Summary
Berlin emergency doctor Judith has inherited a house which she did not even know existed from the family that gave her away as a child. She travels to Austria with her husband Ryan to sell the property. Once there, Judith meets her inscrutable aunt Paula who seems determined to keep her in the village. But the longer Judith stays in her former home, the more images and emotions from her subconscious come to the surface. In her search for the truth, Judith unleashes unexpected powers; space and time dissolve and she loses control of her own will. Trapped in a nightmare, she desperately tries to break the cycle.
"Welcome Home Baby" is a psychological thriller that uses genre tropes to confront the audience with questions about trauma, identity and self-empowerment. It is a film that approaches the horror of the incomprehensible via atmosphere, associations and ellipses. A visually stunning plunge into the hidden depths of a foreign homeland.
Source: 75. Internationale Filmfestspiele Berlin (Catalogue)
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Nach neunstündiger Autofahrt stehen sie im niederösterreichischen Schottwien unter der gewaltigen Brücke der Semmering-Schnellstraße am gebuchten Gasthaus vor verschlossener Tür. Ein Blick aufs Handy bestätigt, dass die Buchung kurzfristig storniert wurde. Also geht’s weiter zum Anwesen, an dessen Türschild einen gewissen Dr. Eduard Sarstein als Bewohner ausweist. Tante Paula empfängt die beiden an der Türschwelle mit einer Herzlichkeit, als seien sie verlorene und plötzlich wiederaufgefundene Königskinder. An ihrer Seite die in etwa gleichaltrige Moni Ramsauer, die den beiden offenbar längst Erwarteten bereits das Zimmer gerichtet hat.
Judith, inzwischen Anfang 30, war bereits als kleines Kind weggegeben worden ohne späteren Kontakt zu ihren leiblichen Eltern. Sie hat daher keinen Bezug zum Haus, das sie so schnell wie möglich verkaufen will und bereits mit einem Makler Kontakt aufgenommen hat. Doch am anderen Morgen ist das Wartezimmer ihres verstorbenen Vaters voller Menschen, die ganz selbstverständlich von Judith erwarten, die Arztpraxis zu übernehmen. „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf“: Paula, Moni und die anderen haben auch schon Überlegungen angestellt, wie Ryan hier als Hochzeits- und Werbefotograf tätig sein könnte.
Auch sonst gehen merkwürdige Dinge vor sich. Der Termin mit der Maklerin Johanna Gebtesroither ist von wem auch immer abgesagt worden und Judith betritt mit einem aufgefundenen Schlüssel ein Kinderzimmer, das sie nicht als das ihre identifizieren kann. „Wie ist das Leben auf der anderen Seite, du kennst es ja“ fragt die alte Frau Scheichl, die mit Schmerzen in die Sprechstunde gekommen ist: In der Tat zeugen zwei große Narben an Brust und Bauch von einer einst schweren Verletzung Judiths. Die auch an Hand von Fotos in die eigene Vergangenheit blicken kann, die ihr Hanna Schatzberger, eine enge Freundin ihrer offenbar früh verstorbenen Mutter Anna, zeigt. Sie ist aus dem Altenheim nach Hause gelaufen und wird von den Dorfbewohnern wieder „eingefangen“.
Judith wird zunehmend von horriblen bildmächtigen Alpträumen geplagt, die auch, soviel sei verraten, den Kinozuschauern an die Nieren gehen. Als Ryans Digitalkamera ihren Geist aufgibt, findet sich wie von Zauberhand eine analoge Kamera- und Fotolabor-Ausrüstung. Beide versuchen vergeblich, sich den Stress mit den übergriffigen Bewohnern, welche die Berliner offenbar fest im Griff haben, wegzuvögeln. Und dann ist Judith über Nacht im sechsten Monat schwanger, hat Berlin völlig vergessen und lebt im Ort, als sei es nie anders gewesen…
„Welcome Home Baby“, vom 10. Mai bis 28. Juni 2024 vor allem im Haus des Schottwiener Dorfarztes, aber auch in der Steiermark und in Wien gedreht, ist ein elektrisierender Psychothriller mit grandios-atmosphärischen Bildern, die so recht nur auf der großen Kino-Leinwand wirken. Andreas Prochaska im Wild Bunch-Presseheft: „Die Geschichte eines Schulfreundes, der seinen Vater nicht kannte und irgendwann von ihm ein Haus geerbt und im Zuge dieses Prozesses äußerst bizarre Erkenntnisse über ihn gewonnen hat, hat sich über Jahrzehnte in der inneren Festplatte festgesetzt. Die Fragen – ‚Was macht es mit dir, wenn man keine Ahnung hat, woher man kommt? Wieviel Familie steckt in uns drinnen? Wieviel Kontrolle haben wir wirklich über unser Leben? Wieviel wird unbewusst von einer auf die andere Generation weitergegeben? Und kann man sich davon befreien?‘ – haben mich nachhaltig beschäftigt und irgendwann waren sie der Anstoß diesen Fragen eine filmische Form zu gießen.“
Pitt Herrmann