Ernst Lubitsch

Ernst Lubitsch

Darsteller, Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent
*29.01.1892 Berlin; †30.11.1947 Los Angeles, Kalifornien, USA

Ernst Lubitsch zur Misere des Filmlustspiels

Artur Vieregg, Lichtbild-Bühne, Nr. 28, 12.7.1919

Warum haben wir so wenig Filmlustspiele? Diese Frage könnte dieselbe Antwort finden wie die andere: Warum haben wir so wenig gute Bühnenlustspiele? Weil wir so wenig gute Lustspielautoren haben. Dieser Grund ist es indessen nicht allein.

Wie sich ein berufener Vertreter des deutschen Filmlustspiels, Herr Ernst Lubitsch, zu dieser Frage stellt, ist zweifellos von Interesse. Er äußerte sich darüber folgendermaßen:

"Die Hauptschuld an der Misere des Filmlustspiels trägt die Gleichgültigkeit, mit der in den deutschen Filmfabriken das Filmlustspiel behandelt wird. Es herrscht in jenen Kreisen die geradezu kunstbarbarische Auffassung, daß das Lustspiel weniger sei als das Drama. Infolgedessen wird das Drama teurer verkauft als ein Lustspiel. Also darf das Lustspiel nicht viel kosten.

Die Psyche des Publikums wird dabei vollständig verkannt. Wie das Theater zur Genüge bewiesen hat, bringt ein Lustspiel, eine Posse, eine Operette bedeutend mehr ein, als ein ernstes Stück. Das sollten sich unsere Filmleute durch den Kopf gehen lassen und es ruhig wagen, die Filmlustspiele mit größerem Aufwand und größerer Sorgfalt herzustellen.

Es ist gar kein Wunder, das heutzutage unser Lustspiel weniger besucht wird, als die anderen Stücke bei einem derartigen Tiefstand unserer Lustspielproduktion; andererseits haben wirklich gut gemachte Lustspiele einen dem Drama ebenbürtigen Erfolg aufzuweisen.

Mit dem guten Willen der Fabrikanten allein ist es jedoch auch noch nicht getan - zu den Filmlustspielen gehört eine ganz besondere Begabung. Ich möchte beinahe behaupten, daß es schwerer ist, ein Lustspiel herzustellen, als ein Drama.
Unvergleichlich schwerer ist beim Lustspiel schon die Textierung. Die Textierung darf beim Lustspiel nicht als ein unnötiger Ballast empfunden werden, sondern muß den Humor der dargestellten Situation noch verstärken. Die Abfassung dieser Texte erfordert eine ganz besondere Gewandtheit. Es ist mir oft vorgekommen, daß witzige Bühnenschriftsteller nicht in der Lage sind, auch nur einen einzigen witzigen Filmtitel zu bringen.

Alle diese Betrachtungen sollten unsere Filmfabrikanten sich zu Herzen nehmen und sich entschließen, die Lustspielproduktion der ernsten gleich zu stellen. Vor allem - in der Bezahlung der Lustspielmanuskripte."

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