihr Verhältnis zu ihrem alten Verehrer Lorenz. 1989. Anna lebt mit Lorenz zusammen, beide planen eine Reise nach Marokko. Plötzlich laufen im Fernsehen Bilder von der Maueröffnung. Anna muss sich erst setzen, kann es kaum glauben. Sollte der alte Traum noch wahr werden? Fünf Monate später steht Philipp vor ihrer Tür – und Lorenz weiß, was die Stunde geschlagen hat…
„Zwischen uns die Mauer“ ist nach dem autobiografischen, gleichnamigen Roman von Katja Hildebrand, erschienen 2006 im Stuttgarter Thienemann-Verlag, entstanden. 1984 verliebte sich die Autorin auf einer Gruppenreise nach Ostberlin in den zwei Jahre älteren Markus – mit dem sie nach der Wende 1989 erneut zusammenkam und den sie 1995 heiratete. Die Filmvorlage ist ein Buch über die Macht der Worte mit unmittelbaren Bezügen zu William Shakespeares „Romeo und Julia“. Wobei die nur mit Briefen zu überwindende Mauer nicht zwei Familien trennte, sondern ein Volk.
Der mehrfach preisgekrönte Jugendfilm-Regisseur Norbert Lechner erzählt das Drama einer jungen Liebe im geteilten Deutschland als Coming-of-Age-Geschichte, als romantische Lovestory – und zugleich als eine aufregende Zeitreise in die jüngere deutsche Geschichte. Wie Katja Hildebrandt geht es Norbert Lechner um den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Kalten Krieges, der dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer wieder ins Bewusstsein nicht nur des jungen Nach-Wende-Kinopublikums gerückt wird: Der mit Lea Freund und Tim Bülow mit zwei erstklassigen Nachwuchsdarstellern besetzte Film lässt Geschichte wieder lebendig werden. Nicht zuletzt auch durch Bella Halbens Bildgestaltung und den authentischen Retro-Look des Szenenbildners Hucky Hornberger.
Pitt Herrmann