Max und seine guten Geister

BR Deutschland ca. 1957 Kurz-Animationsfilm

"Max und Mine" (BRD 1957) von Hans Held – Wohlige Wärme im Wirtschaftswunder

Von Jeanpaul Goergen und Stefan Przigoda

 

Bereits im Februar 1953 wurde die "Ruhrkohlen-Beratung" in Essen in das Handelsregister eingetragen. Zu ihren Aufgaben zählten die "gemeinschaftliche Werbung für Ruhrkohle, Marktforschung und Marktbeobachtung" sowie die "Zusammenarbeit mit der Presse" (Amtsgericht Essen HRB 489). Mit "Vorträgen, Zeitungsartikeln, Anzeigen, Werbeveranstaltungen, Filmen und persönlicher Beratung" erläuterte sie seit 1956 die Absatzlage, empfahl eine rationelle Verwendung der Ruhrbrennstoffe und klärte über die Preisentwicklung auf (Werner 1957). Im Rahmen ihrer Public Relations-Aktivitäten setzte die Ruhrkohlen-Beratung auch zahlreiche dokumentarische Informations- und Werbefilme ein. Als erster und einziger längerer Animationsfilm entstand 1957 der farbige Zeichentrickfilm "Max und Mine", der mit einer lustigen Bärengeschichte für den Einbau von automatischen Reglern (Heizungsthermostaten) für Koksheizungen warb.

Produzentin von "Max und Mine" war die Anfang Januar 1958 in Hamburg gegründete trick film GmbH, die auf Herstellung und Vertrieb von Trickfilmen einschließlich Werbefilmen aller Art spezialisiert war. Nach mehrfachem Wechsel übernahm im September 1958 die Trickfilmgestalterin Erika von Loebenstein (geb. Linke) die Geschäftsführung. Bereits um die Jahreswende 1958/59 meldete das Unternehmen Konkurs an (Bundesanzeiger, Nr. 36/1957, Nr. 117/1958, Nr. 236/1958). Soweit bekannt, stellte die trick film GmbH neben "Max und Mine" mit "Einigkeit macht stark" lediglich einen weiteren Animationsfilm her. Beide Filme verantwortete der erfahrene Trickfilmer Hans Held (1914-1995); er hatte vermutlich auch die Gründung des Unternehmens initiiert.

Da "Max und Mine" nicht der Freiwilligen Selbstkontrolle vorlag, dürfte er auch nicht im Beiprogramm der Kinos gelaufen sein. Mit einer Kopienlänge von 128 Metern auf 16mm beträgt seine Spieldauer 11 Minuten und 41 Sekunden. Eine rund dreieinhalbminütige Kurzfassung, ebenfalls auf 16mm, unter dem Titel "Max und seine guten Geister" blieb bis Anfang der 1970er-Jahre im Verleih der Ruhrkohlen-Beratung.

Quelle: DBM/montan.dok
Screenshot aus "Max und Mine"

Der Film. Ein triumphierender Fanfarenstoß auf Schwarzfilm bildet die Ouvertüre zu "Max und Mine". Beschwingte Marschmusik unter dem Eingangstitel stimmt auf ein unterhaltsam-heiteres Filmerlebnis ein. Ein zotteliger Steinzeitmensch bemüht sich, in seiner Höhle ein wärmendes Feuer anzuzünden; quakende Trompeten machen sich über seine Anstrengungen lustig (19"). 

Der gereimte Kommentar führt unmittelbar in die Gegenwart der Bärenfamilie Max und Mine und ihrer beiden Kinder, die ihr Haus mit einer Kokszentralheizung erwärmt. Die Hauptsequenz des Films (4'15") verdeutlicht anschaulich das Problem einer nicht geregelten Heizung. Es ist Winter und bitterkalt. Die Verwandtschaft – der Bär Jonny Graus, der Uhu Schlau und Frau Pudel – besuchen Familie Bär, um sich bei ihnen preiswert aufzuwärmen. Kaum haben sie Platz genommen, beginnen sie auch schon zu meckern: Es sei ihnen zu kalt! Max steigt in den Keller hinunter und öffnet die Luftklappe, damit der Ofen besser zieht. Er beruhigt auch die Kinder, die bereits im Bett liegen und bibbern. Allerdings wird es nun viel zu warm und die Gäste beginnen zu schwitzen. Wieder läuft Max in den Keller, schaut aber noch im Kinderzimmer vorbei, wo die kleinen Bären ebenfalls schwitzen, und beschwichtigt sie: Es werde gleich kühler. Als groteske Zwischenepisode klemmt er sich in der Zimmertür einen Hosenträger ein, der so weit spannt, dass er hart an die Tür zurückgezogen wird und dort ein großes Loch verursacht. Im Keller macht Max die Klappe wieder dicht, mit dem Erfolg, dass es im Wohnzimmer erneut kalt wird. Ein drittes Mal dreht Max an der Heizung: Diesmal öffnet er die Klappe ganz!

