Eine Frage des Vertrauens

Deutschland 2009 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Universität Hannover, Medizin-Examen. Im großen Hörsaal sorgsam verteilt brüten die Studenten über einem MC-Test. Für Marie Hansen, Anfang zwanzig, ist es der dritte und nunmehr letzte Versuch. Misslingt auch der, ist es aus mit ihrem großen Traum, Ärztin zu werden: Exmatrikulation. Während sich die Reihen lichten und immer mehr Kommilitonen ihre Blätter abgeben, so auch Maries beste Freundin Nicole Grosche, steht ihr die Ratlosigkeit auf der Stirn geschrieben. Und bald die pure Angst. Wie es den Eltern beibringen daheim in Elmsbüttel? Papa Fritz, der Dorfpfarrer, ist eh' nicht von bester Kondition, mutet sich immer zu viel zu und hat in seiner Gattin Ruth zwar eine ständige Mahnerin, aber keine wirkliche Hilfe: Die Zigarette muss er heimlich auf dem Dorfanger rauchen und sich schon allerhand einfallen lassen, um einmal ins Wirtshaus zu dürfen.

„Pfarrers Kind, Müllers Vieh gelingen selten oder nie“: Mutter Ruth ist freilich aus ganz anderem Grund der Verzweiflung nahe, als Marie nach Hause kommt: ihre Schwester Sara (Anna-Lena Strasse) ist schwanger. Mit neunzehn Jahren! Und weiß nicht einmal, wer der Erzeuger ist. Wohl, wer infrage kommt, aber von den Kerlen kann sie sich keinen als verantwortungsbewussten Vater vorstellen. „Hier brennt die Hütte“: Papa bricht zusammen, der Notarzt muss gerufen werden. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um mit der Wahrheit herauszurücken...

Acht Jahre später: Marie arbeitet als Assistenzärztin auf der Kinderstation des Henriettenstifts in Hamburg. Beworben hatte sie sich mit der gefälschten Kopie einer Approbationsurkunde. Marie ist als kompetente, engagierte Ärztin bekannt. Sie kümmert sich vor allem um Kinder, die an Mukoviszidose leiden, einer lebensbedrohlichen, unheilbaren Stoffwechselkrankheit. Nach einer Publikation in einer medizinischen Fachzeitschrift gilt Marie über Hamburg hinaus als Expertin, weshalb sie ihr Chef Professor Dr. Georg Lärchenfeld auch mit der Dokumentation einer Doppelblindstudie beauftragt, bei der ein neues, noch nicht zugelassenes Medikament auf seine Wirksamkeit und eventuell auftretende Nebenwirkungen getestet werden soll. Ihr Zögern hält er für den Ausdruck der Bescheidenheit Maries.

Die sich gleich von zwei Seiten in die Zange genommen fühlt: Zum einen wird Oliver Kremp, Sachbearbeiter der Hamburger Ärztekammer, ungeduldig, weil noch immer das Original ihrer Approbationsurkunde fehlt, zum anderen hat sich Nicole, inzwischen promovierte Ärztin, um eine vakante Stelle im Henriettenstift beworben – mit guten Aussichten, genommen zu werden. Als ihre beste Freundin dann auch noch bei Marie einzieht für die Zeit, bis sie eine Wohnung gefunden hat, fliegt der Schwindel auf. Doch Nicole verspricht, über einen Freund ein „Originaldokument“ der Uni Hannover zu besorgen.

Währenddessen ist die Studie angelaufen, an der auch der zwölfjährige Jonas Bruckner (Markus Quentin) teilnimmt, der Marie ebenso ans Herz gewachsen ist wie dessen alleinerziehender Vater Jan. Was bei Vater, einem humorvollen Lehrer, und Sohn durchaus auf Gegenseitigkeit beruht. Das neue Medikament scheint anzuschlagen, auch bei den anderen jungen Patienten der Station wie etwa Pascal (Robin Reichelt). Marie und Jan beginnen ein Verhältnis, sie stellt die Eroberung auch ihrer Familie vor anlässlich des Geburtstages von Timo (Paul Maximilian Schüller), ihrem kleinen Neffen, dessen Mutter Sara 'mal wieder die Flippige 'raushängen lässt. In der allgemeinen Hochstimmung kreist die Haschzigarette – und Sara verplappert sich: der entsetzte Jan sucht samt Jonas das Weite.

