Eberhard Fechner

Eberhard Fechner

Darsteller, Regie, Drehbuch, Produzent
*21.10.1926 Liegnitz, Schlesien (heute Legnica, Polen); †07.08.1992 Hamburg

Biografie

Eberhard Fechner wurde 1926 im schlesischen Liegnitz geboren und wuchs anfangs bei seiner Mutter und seinem Stiefvater Paul Fechner auf. Sein leiblicher Vater Helmut Schmuler, von dem er erst lange Zeit später erfuhr, wurde im KZ ermordet. Fechner ging mit seiner Mutter nach Berlin und absolvierte nach der Schule eine kaufmännische Lehre bei der Ufa. Nach dem Krieg besuchte er die Schauspielschule des Deutschen Theaters und wurde an Bühnen in Hamburg, Hannover, Berlin, Bremen, München und Mailand engagiert. In den 1960er Jahren arbeitete er als Schauspieler und Regisseur am Stadttheater Konstanz und übernahm für eine Spielzeit die stellvertretende Intendanz.

Ab Mitte der 1960er Jahre wurde er als Fernsehregisseur für den NDR tätig. Seine erste Dokumentation "Selbstbedienung" befasst sich mit einem jugendlichen Einbrechertrio. Er spezialisierte sich auf penibel recherchierte und zugleich unterhaltsam aufbereitete Dokumentarfilme. Auch in "Nachrede auf Klara Heydebreck" (1966/1967), seinem abgesehen von der Adaption zweier Hamburger Volksstücke ("Vier Stunden von Elbe1" und "Gezeiten") ersten Spielfilm, rekonstruierte er mit größter Genauigkeit einen Lebenslauf. In "Aus nichtigem Anlass" (1973-1979) versuchte er die Ansätze direkt zu verbinden und entwickelte aus der exakten dokumentarischen Recherche eines Mordfalls ein Spielfilmdrehbuch.

Mit "Tadellöser & Wolff" adaptierte Fechner 1974/1975 für das ZDF Walter Kempowskis Roman über eine Rostocker Familie. 1975 begann seine umfangreiche Beschäftigung mit den Comedian Harmonists, aus der die mehrstündige Dokumentation "Die Comedian Harmonists – sechs Lebensläufe" hervorging, die sich auch mit der Zeit nach der erzwungenen Trennung in der NS-Zeit befasst. 1988 veröffentlichte er außerdem eine auf dem Film beruhende Buchdokumentation. Seinen einzigen Kinofilm "Winterspelt 1944" (1977/1978) drehte er nach dem Roman von Alfred Andersch, in dem ein deutscher Offizier frühzeitig vor den Amerikanern kapitulieren und so weiteres Blutvergießen vermeiden möchte.

Über fast ein Jahrzehnt hinweg arbeitete Fechner 1975-1984 an seinem nach eigener Einschätzung wichtigsten Werk "Der Prozess". Aus Gerichtsakten, Bildmaterial und zahllosen Interviews mit Prozessbeteiligten entstand eine Darstellung des sogenannten Majdanek-Verfahrens, des längsten Strafprozesses der bundesrepublikanischen Geschichte, in dem sich ehemalige Mitarbeiter des nämlichen Konzentrationslagers zu verantworten hatten. Zu seinen weiteren Projekten in den Folgejahren gehörte eine Adaption von Ralph Giordanos Roman "Die Bertinis", die er krankheitsbedingt nicht selbst realisieren konnte, die Seefahrer-Dokumentation "La Paloma" (1987-1989) und die Flüchtlingsgeschichte "Wolfskinder" (1989-1991). Immer wieder trat er auch als Nebendarsteller in Kino- und Fernsehfilmen auf, z.B. in "Die Geschwister Oppermann" (1982) oder zuletzt in "Das Heimweh des Walerjan Wrobel" (1990/1991).