Ratlos und verzweifelt flüchtet Max in das Wirtshaus "Zum Dachs", um seinen Kummer im Alkohol zu ertränken. Der Dachs, dem er sein Leid mit der "verflixten Heizung" klagt, entpuppt sich als Fachmann: "Wir beraten nur, wir wollen dir nichts verkaufen!" Sein Rat: Einbau eines automatischen Reglers, der zudem helfe, Koks zu sparen. Der Betrunkene ist verwirrt und weiß nicht so recht. Da taucht der Uhu auf und bringt ihn nach Hause, wo die Heizung erneut verrückt spielt (2'08").

Im Traum erscheinen Max die 'Reglerzwerge'. Sie machen ihn auf die Feineinstellung der Luftklappe aufmerksam, die exakt einzustellen sei – am besten mit einem automatischen Regler. Tanzend und singend preisen sie die Vorteile einer geregelten Heizung. Mit militärischer Präzision gehen sie an die Arbeit und verlegen den Regler im Wohnzimmer, während ihre Befehle per Funk hin und her wandern. Der Regler funktioniert einwandfrei und sorgt für die eingestellte Temperatur. Nun beginnt auch die Koksheizung zu singen und stimmt ein Loblied auf den Erfinder des Thermostaten an. (2'45") In der vorletzten Sequenz (25") freut sich Max über den automatischen Regler, der alle Temperaturschwankungen ausgleicht. 

Quelle: DBM/montan.dok
Screenshot aus "Max und Mine"

In der sechsten und letzten Sequenz (55") kommt die Familie erneut zu Besuch und schunkelt freudig zu einem schwungvollen Walzer, dessen Text nicht ganz zu verstehen ist: "Seit Gott die Welt erschaffen hat, ist viel da drauß' geschehn. / Vom Feuerloch zum Thermostat, ihr könnt es selber sehn. / Einst war der Winter [...], man friert, man schwitzt und friert. / Heut wird der ganze Heizungsbrand von Reglern reguliert. / Die Heizung und der Hausherr auch, die fühl'n sich wohl versorgt / weil so ein Regler im Gebrauch für beide denkt und spart!" Die abschließende Tafel mit dem Logo der Ruhrkohlen-Beratung GmbH, Essen, weist den Film als Werbefilm aus.

Die Bärenfamilie. Max der Bär besitzt einen auffälligen hellen Rand um sein rechtes Auge und eine menschlich gezeichnete Augenbraue. Dieses Merkmal sowie zwei markante obere Schneidezähne, die an einen Hasen erinnern, haben kein Bärenvorbild in der Natur, verleihen der Trickfigur jedoch ein freundlich-kindliches Aussehen und eine kuschelige Pfiffigkeit. Der weiße Fleck lockert zudem das durchgehende Braun seines Gesichts auf und erhöht damit auch seine Erkennbarkeit auf der Filmleinwand. Ein Frack unterstreicht das harmlose Spielzeugaussehen: Diesen Bären muss man liebhaben.

Im Bärenhaushalt ist es Max, der sich ganz allein um das Funktionieren der Heizung kümmert – Männersache! – und ist daher ständig in Bewegung. Seine Frau Mine hingegen spielt nur eine Nebenrolle. Sie bleibt passiv und bewegt sich kaum. In ihrer Rolle als Hausfrau richtet sie die Blumenvase oder strickt. Als Max sich aufplustert und ihre Bewunderung ob der neuen Heizungsregler einfordert, darf sie einmal lächeln. Zum Schluss des Films posiert sie mit ihrem Ehemann für das Familienalbum. So reproduzieren Max und Mine auch die Rollenverteilung der Wirtschaftswunderjahre, an der auch der technische Fortschritt nichts änderte.

Bereits 1950/51 machte der farbige Zeichenfilm "Der große Bär" von Gerhard Fieber mit den Erlebnissen einer Tierfamilie in einem Güterzug Werbung für die Bundesbahn. In der Produktwerbung war es die "Bärenmarke", die ab 1957 mit einem Bären für Kondensmilch warb – keine Animationsfilme, sondern Spielfilme mit einem kindlichen Kostümbären. Mit diesen populären Werbefilmen wurde der Bär über das Kinderspielzeug hinaus auch in Kino und Fernsehen als positiv besetzte Figur etabliert. 

