Die Preise des Fünf Seen Filmfestivals 2021

Gestern ist das Fünf Seen Filmfestival mit der feierlichen Preisverleihung zuende gegangen. Der mit 5.000 Euro dotierte Fünf Seen Filmpreis ging in diesem Jahr an den ukrainischen Film "Stop-Zmelia" von Kateryna Gornostai. Die Auszeichnung wurde am Dienstagabend von dem stellvertretenden Starnberger Landrat Matthias Vilsmayer an den Generalkonsul der Ukraine, Yuriy Yarmilko überreicht.

 

"Kateryna Gornostai erzählt in ihrem Spielfilmdebüt "Stop-Zmelia" rund um ihre Hauptfigur gleich von einer ganzen Handvoll Jugendlicher zwischen Pubertät und Erwachsenwerden. Sie tut dies virtuos, charmant und einfallsreich. "Stop-Zmelia" ist ein stilistisch ungewöhnlicher Film, der dokumentarischen Realismus mit phantasievollen träumerischen Passagen verbindet“, heißt es in der Begründung der Jury. Ihr gehörten die Schauspielerin und Regisseurin Lisa Charlotte Friederich, der Herausgeber und Chefredakteur von Blickpunkt:Film, Ulrich Höcherl, der Filmkritiker Joachim Kurz, die Redaktionsleiterin der Radiowelt von Bayern 2, Heike Simon und der freie Filmjournalist Rüdiger Suchsland an.

In der Kategorie Perspektive Junges Kino wurde "Bad Roads" von Natalya Vorozhbit ausgezeichnet und damit ebenfalls ein Werk aus dem bemerkenswerten Filmland Ukraine. Der mit 3.000 Euro dotierte, von der Stadt Starnberg gestiftete Preis wurde von der 3. Bürgermeisterin Christiane Falk an den Generalkonsul der Ukraine, Yuriy Yarmilko übergeben. In der Jury-Begründung hieß es: "In vier Episoden, die nur lose, aber raffiniert miteinander verknüpft sind, wird auf beeindruckende Weise gezeigt, was der Krieg mit Menschen macht, wie sie ihren Halt, ihr Werte und ihre Menschlichkeit verlieren. Der Regisseurin gelingt es, glaubhafte Figuren zu erschaffen und den ganzen Film hindurch Spannung aufrechtzuerhalten, die kaum auszuhalten ist. Obwohl der Krieg nie wirklich gezeigt wird, ist er in den vier Episoden des Films allgegenwärtig.“ Der Jury gehörten der Regisseur Gregor Bozič, die Pädagogin Susanne Hoffmann und die Regisseurin und Autorin Marie Reich an.

Der Dokumentarfilmpreis ging an den Film "The Other Side of the River" von Antonia Kilian. Der ebenfalls mit 3.000 Euro dotierte Preis wurde von Wernher Weigert von der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg an den Produzenten Frank Müller überreicht. In der Jury-Laudatio hieß es: "Perspektive lautet das Motto des diesjährigen Fünf Seen Filmfestivals. Doch Perspektive ist nicht selbstverständlich. Oft muss die eigene Perspektive erkämpft werden. Das gilt insbesondere für Frauen im Nahen Osten. Mit großer Empathie schildert die Filmemacherin Antonia Kilian die Geschichte um die syrische Kurdin Hala, die voller Erwartungen und revolutionärem Geist aus der Enge ihres Elternhauses in eine neue Zukunft flieht. Dem Film gelingt es, diesen jugendlichen Idealismus nachvollziehbar einzufangen, ohne ihn zu romantisieren.“ In der Jury saßen Regisseur und Autor Shaheen Dill-Riaz, die Regisseurin und Autorin Antje Drinnenberg, der Regisseur Moritz Schulz, die Autorin Tetiana Trofusha und die Filmemacherin Janna Ji Wonder. Eine lobende Erwähnung der Jury fand der Film "Who´s afraid of Alice Miller" von Regisseur Daniel Howald. In dem Film geht es um das Drama des eigenen Kindes, bei dem die berühmte Mutter über die Misshandlungen ihres Sohnes durch den Vater hinwegschaute. "Der Regisseur nähert sich auf treffsichere Art Fragen, die uns alle angehen: Wie wichtig ist die Wahrheit für uns Menschen?“, heißt es in der Begründung.

