Wettbewerbsfilme und Filmgäste beim 26. goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films

Kommende Woche ist es wieder soweit: Am Dienstag, 21. April, startet die 26. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films. Acht weitere Deutschlandpremieren komplettieren das Wettbewerbsprogramm.

 

Wettbewerbsfilme und Filmgäste

Die Vorstellung der letzten acht Filme fängt mit der dokumentarischen Tragikomödie "Outliving Shakespeare" (ARM, NED 2025) des Regieduos Inna Sahakyan und Ruben Ghazaryan, an. Wo wird mit dem Krückstock Billard gespielt, ereignen sich kleine und große Dramen, sucht ein Theatermacher händeringend nach Darstellenden? In einem armenischen Seniorenheim.  Denn dort probt eine Theatergruppe das Stück "Shakespeares Sünden", in dem Shakespeare von seinen eigenen Figuren konfrontiert wird. In feinsinnigen humorvollen Szenen entsteht ein berührendes Porträt zwischen bröckelnden Wänden, streunenden Katzen und einem modernen Roboter.

Ein weiterer Dokumentarfilm kommt aus Tschechien: "Amira's Children" (CZE 2025) von Markéta Ekrt Válková. Der Film wird im Beisein der Regisseurin gezeigt und erzählt von Krieg und Zerstörung in Syrien und dem Ankommen in Europa. Auch Amiras Familie sieht sich gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Aufgrund eines schweren Herzfehlers des jüngsten Sohnes wird die Familie zur medizinischen Behandlung nach Tschechien ausgeflogen. Über zehn Jahre begleitet Filmemacherin Markéta Ekrt Válková insbesondere Amiras Weg zwischen Ankommen und Fremdsein, zwischen Integration und dem Wunsch nach Rückkehr.

Die kroatische Regisseurin Hana Jušić kommt nach Wiesbaden um ihren Film "God Will Not Help" (HRV, ITA, ROU, GRC, FRA, SVN 2025) vorzustellen. Kurz danach wird er auch beim Internationalen Frauenfilmfestival in Köln gezeigt. Das existenzialistische Drama spielt in den kroatischen Bergen des 20. Jahrhunderts, wo die Chilenin Teresa eine abgeschottete Hirtenfamilie erreicht, um die Nachricht vom Tod ihres Mannes, des ausgewanderten Bruders der Familie, zu überbringen. Teresa spricht nur Spanisch, die Familie nur Kroatisch. Ihre Ankunft verunsichert die streng katholische, patriarchale Gemeinschaft.

Regisseur Łukasz Ronduda zeigt seinen neuesten Film "Tell Me What You Feel" (POL 2026) in Wiesbaden. Das psychologische Beziehungsdrama spielt in Warschau. Patryk, ein junger Zeichner vom Land versucht, seine Bilder zu verkaufen und einen Platz an der Kunsthochschule zu bekommen. Dabei begegnet er Maria, einer charismatischen Künstlerin, die ein Kunstprojekt leitet, bei dem Menschen für ihre Tränen Geld erhalten.

Seinen Thriller "China Sea" (LTU, TWN, POL, CZE 2025) stellt der litauische Regisseur Jurgis Matulevičius persönlich in  Wiesbaden vor. Osvald, ein international gefeierter Kickboxer, muss seine Karriere beenden, nachdem er versehentlich eine Frau bei einer Barschlägerei verletzt hat. Von Schuldgefühlen geplagt, arbeitet er im Imbiss "China Sea" seines einzigen Freundes. In einer gerichtlich angeordneten Gruppentherapie begegnet er der rätselhaften Skaistė und hofft auf einen Neuanfang. Doch während er junge Boxer*innen trainiert und von einem besseren Leben träumt, holen ihn Vergangenheit und Gewalt erneut ein.

Das Coming-of-Age-Abenteuer "The Other Side of Summer" (CZE, HRV 2025) von Vojtěch Strakatý nimmt das Publikum mit in ein Ferienhaus am See, wo die 15-jährige Bětka mit ihrer besten Freundin Alma einen trägen Sommer verbringt. Sie sehnen sich danach, die Party an der Strandbar auf der anderen Seite zu besuchen, doch Bětkas ältere Schwester Marie verbietet es ihnen. Alles ändert sich, als Alma die rätselhafte Aneta trifft, die täglich stundenlang im See verschwindet. Eines Tages folgt sie ihr und entdeckt auf einer Insel im See einen Tümpel, der eine unheimliche Anziehung auf sie hat, und in eine parallele magische Welt führt. Auch Strakatý kommt nach Wiesbaden und beantwortet die Fragen des Publikums.