Während des Kalten Krieges war der Bär aber auch in Gestalt des "russischen Bären" bzw. "sowjetischen Bären" als aggressiv-gefährliche Negativfigur bekannt. 1958 hatte ihn Hans Held in "Einigkeit macht stark" als Störenfried gezeichnet: als klobiger, bösartig-verschlagener Graubär, der "von jenseits der Berge" in das sonnige Tal der Tiere gekommen war, um dort zu wüten. Es hätte nicht seines russischen Akzents bedurft, um ihn als Feindgestalt zu identifizieren. 

In "Max und Mine" dient ein Papagei – er bewohnt eine schaukelnde Badewanne – als lustige Nebenfigur, die das Treiben der Bärenfamilie beobachtet. Dass Max ob dem Ärger mit seiner Heizung allerdings so verzweifelt ist, dass er sich hemmungslos betrinkt und sich ein Kneipengänger als Heizungsberater entpuppt, darf durchaus als eine Schwäche des Drehbuchs benannt werden.

Helds Animationen sind fließend, die Tierfiguren wirken durch die Verschattungen in den Gesichtern recht plastisch. Max' Traumbild wird durch zahlreiche Doppelbelichtungen vorgestellt. Der straff-militärisch durchgeführte Einbau des Thermostaten durch die 'Reglerzwerge' erinnert an Helds Trickfilm "Der Störenfried" von 1939/40, in dem sich Tiere militärisch organisieren, um einen Eindringling (in Gestalt eines Fuchses) aus ihrem Reich zu vertreiben. Die Szene spielt auch auf die Remilitarisierung der Bundesrepublik an, die mit der Gründung der Bundeswehr 1955 und dem Dienstantritt der ersten Wehrpflichtigen zum 1. April 1957 einsetzte.

Die Musik von Bert Kaempfert und Karl-Heinz Reichel kommentiert mal lautmalerisch die lustigen Trickfilmeinfälle, mal verstärkt sie mit einprägsamen Liedern die Werbebotschaft.

Ruhrkohlen-Beratung. Im Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Steinkohle ein knappes Gut, das mehr zugeteilt als im Wettbewerb verkauft wurde. Die staatliche Kohlenzwangsbewirtschaftung wurde 1950, die Kohlenpreisbindung sogar erst zum 1. April 1956 aufgehoben. Seit Mitte der 1950er-Jahre und vollends in der Kohlenkrise seit 1958 galt es dann zunehmend, den traditionellen Wärmeträger Steinkohle gegenüber der Konkurrenz anderer Energieträger zu positionieren, lief doch das Öl den bisher dominierenden Festbrennstoffen vor allem im Bereich der Raumbeheizung innerhalb kürzester Zeit den Rang ab. Dabei spielten Informationen über die Eigenschaften und die Einsatzmöglichkeiten verschiedener Brennstoffe sowie zur richtigen Handhabung und zur Wahl des Ofentyps eine wichtige Rolle. Kohlen- und Koksheizungen wurden als zeitgemäße, bequeme, saubere und ökonomisch vernünftige Alternativen zu den konkurrierenden Öl- und Stromöfen und vor allem zu den aufkommenden Öl-Zentralheizungen angepriesen. Im Vordergrund stand die Verbrennungstechnik und weniger die Kohle als das eigentliche, allerdings wenig attraktive und werbewirksame Produkt. 

Quelle: Jeanpaul Goergen
Beratungszug der Ruhrkohlen-Beratung GmbH 1962

Die 1953 gegründete Ruhrkohlen-Beratung GmbH nahm freilich erst drei Jahre später ihre Tätigkeit als eine Nachfolgeorganisation der Gemeinschaftsorganisation Ruhrkohle GmbH (die vormalige Dachorganisation der sechs Vertriebsgesellschaften der Bergbauunternehmen im Ruhrgebiet) auf. Bereits 1972 wieder aufgelöst, gingen ihre Aufgaben auf die neue Ruhrkohlen-Verkauf GmbH über, deren alleiniger Gesellschafter die 1969 als Einheitsgesellschaft des Ruhrbergbaus gegründete Ruhrkohle AG war. 

