Summary
Bellaria - As Long As We Live!
There is a small, inconspicuous cinema in a small side-street in Vienna that seems to have stood still with time. A group of old Ufa film fans meet there on a regular basis, where for a few Schilling they are whisked back to their youth as though in a time machine. The documentary is a discovery trip to a place with morbid charm and
portraits the colorful life stories of its comical and eccentric
regular guests. Little by little, the film uncovers their true desires:
to stop the wheel of time for just a few moments, to hold on to their
lost youth and to spit in the face of death one more time - with a lot
of heart and Viennese charm.
Source: German films Service & Marketing GmbH
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Sonntags, zur späten Mittagsstunde, lief dort über viele Jahren ununterbrochen das filmische Porträt dieser altertümlichen Wiener Institution, in der die Zeit stehen geblieben ist – vor jenen skurrilen, hochbetagten Stammgästen, die der in Zürich geborene deutsche Filmemacher so liebevoll auf Zelluloid gebannt hat. Die im wahren Alltagsleben so unscheinbaren „Stars“ applaudieren sich sozusagen selbst – und das ganz und gar nicht eitel.
Im Zeitalter der Multiplex-Megakinocenter ist das Bellaria ein kurioses Relikt aus alten (Stummfilm-) Tagen gewesen. Jeden Nachmittag wurden hier die alten Ufa-Streifen der 1930er und 1940er Jahre gezeigt, und das vor zumeist immer gleichem Fanpublikum. Das Zara Leander, Marika Röck, Heinrich George, Johannes Heesters, Paul Hörbiger oder Kristina Söderbaum immer noch an den Lippen hängt, sich mit ihren Stars freut oder so manche Träne der Rührung vergießt.
Es hat sich keineswegs nur aus teilweise hochbetagten Senioren der Donaumetropole zusammengesetzt: Die Fangemeinde stammte praktisch aus dem ganzen deutschsprachigen Raum und bei jeder Wien-Visite ist ein Besuch im schäbig-schönen Bellaria-Kino Pflicht gewesen. Zumal, wenn sich – wie in Wolfspergers Doku der 91-jährige Karl Schönböck – ’mal einer der wenigen noch lebenden Ufa-Kavaliere im Kino selbst zu einer „Gala“ blicken lässt. Dann werden auch die ältesten (Doppel-) Herzen wieder ganz jung...
Das ist, zumal für ein junges Publikum unserer Tage, komisch. Aber Regisseur Wolfsperger lässt die „Alten“ nie lächerlich wirken, indem er ihre Lebensläufe, ihre Lebenserfahrungen gegen ihre Leinwanderfahrungen setzt – Kino als praktizierte (Über-) Lebenshilfe. Und das völlig ohne Kommentierung: Hier sprechen die Hauptdarsteller aus dem Bellaria-Parkett knapp einhundert Minuten lang ganz für sich.
Ein Film, der Wirklichkeit und Fiktion ununterscheidbar vermischt, weil die wahren Stars nicht die auf der Leinwand in den alten Ufa-Schinken sind, sondern die im knarzenden Parkett, von denen sich nicht wenige an jedem Sonntagmittag zum x-ten Male selbst zusehen, dabei fröhlich lachen, munter kommentieren und auch, was die „reale“ Kostümierung betrifft, sich ganz als uneitle Filmstars geben.
Nach einem jahrelangen Leerstand, am 24. Dezember 2019 fand die letzte Vorstellung statt, und einer u.a. vom damaligen Volkstheater-Intendanten Kai Voges unterstützten, erfolgreichen Crowdfunding-Privatinitiative erlebt das Bellaria in seinem 115. Jahr des Bestehens eine Wiederauferstehung mit neuester Technik. Geplant ist die Wiedereröffnung des Traditionshauses mit 116 Sitzplätzen für den 17. April 2026, nachdem Sophie und Michael Stejskal, die engagierten Betreiber des Wiener Votivkinos, das Bellaria als Herzensprojekt übernommen haben und für die Bar die Gastronomen Moritz Baier und Daniel Botros vom Café Liebling gewinnen konnten. Das über dem Eingang auch weiterhin prangende Motto „Unvergessene Filme – Unvergessene Stars“ bleibt Programm mit Highlights aus 100 Jahren Filmgeschichte.
Pitt Herrmann