Dea Gjinovci präsentiert ihren hybriden Dokumentarfilm "The Beauty of the Donkey" (CHE, KOS, FRA, USA 2025). Nach mehr als 50 Jahren in der Schweiz kehrt Asllan Gjinovci mit seiner Tochter, der Regisseurin Dea Gjinovci, in sein Heimatdorf im Kosovo zurück. In Gesprächen mit den Bewohner*innen auf einer bühnenhaft improvisierten Rekonstruktion des väterlichen Elternhauses suchen sie nach Spuren der Vergangenheit und der eigenen Identität. Dabei rückt auch der ungeklärte Verlust der Großmutter im Kosovokrieg in den Fokus.

Im poetischen Dokumentarfilm "The Kartli Kingdom" (GEO, FRA 2025) unter der Regie von Tamar Kalandadze und Julien Pebre erschüttert der Suizid eines Bewohners  das Kartli, ein ehemaliges Sanatorium, in dem seit 1993 Vertriebene aus Abchasien leben. Was als Provisorium begann, ist zum prekären Dauerzustand geworden. Ein Riss im Gebäude spiegelt die unsichere Zukunft, die Bewohner*innen protestieren für bessere Lebensbedingungen.

Eröffnungsprogramm am Dienstag, 21. April

Nach einer feierlichen Eröffnungszeremonie am Dienstag, 21. April, um 18.30 Uhr zeigt goEast ein Kurzfilmprogramm mit den folgenden Filmen: "The Exhibition" (GBR, HUN, NOR 2026) aus der goShorts Sektion, "Berlin unverkäuflich" (BRD 1967) aus dem Symposium, "Eraserhead in a Knitted Shopping Bag" (BGR 2025) aus dem Kaleidoskop. In den drei Kurzfilmen werden sehr unterschiedliche Perspektiven erkundet: die eines queeren Fotografen mit Roma-Wurzeln, der nach zehn Jahren in seine ungarische Heimat zurückkehrt; die einer jugoslawischen Schriftstellerin und Filmemacherin, die den urbanen Nachkriegsraum im damaligen Westberlin erkundet; und die einer jungen Cinephilen im Bulgarien der 1990er-Jahre, die zu vielem bereit ist, um ein Video zu sehen. Das Kurzfilmprogramm wird präsentiert von ARTE.

goShorts, Anarcho Shorts, Romani Cinema

Die Filme des diesjährigen Kurzfilmwettbewerbs mit dem neuen Titel "goShorts" sind Teil des Fokus auf Revolution und behandeln mannigfaltige Formen revolutionären Handelns. Sechs ausgewählte Kurzfilme eröffnen unter dem Titel "Revolutions Per Minute" einen Raum für Fragen nach Macht und Ermächtigung – von Kollektiven und Individuen ebenso wie von Gedanken und Ideen. "Fragments on Resistance" (GEO, SRB 2025) von Levan Tskhovrebadze und Ani Kiladze begleitet Unruhen in Novi Sad und Georgien, die das Leben der serbischen Filmjournalistin Pavla und des georgischen Kurzfilmers Levan prägen. Marta Popivodas "Slet 1988" (DEU, FRA, SRB 2025) beschäftigt sich mit der Frage, wie revolutionär das Kollektiv und wie ideologisch das Individuum sind. In "Kismet" (SVN, HRV 2024) von Žiga Virc rebelliert die elfjährige Milena gegen das ihr vorgeschlagene Schicksal, während ihre große Schwester ihre Hochzeit als eine Befreiung sieht. "The Care Package" (BLR, DNK 2025) von Vera Shysh (Pseudonym) widmet sich den mehr als 1.000 politischen Gefangenen in belarussischen Gefängnissen. Besuche und Anrufe werden ihnen meist verwehrt. "How to Listen to Fountains" (SVK 2025) von Eva Sajanova beschäftigt sich mit der Frage, was man von den existenzbedrohten Brunnen in Bratislava lernen kann, wenn man ihnen zuhört. "The Exhibition" (GBR, HUN, NOR  2026) von Dáša Raimanová, Teilnehmerin in der jüngsten Ausgabe des East-West Talent Lab, und Béla Váradi erzählt von dem queeren Romani-Fotograf Béla Váradi, der nach 25 Jahren in seine ländliche, ungarische Heimat zurückkehrt. Entgegen aller Selbstzweifel und Widerstände organisiert er eine Ausstellung seiner Arbeit und damit eine mutige Intervention in einem Land, in dem Bélas Identität der staatlichen Repression ausgesetzt ist. Das Programm ist kuratiert von Sophie Brakemeier.

