Wo andere schweigen

DDR 1983/1984 Spielfilm

Summary


The film describes ten days in the life of socialist politician Clara Zetkin. In August 1932, the 75-year old, who lives in Archangelskoye near Moscow, is asked to inaugurate the new legislative term as the oldest member of the German Reichstag. Although she is ill and nearly blind, she takes the chance to appear in Germany, which is more and more dominated by the Nazis. Despite several efforts to keep her arrival a secret, it is revealed that Zetkin is on her way to Berlin. Her old friend, the social democrat Gustav Schröder, accommodates her. Although fascist newspapers print several openly announced death threats, Zetkin stays unimpressed. On their way to the Reichstag, thousands of people line the streets.

The contents of this entry were funded with the support of the DEFA-Stiftung.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
August 1932. Die 75-jährige kommunistische Reichstagsabgeordnete Clara Zetkin (die 54-jährige Gudrun Okras aus dem Dresdener Schauspielensemble) lebt, schwer erkrankt, in einem Moskauer Sanatorium und verfolgt eine Propagandarede Joseph Goebbels‘. Schnitt. In Berlin wird die von Ernst Thälmann geforderte Einheitsfront der Linken gegen die Nationalsozialisten und Konservativen kontrovers diskutiert, etwa zwischen dem KPD-Funktionär John Scheer und dem alten Sozialdemokraten Gustav Schröder. Dabei muss sich Letzterer auch mit seinem Sohn Erich auseinandersetzen, der politisch auf Seiten der KPD steht.

Nach einem Malaria-Anfall ist Prof. Lewin (Wladimir Bolaschew) skeptisch, ob seine Patientin dem Ruf nach Berlin folgen soll, um am 30. August 1932 als Alterspräsidentin den Reichstag mit einem möglichst flammenden Appell zur Einheitsfront zu eröffnen. Clara Zetkin will die Strapazen dennoch auf sich nehmen und tritt, begleitet von ihrem Sohn Maxim, die lange Zugreise an. Die Genossin Krupskaja (Lidija Dimitrijewna Dranowskaja) wird stets in ihrer Nähe bleiben.

„Die Kamera ist eine Waffe im Klassenkampf“ weiß Fritz Bauer, der bei Peter, dem Wirt der „Wiesenbaude“, untergekommen ist. Zusammen mit anderen jungen Leuten wie dem Medizinstudenten Klaus Fischer und Gustav Schröders Enkelin Christa arbeitet er für das Parteiorgan „Rote Fahne“. Im Auftrag des Chefredakteurs wartet er inmitten eines großen Menschenauflaufs im Lehrter Bahnhof auf die Ankunft Clara Zetkins.

Als klar wird, dass diese wohl vorher den Zug verlassen hat, wird Fritz von einem Schlägertrupp der Nazis zusammengeschlagen – und stirbt wenig später an einem Leberriss.

Währenddessen ist Clara Zetkin über Umwege zu ihrem alten Freund Gustav Schröder aus gemeinsamen sozialdemokratischen Zeiten gebracht worden. Die fast erblindete Mitbegründerin der SPD, der USPD und der KPD wird während ihres elftägigen Aufenthalts in Berlin in seiner abgelegenen Laube wohnen und von der arbeitslosen Krankenschwester Christa betreut. Nach offen ausgesprochenen, sogar in ihren Zeitungen publizierten Morddrohungen der Nazis muss sie rund um die Uhr von Genossen bewacht werden.

Christa forscht im Hinterzimmer der „Wiesenbaude“ nach Angehörigen von Fritz – und nimmt seinen Kanarienvogel mit nach Hause. Clara Zetkin will unbedingt an seiner Beerdigung teilnehmen, was Gustav ihr nicht ausreden kann. Trotz eines gehörigen Abstands zur Zeremonie besteht stets Lebensgefahr, wenn sie erkannt werden sollte.