1956 unterhielt die Ruhrkohlen-Beratung in der Bundesrepublik 21 feste Beratungsstellen. Zentrum und Hauptsitz befanden sich im neu erbauten und 1952 eingeweihten Ruhrkohlehaus in Essen, wo die wirtschafts- und sozialpolitischen Verbände und auch das 1945 aufgelöste Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat traditionell angesiedelt waren. Um auch ländliche Gegenden und Kleinstädte zu erreichen, nahm sie im September 1956 einen 14 Meter langen Beratungszug in Betrieb. Dabei handelte es sich um einen Spezialaufbau, der auf einem Sattelschlepper montiert war. Seitlich auf sieben Meter Breite ausfahrbar, erreichte er eine Ausstellungsfläche von 45 Quadratmeter. Dort gab es Informationen über die verschiedenen neuzeitlichen Heizgeräte für Kohle und Koks. Unter anderem konnten ein Dauerbrandherd und ein automatisch geregelter Zimmerofen vorgeführt werden.

Mit wenigen Handgriffen konnte der Innenraum zudem in ein Tonfilmkino verwandelt werden; auch eine Diaprojektion war möglich. Sitzplätze gab es für 35 Personen. 1962 besuchte der Beratungszug 138 Orte mit 4,5 Millionen Einwohnern. Über 150.000 Personen besichtigten die ausgestellten modernen Geräte für Kohle und Koks. Hinzu kamen 450 Vortragsveranstaltungen für Gruppen (Krüll 1956, Das Ruhrkohlehaus, Nr. 16/1962).

1959 verzeichnete die Ruhrkohle-Beratung rund 52.000 Besucher der Film- und Vortragsveranstaltungen des Außendienstes (Neckar-Bote, Nr. 79/1960). Auch im Sitzungssaal des Ruhrkohlehauses fanden monatlich kostenlose Filmvorführungen für Betriebsangehörige statt; erst nur auf 16mm, ab 1957 auch auf 35mm. Neben einem Spielfilm und einer Wochenschau liefen Dias und Filme der Werbeabteilung (Das Ruhrkohlehaus, Nr. 4/1957). Im Januar 1958 stand der Abenteuerfilm "Bengali" (USA 1935, Henry Hathaway) auf dem Programm. Als Vorfilm wurde ein neuer Zeichentrickfilm der Ruhrkohlen-Beratung aus der Produktion der trick film GmbH angekündigt (Das Ruhrkohlehaus, Nr. 6/1957). Dabei kann es sich nur um "Max und Mine" gehandelt haben. Weitere Aufführungen oder Kritiken sind aber nicht bekannt.


Archiv
Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum (DBM)/Bergbau-Archiv Bochum (BBA), F 820 ("Max und Mine") und F 1804 ("Max und seine guten Geister")

Literatur
Jahrbuch des deutschen Bergbaus für 1953 (Essen 1952) und 1956 (Essen 1955)
Gert Krüll: Die rollende Ruhrkohlenberatungsstelle. In: Das Ruhrkohlehaus, Nr. 3, Winter 1956, S. 10-11
Ruhrkohlen-Beratung GmbH (Hg.): Ruhrkohle. Rat und Tat. Eine Schrift der Ruhrkohlen-Beratung GmbH, Essen o.J. [1956]
A. Reinecke: Bild + Ton im Ruhrkohlehaus. In: Das Ruhrkohlehaus, Nr. 4, Frühjahr 1957, S. 29-31
Fritz Werner: Was sind Public Relations? In: Das Ruhrkohlehaus, Nr. 5, Sommer 1957, S. 7
RSE: Film. In: Das Ruhrkohlehaus, Nr. 6, Herbst 1957, S. 31
Bundesanzeiger, Nr. 36, 21.2.1957
Bundesanzeiger, Nr. 117, 16.9.1958
Bundesanzeiger, Nr. 236, 9.12.1958
Rat für Hausfrauen und Industriekapitäne. In: Neckar-Bote, Nr. 79, 18.5.1960
Neuer Beratungszug der Ruhrkohle. In: Das Ruhrkohlehaus, Nr. 16, 1962, S. 2
Jahrbuch für Bergbau, Energie, Mineralöl und Chemie für 1971 (Essen 1970) und 1972 (Essen 1971)
Kommunalverband Ruhrgebiet (Hg.): Industriefilm Ruhr '01. Essen 2001 
Manfred Rasch u.a. (Hg.): Industriefilm 1948-1959. Essen 2003
Stefan Przigoda (Hg.): Bergbaufilme. Bochum 2005
Stefan Przigoda: Vom Hausbrand zum Wärmemarkt. Wandel und Verschwinden eines Absatzmarktes für Ruhrkohle. In: Michael Farrenkopf u.a. (Hg.): Glück auf! Ruhrgebiet – Der Steinkohlenbergbau nach 1945, Bochum 2009, S. 429-438
Stefan Przigoda: "Max und Mine" (ca. 1957) [Industriefilm Ruhr 2024]  


(Juni 2026)

 

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