Ticket nach Rom

BR Deutschland 1985 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
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Die „Volksblatt“-Journalistin Lisa ist mit Max befreundet, einem Juristen. Der feste Ansichten vom Leben hat, wie sie seinem Berufsstand eigen sind: Hochzeit, Familie gründen natürlich mit Kindern und selbstverständlich ist der Mann Ernährer und Beschützer, die Frau Gattin und Mutter. Eine Rolle, die der jungen, ehrgeizigen Journalistin keineswegs behagt, weshalb Lisa wohl mit Max zusammenwohnt, nicht aber richtig zusammenlebt – von Hochzeit und Mutterfreuden ganz zu schweigen. Ein „Ticket nach Rom“ verändert ihr Leben: Ihr Chefredakteur eröffnet Lisa die Chance auf ihren ersten Auslandseinsatz.

Sie soll über einen Korruptionsprozess in Rom berichten. Auf der Treppe vor dem Justizpalast der italienischen Hauptstadt trifft Lisa ihren deutschen Kollegen Mike (Joachim Król bereits in typischer Manier: ein ganz Netter, bei Frauen aber eher unbedarft bis tolpatschig), der sie sogleich „väterlich“ an die Hand nehmen möchte, um ihr den Start in der fremden Metropole zu erleichtern.

Aber Lisa beharrt darauf, ihren jugendfrischen Charme und ihre Chuzpe selbst einzusetzen – mit Erfolg. So wird sie auf David aufmerksam, Italien-Korrespondent eines bekannten österreichischen Nachrichtenmagazins und scheinbar sehr engagiert. Als die Journaille abends in einem öden Striplokal landet, rettet Max die peinliche Situation, indem er Lisa auf die nun besonders schönen Straßen und Plätze Roms entführt – um Mitternacht bei strömendem Regen.

Die beiden kommen sich näher: Für ihn ist die attraktive junge Kollegin ein Jungbrunnen, für sie der ältere, erfahrene Journalist ein Vorbild. Eine Odyssee beginnt, es geht hin und her. Ein prüder Hotelportier verhindert die erste gemeinsame Nacht, die dann später in einer Berliner Pension nachgeholt – und ein Flop wird. Dennoch fürchtet Lisa, in eine ernstere Geschichte hineingeraten zu sein, will ihre Beziehung zu Max retten und drückt sich vor dem zweiten Rom-Auftrag. Doch als Max, ebenso ehrgeizig wie vielbeschäftigt, nichts begreift, fliegt Lisa allein an den Tiber und in Davids Arme.

Man trifft sich in tristen Pensionszimmern und in aller Hektik auf Flughäfen, bis Lisa sich für David entscheidet und in eine wunderschöne Penthouse-Wohnung mit Blick auf die Engelsburg zieht. Doch dort kommt es rasch zum Bruch: Auch David entpuppt sich als konservativer Macho, der seine Gattin samt zweier Kinder in die Wüste geschickt hat, um die junge Lisa an ihre Stelle zu setzen. Kinder, Küche, Kirche – statt in Berlin nun in Rom? Lisa schlägt vor, gemeinsam einen Neuanfang zu wagen irgendwo auf der Welt, was David brüsk ablehnt. Lisa reist bar jeder Illusion an die Spree zurück, wo sie beobachtet, wie Max gerade seine Koffer packt…

Lisa will niemandes Anhängsel sein, das Ende bleibt offen. Vivian Naefe und Kameramann Hans-Günter Bücking gelingen atmosphärische Bilder, die allerdings nicht ganz frei von bekannten Klischees (Rom im Regen bei Nacht) sind. „Ticket in Rom“, Vivian Naefes nach drei Übungsfilmen an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) und ihrem TV-Debüt „Schwarzer Bube“ erst zweiter (TV-) Spielfilm ist unter dem Strich über 65 Minuten gute, manchmal gar spannende Unterhaltung ohne allzu großen Tiefgang.

Die durchaus nicht unemanzipierte Dreiecksgeschichte im Journalistenmilieu mit den beiden geographischen Polen Berlin und Rom und dem „dritten Mann“ Mike, verkörpert vom Bundesfilmpreisträger Joachim Król, ist am 18. April 1986 auf 3-Sat erstausgestrahlt worden. Die ZDF-Koproduktion „Ticket nach Rom“ ist damit nach Joseph Rusnaks „Kaltes Fieber“ (1984) erst Króls zweiter Film und zugleich seine erste Fernsehproduktion. An seiner Seite die bis dato vor allem als Bühnenschauspielerin (Burgtheater und Taboris „Der Kreis“ Wien) hervorgetretene Schauspielerin Leslie Malton, die erst 1993 in Dieter Wedels TV-Vierteiler „Der große Bellheim“ auch einem breiten Publikum in Deutschland bekannt wurde.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Duration:
65 min
Screening:

Uraufführung (DE): 18.04.1986, 3sat

Titles

  • Originaltitel (DE) Ticket nach Rom

Versions

Original

Duration:
65 min
Screening:

Uraufführung (DE): 18.04.1986, 3sat