Publikumspreise

Mit dem diesjährigen Horizonte Filmpreis (Publikumspreis), der mit 2.000 Euro dotiert ist und von der Gleichstellungsstelle des Landratsamtes Starnberg gestiftet wird, wurde der Film "Väter Unser" von Sophie Linnenbaum geehrt. "Der Film macht deutlich, dass auch Väter ihren Platz brauchen“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte Sissi von Wiedersperg bei der Preisübergabe an die Regisseurin. Der in diesem Jahr erstmals ausgelobte und mit 3.000 Euro dotierte Kino & Klima Award, der ebenfalls vom Publikum bestimmt wurde, ging an den Film "Dear Future Children" von Franz Böhm. Das Preisgeld stifteten Anne und Alex Eichberger, die Initiatoren von unserklima.jetzt. "Die nächsten zehn Jahre werden entscheidend sein, welche Geschichten wir Filmemacher erzählen“, betonte Regisseur Franz Böhm.

Der mit 5.000 Euro dotierte Publikumspreis der Süddeutschen Zeitung – Best of Festivals wurde an den Film "Der Hochzeitsschneider von Athen" von Sonia Liza Kenterman vergeben. "Die Zeiten haben sich geändert für die Kultur und die gesamte Kulturbranche. Es geht jetzt darum, die Aufmerksamkeit der Politik auf die Kultur zu lenken und die des Publikums auf die Kunst“, sagte der Redaktionsleiter der Süddeutschen Zeitung in Starnberg, David Costanzo bei der Preisübergabe an die deutsch-griechische Regisseurin.

Rund 14 000 Besucher zählte das Fünf Seen Filmfestival im zweiten Coronajahr und erreichte damit ein ähnliches Niveau wie im Vorjahr. Festivalintendant Matthias Helwig zeigte sich im Jubiläumsjahr seines Festivals sehr zufrieden. "Trotz schwieriger Bedingungen durch Corona und des völlig verregneten Kino Open Airs konnten wir ein tolles Ergebnis erzielen“, sagte Helwig. Viele Vorstellungen seien – unter Coronabedingungen - ausverkauft gewesen. Sein Team habe ein grandioses Programm gestemmt mit mehr als 150 Filmen und rund 100 Filmgästen aus dem In- und Ausland, darunter aus Österreich, der Schweiz, Griechenland und Frankreich. Höhepunkte des Festivals seien die Eröffnungsfeier und die Verleihung des Hannelore-Elsner-Preises an die viel gefeierte österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr gewesen, die Open Air im Seebad Starnberg veranstaltet wurden, sowie das Filmgespräch am See mit Senta Berger und Michael Herbig. Besonders gut liefen zudem die Filme "Der Hochzeitsschneider von Athen", "Die Unbeugsamen", "The Father", "Aware – Reise in das Bewusstsein" und "Der Rosengarten von Madame Vernet".

Abgerundet wurde die Abschlussveranstaltung des Festivals mit der Vorführung des 100 Jahre alten Stummfilmklassikers "I Do" mit Harold Lloyd. Dazu spielte Bernhard Zink live am Klavier seine eigene Vertonung des Films.

Fsff-Preise 2021 im Überblick

Fünf Seen Filmpreis – Bester Spielfilm aus Mitteleuropa, Hauptpreis
"Stop-Zmelia "(UA) von Kateryna Gornostai

Perspektive Junges Kino (Nachwuchspreis) – Bester erster oder zweiter Spielfilm
"Bad Roads" (UA) von Natalya Vorozhbit

Dokumentarfilmpreis - Bester Dokumentarfilm aus Mitteleuropa
"The Other Side of the River" (DE) von Antonia Kilian

Horizonte-Filmpreis - Human Rights Award
"Väter Unser" (DE) von Sophie Linnenbaum

Kino & Klima Award
"Dear Future Children" (DE/AT/GB) von Franz Böhm

SZ-Publikumspreis – Best of Festivals
"Der Hochzeitsschneider von Athen" (DE) von Sonia Liza Kentermann

Kurzfilmpreis Goldenes Glühwürmchen
"Ein Ozean" (DE) von Paul Scheufler

ShortPlus Award
"Ala Kachuu – Take and Run" (CH) von Maria Brendle

Dachs-Drehbuchpreis
"Fuchs im Bau" (AT) von Arman T. Riahi

Video Art Preis
"Absent Wound" (IR/GB) von Maryam Tafakory

Hannelore-Elsner-Schauspielpreis
Birgit Minichmayr

Quelle: www.fsff.de