Fechner starb 1992 in Hamburg, wo er mit seiner Frau und Mitarbeiterin Jannet Gefken zusammen lebte. Mit seinem sehr eigenen "realistischen" Stil zwischen Dokumentation und Fiktion nimmt er eine singuläre Stellung in der deutschen Fernsehhistorie ein. Seine Filme, die in zahlreichen Retrospektiven im In- und Ausland zu sehen waren, ergeben in ihrer Gesamtheit ein umfassendes Panorama der deutschen Geschichte.

Filmografie

2003 Schnitt - Der Regisseur und die Cutterin
Mitwirkung
 
1990/1991 Das Heimweh des Walerjan Wróbel
Darsteller
 
1989-1991 Wolfskinder
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1989 Chronist des einzigartig Normalen
Darsteller
 
1987/1988 Ödipussi
Darsteller
 
1987-1989 La Paloma
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1987 Kinder wie die Zeit vergeht
Mitwirkung
 
1985 Abschiedsvorstellung
Darsteller
 
1983/1984 Im Damenstift
Regie, Drehbuch, Interviews, Produzent
 
1983 Keine Übung
Darsteller
 
1982 Die Geschwister Oppermann
Darsteller
 
1978/1979 Ein Kapitel für sich
Regie, Drehbuch
 
1977/1978 Winterspelt 1944
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1975/1976 Von Emma, Türkenpaul und Edwin mit der Geige
Darsteller
 
1975/1976 Comedian Harmonists
Regie, Drehbuch
 
1975-1984 Urteile
Regie, Drehbuch
 
1975-1984 Beweisaufnahme
Regie, Drehbuch
 
1975-1984 Der Prozeß. Eine Darstellung des Majdanek-Verfahrens in Düsseldorf
Regie, Drehbuch
 
1975-1984 Anklage
Regie, Drehbuch
 
1974/1975 Tadellöser & Wolff
Regie, Drehbuch
 
1974/1975 Unter Denkmalschutz. Lebensbeschreibungen aus einem Frankfurter Bürgerhaus
Regie, Drehbuch
 
1974-1976 Lebensdaten. Alltagsgeschichten aus Berlin
Regie, Drehbuch
 
1974 Lisa - Aus dem Leben einer Unentbehrlichen
Darsteller
 
1973/1976 Aus nichtigem Anlaß
Regie, Drehbuch
 
1972/1973 Bauern, Bonzen und Bomben
Darsteller
 
1971 Zwei Briefe an Pospischiel
Darsteller
 
1971 Geheimagenten
Regie, Drehbuch
 
1970/1971 Frankfurter Gold
Regie, Drehbuch
 
1970 Die Ernte von My Lai - Auswirkungen eines Massakers
Sprecher
 
1970 Klassenfoto
Regie, Drehbuch
 
1969/1970 Gezeiten
Regie
 
1969 Das Fenster zum Garten
Darsteller
 
1969 Der Versager
Regie
 
1969 Nachrede auf Klara Heydebreck
Sprecher, Regie, Drehbuch
 
1968/1969 Damenquartett
Regie, Drehbuch
 
1968 Über den Gehorsam. Szenen aus Deutschland
Darsteller
 
1967/1968 Vier Stunden von Elbe 1
Regie
 
1967 Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt von der Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade
Darsteller
 
1967 Zuchthaus
Darsteller
 
1966/1967 Selbstbedienung. Ein Fall aus der Berliner Kriminalgeschichte
Regie, Drehbuch
 
1965/1966 Preis der Freiheit
Darsteller
 
1965 Im Schlaraffenland
Darsteller
 
1965 Ein Tag. Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager 1939
Darsteller
 
1962 Der Schlaf der Gerechten
Darsteller
 
1957 Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Darsteller
 
1955/1956 Ein Mädchen aus Flandern
Darsteller
 
1955 Straßenknotenpunkt
Darsteller
 
1954 Frau Holle
Darsteller