Lena Rais

BR Deutschland 1979 Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Lena Rais weiß, was sie will. Weg von Albert, ihrem Mann, einem Pantoffelheld-Tyrann und Vater ihrer drei Kinder. Weil der, wenn er nicht mehr weiter weiß, zur rohen Gewalt greift. Die 35-jährige Münchnerin will als Briefsortiererin bei der Post ihr eigenes Geld verdienen, will auch ‘mal mit einem anderen Mann schlafen, aber erst einmal ohne feste Bindung ein selbstbestimmtes Leben führen.

Nach 15 Ehejahren hat sie die Schnauze voll: Albert, der Aufsteiger, der rund um die Uhr als Maurerpolier schuftet, um mit seinem und dem Geld seiner Mutter ein Haus bauen zu können, hat Lena in seinem Lebensplan ausschließlich die Rolle der dienenden Gattin, Hausfrau und Mutter. Mit ihrer nicht gerade in bürgerlichen Verhältnissen lebenden Freundin Hella bricht sie aus. Nach einer Sauftour im Grünen zieht Lena bei ihr ein, wird aber von Albert mit Gewalt ins Olympiadorf zurückgeholt.

Lena wird daraufhin krank, will krank werden. Begibt sich in psychiatrische Behandlung. In der Gruppentherapie stößt sie freilich auf das gleiche Unverständnis für ihren Drang nach Selbstverwirklichung wie daheim. Mit einer Ausnahme: Rohlfs, ein intellektueller Trinker und Versager, ein hoffnungsloser Fall. Beide helfen sich gegenseitig, aus der Sackgasse herauszukommen und richten sich bei Hella ein Nest ein. Bis Albert mit der Polizei anrückt. Doch Lena gibt die Kinder zur Oma und denkt gar nicht daran, in ihr altes Leben zurückzukehren…

Christian Rischerts „Lena Rais“ ist eine appellative Schwarz-Weiß-Malerei. Mit der der gebürtige Münchner Dokfilmer („Der Tod des Fischers Marc Leblanc“, „Venedig“) an sein Spielfilm-Debüt „Kopfstand, Madam“ von 1967 anknüpft, nach eigener Einschätzung des Regisseurs „der erste Emanzipationsfilm des neuen deutschen Films“. Christian Rischert 1980 zum Kinostart im Presseheft: „Unsere Vorstellungen von Familie, Zweierbeziehungen, Liebe sind so ins Wanken geraten, dass manchem von uns angst und bange wird. Niemand weiß, wie da die Zukunft aussehen wird. Ich weiß es auch nicht. Ich weiß nur, dass für mich dieses Thema das zentrale Thema meines Lebens ist. Von hier aus lassen sich alle gesellschaftlichen und politischen Fragen ableiten.“

In dieser Emanzipationsgeschichte spielt Tilo Prückner einen reichlich tumben Proletarier mit Hut, der seiner Gattin geistig hoffnungslos unterlegen ist. Wenn er von der Arbeit kommt, kennt er nur zwei Interessen: Bier und Glotze. Für alles weitere ist die Ehefrau zuständig einschließlich der müden Nummer von hinten im Bett. Ab und zu kommt es zum Skat mit zwei Kumpels, bisweilen sind auch deren sittsam-mausgraue Frauen dabei. Die weder für Lenas decolletiertes Kleid Verständnis haben noch für ihren aus dem Tierheim geholten Hund. Für die Obrigkeit von der Polizei, der junge Polizist (Manfred Lehmann), mit dem Lena einen One-Night-Stand hat, verbrüdert sich sogleich von Mann zu Mann mit Albert, über die Familienfürsorge bis hin zum Pastor gilt die wohl satirisch gemeinte Devise: Hauptsache gegen den Strich der Publikumserwartung anspielen.

Eine Alternative zu Albert ist Rohlfs nicht wirklich, jedenfalls nicht auf Dauer. Als es in der Auseinandersetzung der Eheleute Rais zum Schwur kommt, kneift der alkoholkranke Poet, lässt nur einige Sprüche ab, die der arme Proletarier gar nicht kapiert und sich deshalb auf den Arm genommen fühlt. Lena muss ihren Weg daher allein gehen, denn auch Freundin Hella steht nur dann zur Verfügung, wenn ihr Zuhälter gerade ‘mal auf Achse ist. Christian Rischert lässt seiner Figur Lena Rais die Möglichkeit, am Ende glaubhaft zu machen, sie könne es ohne fremde Hilfe schaffen.

Die Kritiken waren höchst unterschiedlich. So bezeichnete Sven Hansen in der „Welt“ (vom 22. Mai 1980) „Lena Rais“ als „ein recht artifizielles Stück mit Kunstfiguren“ und willkürlich gewählter Ausgangssituation. „Wahrhaft erschreckend“ sei „der Popanz von einem Männlein, den Thilo Prückner hinlegen muss“: „Ein Haustyrann, der nur schreit oder prügelt. Kein bisschen psychologische Erklärung.“ Dagegen Karsten Witte in der „Zeit“ (vom 16. Mai 1980): „Rischert schwelgt nicht im Küchenrealismus. Ihn interessiert das Typische am Sozialcharakter seiner Figuren. So gleiten die Schauspieler, auch um den Preis, massiv unsympathisch zu werden, nie ins naturalistische Rührstück an, das die Dramaturgie so vieler Fernsehspiele beherrscht.“ In der Reihe „Das Fernsehspiel der Gegenwart“ strahlte das ZDF die Koproduktion am 9. November 1981 erstmals im Fernsehen aus.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Assistant director

Script supervisor

Screenplay

Director of photography

Still photography

Set design

Prop master

Construction manager

Make-up artist

Costume design

Editing

Assistant editor

Sound assistant

Audio mixing

Cast

Producer (TV)

Unit production manager

Location manager

Shoot

    • 14.05.1979 - 29.06.1979: München
Duration:
3322 m, 121 min
Format:
16mm - Blow-Up 35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Eastmancolor, Ton
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 01.04.1980, 51448, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Kinostart (DE): 16.05.1980, Frankfurt am Main, Gamma

Titles

  • Originaltitel (DE) Lena Rais

Versions

Original

Duration:
3322 m, 121 min
Format:
16mm - Blow-Up 35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Eastmancolor, Ton
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 01.04.1980, 51448, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Kinostart (DE): 16.05.1980, Frankfurt am Main, Gamma

Awards

Deutscher Filmpreis 1980
  • Filmband in Silber, Programmfüllende Spielfilme
  • Filmband in Gold, Darstellerische Leistung, Nicolaus Paryla
  • Filmband in Gold, Darstellerische Leistung, Krista Stadler