Mit dem neuen Community Award für herausragende Verdienste um die europäische Filmkultur würdigt die European Film Academy – mit ihren 5.700 Mitgliedern aus ganz Europa – einen entscheidenden und langjährigen Beitrag zur Entwicklung und Stärkung der europäischen Filmkultur.
Die ersten drei Preisträger*innen dieser neuen Auszeichnung werden am Vorabend der European Film Awards 2027 im Rahmen der Welcome Night am Freitag, dem 15. Januar, im Akropolis-Museum in Athen vorgestellt. Alle Preisträger*innen und Nominierten werden an dem Empfang teilnehmen.
Die diesjährigen Preisträger*innen der neuen Auszeichnung sind Beki Probst, Marin Karmitz und Sandra den Hamer.
Beki Probst wurde in Istanbul in eine sephardisch-jüdische Familie geboren, studierte Rechtswissenschaften und Journalismus und arbeitete kurzzeitig als Filmjournalistin. Zusammen mit ihrem Schweizer Ehemann gründete sie in den 1960er Jahren in Bern die "Queenie Cinemas", aus denen sich eine erfolgreiche Arthouse-Kinokette entwickelte, die bis heute besteht. Von 1981 bis 1988 war Beki Probst die Berlinale-Delegierte für die Türkei und Griechenland. Nachdem sie die jährliche Fachmesse in Locarno ins Leben gerufen hatte, wurde sie 1988 vom Berlinale-Direktor Moritz de Hadeln gebeten, den European Film Market (EFM) in seiner heutigen Form zu gründen. Unter ihrer Leitung, die bis 2014 andauerte, entwickelte sich der EFM zu einem der größten und wichtigsten internationalen Filmmärkte.
Als eine der Pionierinnen der europäischen Filmindustrie der Nachkriegszeit wurde sie im Laufe der Jahre mit zahlreichen Auszeichnungen innerhalb und außerhalb Europas geehrt, darunter die Berlinale-Kamera, der "Prix du cinéma Suisse", der französische Orden "Chevalier des Arts et des Lettres" und dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
Marin Karmitz, geboren 1938, absolvierte die renommierte französische Filmschule IDHEC und war zunächst Regieassistent der Filmschaffenden Jean-Luc Godard, Agnès Varda, Jacques Rozier, Yannick Bellon und Pierre Kast. 1964 drehte er seinen ersten Kurzfilm, "Nuit noir, Calcutta", nach einem Drehbuch von Marguerite Duras. 1965 arbeitete er mit Samuel Beckett an der Verfilmung von "Comédie". Im selben Jahr wurde der Film als Eröffnungsfilm der Internationalen Filmfestspiele von Venedig ausgewählt und schockierte das Publikum mit seinem avantgardistischen Inhalt. Marin Karmitz' erster Spielfilm war "Seven Days Somewhere Else" mit Jacques Higelin aus dem Jahr 1967, der ebenfalls bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig gezeigt wurde. Nach dem Mai 1968 drehte er zwei Filme: "Kameraden" (1970) und "Blow For Blow" (1972), die auf internationalen Festivals gezeigt wurden.
Nachdem Marin Karmitz 1967 mk2 Productions ins Leben gerufen hatte, gründete er 1974 einen Filmverleih. In 40 Jahren produzierte er 108 Filme und brachte über 350 in die Kinos, darunter Krzysztof Kieslowskis "Drei-Farben"-Trilogie, für die er 1994 eine Nominierung für die European Film Awards erhielt, zwölf Filme von Claude Chabrol sowie Filme von Alain Resnais, Louis Malle, den Taviani-Brüdern, Theo Angelopoulos, Lucian Pintilié, Gus Van Sant, Ken Loach, Abbas Kiarostami, Hong Sang-Soo, Michael Haneke, Walter Salles und Xavier Dolan.
Sandra den Hamer blickt auf eine langjährige Karriere in der niederländischen Filmbranche zurück. Von 2007 bis 2023 war sie Direktorin des Niederländischen Filmmuseums in Amsterdam. Unter ihrer Leitung eröffnete das in "Eye Filmmuseum" umbenannte Museum ein komplett neues Museumsgebäude und ein neues Sammlungszentrum in Amsterdam. Das Eye entwickelte sich zu einer international renommierten Institution mit einem vielseitigen Programm, das große Retrospektiven, internationale Konferenzen und ein umfangreiches Ausstellungsprogramm (darunter Ausstellungen mit Filmemachern wie Bela Tarr, Apichatpong Weerasethakul und Alex van Warmerdam) umfasste.
Zuvor war Sandra den Hamer 23 Jahre lang beim Internationalen Filmfestival Rotterdam tätig, unter anderem als Koordinatorin des CineMart und des Hubert-Bals-Fonds. Von 1996 bis 2007 war sie (Co-)Leiterin des Festivals. Außerdem war sie Vorstandsvorsitzende der Association of European Cinematheques (A.C.E.). Von 2023 bis 2026 war sie als Interimsgeschäftsführerin beim Netherlands Film Fund tätig. Heute ist sie Vorstandsvorsitzende des IDFA-Instituts und der Gerrit-Rietveld-Akademie in Amsterdam.
Der Vorstand der European Film Academy hat die drei Preisträger*innen der ersten Verleihung des Community Award bestimmt. Für die Verleihung 2028 können dann ausschließlich Mitglieder der European Film Academy andere Akademiemitglieder für die neue Auszeichnung vorschlagen. Sie sind ausdrücklich eingeladen, dabei Kandidat*innen zu berücksichtigen, die die große Bandbreite und Vielfalt der Mitgliedschaft widerspiegeln. Wie viel Zuspruch ein Vorschlag unter den Mitgliedern erhält, fließt in die Entscheidung ein. Aus allen Einreichungen wählt der Vorstand jedes Jahr die drei Preisträger*innen aus.
Die European Film Academy würdigt seit jeher herausragende Leistungen im Zusammenhang mit nominierten Filmen und Talenten. Mit der neuen Initiative möchte sie darüber hinaus eine Kultur der Anerkennung und Wertschätzung unter ihren Mitgliedern fördern – insbesondere für Kolleg*innen, deren langjähriges Wirken besondere Aufmerksamkeit verdient. Die Bestimmungen und Verfahren im Zusammenhang mit dem Community Award sind auf der Website der European Film Academy veröffentlicht.
Beki Probst, Marin Karmitz und Sandra den Hamer sind Ehrengäste bei den 39. European Film Awards in Athen am 16. Januar 2027. Live-Übertragung: www.europeanfilmawards.eu.
Quelle: www.europeanfilmacademy.org