Dann kommt der Tag der Reichstags-Eröffnung. Trotz einer mitreißenden Rede Clara Zetkins wird Herman Göring zum Reichstagspräsidenten gewählt und die NSDAP-Abgeordneten führen sich analog zu den braunen Schlägertruppen auf der Straße wie die neuen Herren auf. Klaus, der Medizinstudent, hat schon zuvor verkündet, nach Wien zu gehen. Nachdem Gustavs Laube abgefackelt worden ist, zieht er mit Enkelin Christa, die Reste des Inventars auf einem Handkarren verstaut, in eine ungewisse Zukunft…

Die näheren Umstände der Reise und des Berliner Aufenthaltes von Clara Zetkin sind nicht bekannt. Weshalb der am 5. Oktober 1984 in den DDR-Kinos angelaufene Spielfilm nach einem Szenarium des sowjetischen Dramatikers Michail Schatrow weitgehend fiktiver Natur ist, gerade auch was hinzuerfundene Personen wie Gustav Schröder und die jungen Arbeiterfotografen betrifft. Die Ko-Produktion mit dem Gorki Filmstudio Moskau und dem Barandov Studio Prag ist mit einem für DDR-Verhältnisse Mega-Etat von vier Millionen Mark an Originalschauplätzen in Berlin und im Moskauer Kreml gedreht worden. Wobei für das in West-Berlin situierte Reichstagsgebäude die Fassade des ehemaligen Reichsgerichts in Leipzig, dem heutigen Bundesverwaltungsgericht, herhalten musste.

„Wo andere schweigen“ steht in der Tradition der großen politisch-ideologischen Defa-Produktionen wie den beiden Ernst-Thälmann-Filmen aus den 1950er Jahren und den Karl-Liebknecht-Filmen „Solange Leben in mir ist“ von 1965 und „Trotz alledem!“ aus dem Jahr 1972. Die (Kunst-) Historikerin Kathrin Nachtigall, die zum Szenenbild im Defa-Historienfilm promoviert hat, bei einer Wiederaufführung im Berliner Zeughauskino am 8. Mai 2026 in der Reihe „Wiederentdeckt“: „Ralf Kirstens Film setzt aber auch neue Akzente. Er verbindet geschickt Fotografien der 1930er Jahre mit Spielfilmszenen und zeichnet sich durch ungewöhnliche Bild-Ton-Collagen aus. Die jungen fiktiven Charaktere orientieren sich am Zeitgefühl der 1980er Jahre, denn Kirsten wollte mit seinem Film in erster Linie junge Leute ansprechen.“

1985 gingen Kunst- und Journalistenpreise des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) an Ralf Kirsten und seinen Ko-Drehbuchautoren und Dramaturgen Peter Wuss. Auf dem 4. Nationalen Spielfilmfestival Karl-Marx-Stadt (1986) gabs ebenfalls zwei Preise: Hans-Uwe Bauer für die Beste männliche Nebenrolle und Hans Poppe für Szenografie. Der Westdeutsche Kinostart war am 11. Januar 1987, die TV-Erstausstrahlung erfolgte am 27. August 1989 im „Dritten“ des Bayerischen Rundfunks.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Director

Scenario

Director of photography

Prop master

Make-up artist

Costume design

Editing

Audio mixing

Cast

Unit production manager

Original distributor

Duration:
2880 m, 106 min
Format:
35mm, 1:1,66
Video/Audio:
Orwocolor, Ton
Screening:

Uraufführung (DD): 04.10.1984, Berlin, Kosmos

Titles

  • Originaltitel (DD) Wo andere schweigen

Versions

Original

Duration:
2880 m, 106 min
Format:
35mm, 1:1,66
Video/Audio:
Orwocolor, Ton
Screening:

Uraufführung (DD): 04.10.1984, Berlin, Kosmos

Awards

Nationales Spielfilmfestival der DDR 1986
  • Bestes Szenenbild
  • Bester Nebendarsteller