Zirkus Saran

Österreich 1935 Spielfilm

Comments

You have seen this movie? We are looking forward to your comment!

Falk Schwarz
Lachen unter Tränen
Wie ein eng geknüpftes, dennoch durchlässiges Netz legen sich Schwermut und Melancholie über diesen Film. Der Beginn setzt das Thema. Moser erscheint in einem dreiteiligen Anzug mit Schlips und Kragen. Er tritt behutsam auf, fast ehrerbietig, man könnte auch sagen schuldbewußt, denn er weiß, dass die Begegnung mit seiner Filmtochter für ihn schmerzlich sein wird. Er hat den Arm voller Pakete und Geschenke und als sie ihm gegenübersteht und er zur Überbrückung der Situation ihr diese Geschenke aufdrängt, da sagt sie : "Papschi, Du gibst mir soviel. Aber du hast mich zur Begrüßung nicht einmal geküsst." Er holt es nach - moserisch: eher ein Schmatz als ein Kuss. "Aber was mir fehlt, ist ein Heim. Ich möchte mit Dir sein. Du hast nie Zeit für mich". Lissi (Georgia Holl) lebt in einem Mädchenpensionat. "Ich weiß", antwortet er. "Aber ich bin doch immer unterwegs". Und geht. - Damit ist der Ton gesetzt: eine Tochter hätte gerne ihren Vater, aber sie weiß nicht einmal, was dieser Vater für einen Beruf hat, warum er immer unterwegs ist. Das ist die filmische Situation. Aus dieser anfänglichen Beklemmung kommt der Film nicht mehr heraus. Es spricht für die Klugheit des Regisseurs, dass er in Moser den ernst zu nehmenden Schauspieler erkannte. Der spätere Moser-Typus des grantelnden Kleinbürgers war noch nicht erfunden. Es war erst ihr dritter Film zusammen. Aber Emo hat wohl auch diese glänzend gespielte Anfangsszene unterschätzt. Sie überlagert alles, was nun darum herum inszeniert wird. Da sind zwei Vagabunden (Pat und Patachon), da ist das turbulente Zirkusleben und wir sind dabei, wenn sich die beiden Kompagnons des Zirkus Saran anschreien: Leo Slezak und Hans Moser. Einer will Puszta Melodien im Zirkus singen, Moser ist mehr für Artistik. Gegen die Stimmgewalt des Zwei-Meter-Mannes Slezak behauptet sich der kleine Moser allemal. Die Schreiereien sind herrlich, zumal wir alle wissen, dass die beiden Streithähne die besten Freunde sind und gar nicht ohne einander können. Aber gegenseitig piesacken müssen sie sich. Dann darf noch ein geschniegelter Allerweltsbubi mitspielen, der Lissi den Hof macht und die Liebesszene bedient. Als Typ eine krasse Fehlbesetzung. Natürlich spielt auch Adele Sandrock mit, die keinen Widerspruch duldende Tante. Damit hat auch das Gestern des 19. Jahrhunderts seinen Platz. Herrisch, aber goldherzig. Zum Schluss kommt dann die Lissi doch in den Zirkus, erkennt ihren Vater als den Clown Saran und fällt ihm um den Hals. "Warum, Papschi, hast Du Dich vor mir versteckt?" fragt sie. Und dann fällt der Satz, der in Erinnerung bleibt und diese Komödie mit Herz weit über den üblichen Klamauk hinaushebt: "Ich wollte nicht, dass Du über mich lachst".

Credits

All Credits

Duration:
2237 m, 82 min
Format:
35mm, 1:1.33
Video/Audio:
s/w, Tobis-Klangfilm
Censorship/Age rating:

Zensur (DE): 29.10.1935, B.40552, Jugendfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 29.11.1935, Berlin, U.T. Kurfürstendamm, U.T. Friedrichstraße;
Erstaufführung (AT): 04.12.1935, Wien

Titles

  • Verleihtitel (DE) Knox und die lustigen Vagabunden
  • Originaltitel (AT) Zirkus Saran

Versions

Original

Duration:
2237 m, 82 min
Format:
35mm, 1:1.33
Video/Audio:
s/w, Tobis-Klangfilm
Censorship/Age rating:

Zensur (DE): 29.10.1935, B.40552, Jugendfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 29.11.1935, Berlin, U.T. Kurfürstendamm, U.T. Friedrichstraße;
Erstaufführung (AT): 04.12.1935, Wien