Radio Rock Revolution

Großbritannien Deutschland 2009 Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Es soll endlich fallen, das „F-Wort“, und die ganze britische Insel scheint darauf zu warten, dass „The Count“ Harold es ins Mikro brüllt. Doch es sind nicht nur die jungen Leute in den Bars, Kinderzimmern und Hinterhöfen, die diesen Tabubruch im Äther herbeisehnen, auch die Behörden haben ihre Lauscher gespitzt. Denn bisher können sie gegen Kapitän Quentin und seine Crew, die mit ihrem Boot außerhalb der britischen Hoheitsgewässer in der Nordsee vor Anker gegangen ist, um mit ihrem Piratensender die Musikwünsche ihrer enormen Hörerschar rund um die Uhr zu erfüllen, nichts unternehmen.

Da käme ein „F-Wort“ gerade recht. Dessen Ausspruch der herrlich exzentrische und bei Gelegenheit old fashioned Quentin, der skurrile, aber auch so energische und nervenstarke Gründer des Senders, unbedingt verhindern will. Aber der nicht weniger schrullige und musikbesessene Radio-Rebell „The Count“ Harold, den Quentin als Anchorman unter den Wellenplauderern über den Großen Teich ins alte Europa locken konnte, trickst seinen Brötchengeber aus: Der charismatische Amerikaner lässt einfach das Rotlicht an und der mit reichlich „F-Wörtern“ gespickte Disput zwischen den beiden gelangt so auch noch in den letzten Winkel des Königreichs.

Was Downing Street in Person des erzkonservativen Innenministers Dormandy nicht ruhen lässt: Zwölf Monate, so der Auftrag des Premiers, hat er Zeit, um den Musikpiraten ein Ende zu bereiten. Und der fanatische Dormandy ist bereit, über Leichen zu gehen, hat sich das schleichende Gift der Rock-Musik doch schon bis in sein Vorzimmer ausgebreitet.

Wir befinden uns im Jahr 1966 und die britische Pop-Musik feiert ihre Erfolge. Nicht jedoch auf den Wellen der staatlichen BBC, die für Rock und Pop gerade einmal zwei Stunden pro Woche reserviert hat. So schlägt die Stunde der werbefinanzierten Piratensender, die auf hoher (Nord-) See außerhalb der Drei-Meilen-Zone vor Anker gehen. So auch Radio Rock mit einer tollen Crew um The Count: Der intelligente Dave (Comedian Nick Frost meistert die ungewohnte Leinwand-Rolle mit Bravour) gehört dazu mit seiner Ironie, aber auch seinem grauslichen „britischen“ Humor, der nette Simon, der ständig vergeblich auf der Suche nach der wahren Liebe ist, zumal wenn die Mädels vom Festland, das hier in Wirklichkeit ja eine Insel ist, nur alle zwei Wochen samstags an Bord dürfen.

Der rätselhafte, aber gutaussehende „Midnight“-Mark gehört ebenso zur Truppe wie der Night-DJ „Wee Small Hours“-Bob (Ralph Brown), dessen Hobbys Folk Music und Drogen sein sollen, was aber auch nur ein Gerücht sein kann, denn dieses langmähnige, bärtige Nachtgespenst haben die meisten schon seit geraumer Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen. Auch der naive Kevin (Tom Brooke) ist on air wie „On-the-Hour“-John (Will Adamsdale), der Nachrichtenmann, sowie die Nervensäge Angus „The Nut“ Nutsford. Jetzt hat die Truppe gerade Verstärkung bekommen durch den 18-jährigen Carl, den seine Mutter nach abgeschlossener Schulzeit zum Patenonkel Quentin aufs Schiff geschickt hat. Der Benjamin muss noch einiges lernen, was speziell für jeden zweiten Samstag gilt, aber nicht von Simon, der zwar mit der attraktiven Elenore die Frau seiner Träume heiratet, von dieser aber noch vor der Hochzeitsnacht wieder verlassen wird.

Und das hat indirekt auch damit etwas zu tun, dass die Geschäfte schlechter gehen, nachdem die Londoner Regierung mächtig Druck auf die Werbekunden ausübt. So sieht sich Quentin zu einem Coup gezwungen, mit dem er schlagartig die alten Verhältnisse wieder herstellt – finanziell und bei der Crew auf seinem Schiff: Gavin, der populärste DJ Großbritanniens, kehrt aus den USA zurück. Und sofort fliegen ihm alle weiblichen Herzen zu, das der frischgebackenen Gattin Elenore eingeschlossen. Was von den männlichen Herzen nicht gesagt werden kann. Besonders Gavins Nachfolger Harold kann sich nicht damit anfreunden, ins zweite Glied zurückzukehren, sodass es zu einem spektakulären, von Danny Cohens Kamera grandios eingefangenen Zweikampf auf schwindelerregender Höhe in der Takelage kommt – bei dem es, so viel darf verraten werden, mehr als nur zwei Sieger gibt. Denn die Regierung hat mit Gavins Rückkehr zwar einen Kampf verloren, gibt sich jedoch noch nicht geschlagen und rüstet auf zur letzten Schlacht. Während „Benjamin“ Carl mit durchschlagendem Erfolg seine erste gewinnt – bei Marianne, der so koketten wie nymphomanischen Nichte Quentins...

„The Boat that Rocked“ ist ein herrlich-nostalgisches Feel-Good-Movie. Mit einer rundum tollen Besetzung so skurriler wie liebenswerter Gestalten, genannt sei unbedingt noch Katherine Parkinson als vor Liebeskummer schier vergehende, da lesbische Schiffsköchin Felicity, einer harmlos-netten, aber auch in ihren zahlreichen Nebensträngen sehr unterhaltsamen, am Schluss sogar hochspannenden Story. Vor allem aber einem 1960er-Jahre-Sound mit sage und schreibe 54 Songs der „Beatles“, der „Stones“, der „Kinks“, von „The Who“, den „Beach Boys“ und „Small Faces“, den „Box Tops“, Leonard Cohen und Dusty Springfield. Und dieser Sound geht auch der jungen Generation heute in Bauch und Beine.

Was uns beim 52-jährigen Richard Curtis, der zu den erfolgreichsten britischen Filmemachern gehört, nicht weiter verwundert, denn der versteht etwas vom Unterhaltungs-Handwerk. Als Drehbuchautor („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“) wie als Regisseur („Tatsächlich ... Liebe“). Und dass er sich bei „Radio Rock Revolution“ ausdrücklich auf Robert Altman („M.A.S.H.“) bezogen hat, ist unser aller Schaden nicht. Auf den Kinostart am 1. April 2009 in Großbritannien folgten der deutsche am 16. April 2009 und die Free-TV-Premiere am 23. Dezember 2011 im ZDF.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
3700 m, 135 min
Format:
35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe , Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.03.2009, 117416, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Erstaufführung (DE): 07.04.2009, Berlin;
Kinostart (DE): 16.04.2009

Titel

  • Originaltitel (GB DE) Radio Rock Revolution

Fassungen

Original

Länge:
3700 m, 135 min
Format:
35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe , Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.03.2009, 117416, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Erstaufführung (DE): 07.04.2009, Berlin;
Kinostart (DE): 16.04.2009

Auszeichnungen

FBW 2009
  • Prädikat: besonders wertvoll