L' Age d'or

Frankreich 1930 Spielfilm

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Heinz17herne
Heinz17herne
„Das goldene Zeitalter“, Luis Buñuels zweiter Spielfilm nach „Ein andalusischer Hund“, ist nicht mehr allein auf surrealistische Momente beschränkt. Viele andere Themen spielen hier eine Rolle, so die meisterhafte Verschränkung von Fiktivem und Realem. „L' Age d'or“ ist eine Mischung aus Ton- und Stummfilm, wobei Kameraführung und Filmtechnik noch ganz vom Stummfilm geprägt sind und Tondialoge noch recht selten vorkommen.

Buñuel greift hier das Thema der grenzenlosen, nie erfüllten Liebe auf: Ein Liebespaar (Gaston Modot und Lya Lys) auf einer einsamen Insel wird gewaltsam getrennt, als eine vornehme Gesellschaft, darunter Honoratioren aus Staat und Klerus, die gerade mit Booten gelandet sind, ausgerechnet an diesem Ort den Grundstein für eine neue Stadt, gemeint ist offenbar Rom, legen will und sich vom hemmungslosen Gestöhne der sich im Schlamm wälzenden Liebenden gestört fühlt.

Noch ein weiteres Mal wird das Paar gestört, diesmal durch eine Partygesellschaft – im heutigen Rom, das zunächst mit dokumentarischen Aufnahmen vorgestellt wird. Die beiden Liebenden müssen das Haus – und eine bürgerliche Gesellschaft, die auch vor Kindermord nicht zurückschreckt – verlassen, um sich im Park küssen zu können. Was den Mann derart in Rage versetzt, dass er ins Haus, das offenbar der Frau gehört, zurückkehrt und alles demoliert und aus dem Fenster wirft, dem er habhaft werden kann, während sich die Frau einem Dirigenten an den Hals wirft...

Für Luis Buñuel steht der Skorpion, der sich wie ein Roter Faden durch den erst vierzig Jahre nach seiner Pariser Uraufführung 1930 erstmals in Deutschland gezeigten Film zieht, für das Animalische. Und das verweist in seiner Amour fou-Geschichte wiederum auf Marquis de Sades Orgien in „Die 120 Tage von Sodom“. Buñuels männlicher Protagonist ist keineswegs nur der sozial Geächtete, der gezwungen ist, sein Liebesglück außerhalb der bürgerlichen Ordnung zu finden. Sondern der von Gaston Modot verkörperte namenlose Mann ist ein triebgesteuerter, brutaler und auch im Alltag rücksichtsloser Mensch, dem keineswegs die Sympathien des Publikums gehören.

Den zweiten Teil des Films beschließt eine durchaus provokante Hommage an de Sade und „Die 120 Tage von Sodom“, die eine mit dem Vorangegangenen nicht unmittelbar verbundene Geschichte erzählt: „Vier Unwandelbare“, ein Herzog, ein Bischof, ein Politiker und ein Bankier, verlassen nach besagten 120 Tagen das Schloss, aber der Gottesmann kehrt noch einmal zurück, um ein Mädchen, das ihm offenbar in den Orgien zuvor gedient hat, umzubringen...

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
1690 m, 60 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton

Titel

  • Originaltitel (FR) L' Age d'or
  • Titelübersetzung (US) Age of Gold
  • Weiterer Titel (US) The Golden Age
  • Verleihtitel (DE) Das goldene Zeitalter

Fassungen

Original

Länge:
1690 m, 60 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton

Formatfassung

Abschnittstitel
  • Originaltitel (FR)
  • L' Age d'or
Länge:
683 m, 62 min
Format:
16mm, 1:1,33
Bild/Ton:
s/w, Ton