Als bei einigen Patienten der Studie Komplikationen auftreten, verbittet sich Jan eine weitere Behandlung seines Sohnes durch Marie, die zunächst vergeblich nach der Ursache der Probleme forscht. Während Professor Lärchenfeld weiterhin Vertrauen zu ihr hat und sich selbst um Jonas kümmert, hat Oliver Kremp von der Ärztekammer die von Nicole beigebrachte Urkunde als Fälschung entlarvt und unternimmt einen doppelten Erpressungsversuch: Marie soll eine Verwandte von ihm in die Medikamentenstudie aufnehmen und ganz nebenbei auch noch mit ihm ins Bett gehen.

Marie bleibt keine andere Wahl als sich ihrem Chef und Mentor zu offenbaren, zumal der abgewiesene Kammer-Sachbearbeiter einen Rachefeldzug startet: „Falsche Ärztin“ titelt die Boulevardpresse, was auch in Elmsbüttel hohe Wellen schlägt, ein Prozess ist unvermeidlich. Aber am Tag der Verhandlung kommen alle Freunde, Kollegen, selbst der Professor ins Gericht, um ihr öffentlich den Rücken zu stärken. Sogar Jan Bruckner, dessen Sohn mittlerweile gestorben ist, lässt sich blicken – und ist mit dem Urteil so zufrieden wie alle anderen...

„In meinen Augen sind Sie keine Betrügerin“: Dieser – berechnende - Satz aus dem Munde des noch hoffenden Oliver Kremp könnte nach neunzig Minuten auch für das Fazit des Arzt- und Liebesdramas „Eine Frage des Vertrauens“, das am 8. März 2010 im ZDF erstausgestrahlt wurde, stehen: Die Drehbuchautorin Annette Hess und der ansonsten eher für allzu leichte Unterhaltungsware stehende Regisseur Miguel Alexandre werfen darin grundsätzliche Fragen nach Recht und Moral, Vertrauen und Verantwortung auf. Das Film-Urteil, zwei Jahre auf Bewährung, ist das rechte Maß für eine junge, engagierte, verantwortungsbewusste, aber dem Prüfungsstress nicht gewachsene Frau, die „ihre“ Kinder auf Station wie eine Ersatzmutter liebt.

Das macht die Figur Marie Hansen, wie manche Kritiker schrieben, nun wirklich nicht zu einer Hochstaplerin. Sie ist vielmehr eine Getriebene ihrer ehrgeizigen Mutter, und das gehört zu den zahlreichen, die Haupthandlung flankierenden Nebensträngen: Marie und Sara haben ständig darunter leiden müssen, mit ihrer verstorbenen Schwester Simone verglichen zu werden. Nie konnten sie es ihrer Mutter recht machen – und ihr die verlorene Tochter halt auch nicht ersetzen.

Neben der herausragenden, zu Herzen gehenden Silke Bodenbender vermag Wotan Wilke Möhring zu überzeugen. Wie Marie kann Jan sich, sicherlich die berührendste Szene des Films, an der Stärke des tapferen Jonas aufrichten: Markus Quentin verkörpert einen todkranken Jungen, der sich nichts vormachen lässt, der genau weiß, wie es um ihn steht. Und der noch in seiner letzten Stunde beruhigende Zuversicht ausstrahlt.

Pitt Herrmann

Credits

Drehbuch

Kamera

Darsteller

Alle Credits

Regie-Assistenz

Drehbuch

Kamera

Außenrequisite

Innenrequisite

Darsteller

Ausführender Produzent

Produktionsleitung

Länge:
90 min
Format:
HD Cam
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:

Uraufführung (DE): 28.09.2009, Hamburg, FilmFest

Titel

  • Originaltitel (DE) Eine Frage des Vertrauens
  • Arbeitstitel (DE) Marie in Weiss

Fassungen

Original

Länge:
90 min
Format:
HD Cam
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:

Uraufführung (DE): 28.09.2009, Hamburg, FilmFest