Kurz, wild, lustig, nachdenklich: willkommen zurück bei den ANARCHO SHORTS, kuratiert von den diesjährigen goEast-Praktikantinnen. Auf einem intergalaktischen Singleschiff wird Liebe neu definiert in "Cosmonauts" (SVN, ITA 2026). In Bulgarien kämpft ein Mädchen um eine VHS in "Eraserhead in a Knitted Shopping Bag" (BGR 2025). Vier Aktivist*innen befreien Hühner und geraten in moralische Dilemmata: "Free the Chickens" (SVK, CZE 2024). Flucht und Erinnerungen im Kontext des Ukrainekriegs prägen animierte Perspektiven in "I Died in Irpin" (CZE, SVK, UKR 2024) und "Meine Großmutter ist Fallschirmspringerin" (UKR, DEU 2025). Eine gigantische Rübe sorgt für Chaos in "The Beetroot" (CZE 2025) und ein Imker erzählt vom stillen Kreislauf seiner Bienen: "The Brief Life of a Bee" (POL 2024). Auch die Anarcho Shorts werden mit Unterstützung von ARTE präsentiert und laufen etwa bei der Nacht der Museen im Kino des DFF.

Passend zum heutigen Internationalen Roma-Tag stellt goEast acht Kurzfilme in zwei Kurzfilmprogrammen unter dem Titel "Romani Cinema: Against the Odds" vor, die Romani-Perspektiven ins Zentrum rücken. Dokumentarisch, fiktional und animiert erzählen sie von Erfahrungen in Zentral- und Osteuropa – von Schulsegregation, Deportation und staatlicher Gewalt, von Pflegefamilien und generationenübergreifendem Trauma. Zugleich zeigen sie Selbstbehauptung, Freude und Widerstandskraft. Die Reihe öffnet den Blick für Geschichten und Lebensrealitäten, die viel zu lange übergangen oder zum Schweigen gebracht wurden. Kuratiert ist das Programm von Lisa Smith. Darüber hinaus organisiert goEast zusammen mit dem Critical Film and Image Hub und dem Romani Filmmakers Network einen Workshop mit dem Titel "Respectful Romani Representation: Building the Framework".

"Divided Lives" (CZE 2025) von Alica Sigmund Heráková erzählt von Tereza, einer Romni und Mutter, die darum kämpft, ihre Kinder von einer segregierten auf eine inklusive Schule zu bringen. In "The Spectacle" (HUN, FRA 2025) von Bálint Kenyeres wird ein Junge mit einer ungewöhnlichen Gabe Mittelpunkt medialer Aufmerksamkeit – zu welchem Preis? Kenyeres gelang eine poetische Erzählung über Desillusionierung. "Goodbye, Castle!" (ROU 2022) von Alina Șerban lässt Ana auf ihre Kindheit in Heimen und Pflegefamilien zurückblicken und stellt sich Erinnerungen an Familie, Verlust und Zugehörigkeit. "Fünfzehn Minuten" (DEU 2024) von Sejad Ademaj zeigt, wie Jasminas Welt zusammenbricht, als die Polizei eintrifft, um ihre Familie innerhalb von fünfzehn Minuten abzuschieben. In dem animierten Kurzfilm "I Sang Again" (DEU 2022) von Hamze Bytyçi findet Emilie Elina Machálková ihre Stimme wieder – Jahrzehnte nach der Ermordung ihrer Familie im Holocaust. Die Regisseurin von "Gypsy Gadji" (POL 2024), Dáša Raimanová, erzählt Roksanas Geschichte, die sich als Romni und Polin zugleich versteht. Sie setzt sich dafür ein, Roma-Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Das animierte Märchen "Song of the Gallows" (CZE, FIN 2003) von Katariina Lillqvist erinnert in der Tradition tschechischer Animationskunst an eine Zeit, in der finnisches Recht die Hinrichtung von Roma erlaubte. In "Wesley schwimmt" (DEU 2024) von Adrian Oeser folgt der 14-jährige Wesley den Spuren seines Urgroßvaters, der Auschwitz überlebte.

Das komplette Programm für die 26. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films ist nun hier veröffentlicht.

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt. Hauptförderer und Partner sind die HessenFilm und Medien GmbH, die Landeshauptstadt Wiesbaden, der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und das Polnische Institut Düsseldorf.

Hauptmedienpartner sind 3sat, Deutschlandfunk Kultur und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Quelle: www.filmfestival-goeast.de/