Vier Leben

Deutschland Italien Schweiz 2010 Spielfilm

Summary

Le Quattro Volte




An old shepherd lives his last days in a quiet medieval village perched high on the hills of Calabria, at the southernmost tip of Italy. He herds goats under skies that most villagers have deserted long ago. He is sick, and believes to find his medicine in the dust he collects on the church floor, which he drinks in his water every day. A new goat kid is born. We follow its first few tentative steps, its first games, until it gains strength and goes to pasture. Nearby, a majestic fir tree stirs in the mountain breeze and slowly changes through the seasons. The tree now lies on the ground. It has been reduced to its own skeleton, and is transformed into wood coal through the ancestral work of the local coal makers. Our sight gets lost in the ashes’ smoke. Le Quattro Volte is a poetic vision of the revolving cycles of life and nature and the unbroken traditions of a timeless place. The story of one soul that moves through four successive lives.




Source: 61. Internationale Filmfestspiele Berlin (Catalogue)

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Köhler, die auf ihren Meilern, großen, dampfenden Hügeln, stehen und die Oberfläche glätten. Glocken kündigen eine Ziegenherde an, die durch diese karge, karstige Landschaft geführt wird von einem alten Hirten, der bald im Schatten eines Olivenbaums rastet, und seinem aufmerksamen Hund...

Es sind archaische Bilder einer urtümlichen, wie unberührt wirkenden Landschaft, die uns Michelangelo Frammartino, dessen Familie von dort stammt, durch sein vielfach ausgezeichnetes Werk „Vier Leben“, das die Grenzen zwischen Dokumentation und Spielfilm überschreitet, auf so berührend unmittelbare Weise nahe bringt, obwohl das gesprochene Wort, wenn überhaupt, das eine oder andere „grazie“ fällt, nur zur spärlichen Geräuschkulisse gehört.

Wir sehen einen nur noch von wenigen Alten bewohnten, malerisch auf einem Berg gelegenen Ort, der gleichzeitig vom Köhler wie vom Hirten beliefert wird, an dessen Rand letzterer in sehr bescheidenen vier Wänden wohnt, zu seinen Füßen der Ziegenstall. Und verstehen nicht, warum er für seine Kanne Milch, die er in die Sakristei der mächtigen Kirche trägt, kein Geld kassiert, sondern in Zeitungspapier gewickelten Staub, der offenbar vom Kirchenboden stammt. Und von dem er sich, quasi als Schlaftrunk, eine Prise in ein Glas Wasser auflöst.

Wir werden Zeugen einer Prozession unter großer Anteilnahme der Bevölkerung offenbar aus dem weiten Umkreis mit einem Jesus-Darsteller, der schwer am Kreuz zu tragen hat und von Menschen in römischen Uniformen begleitet wird, wenige Meter dahinter freilich von einem Geistlichen unserer Tage und jeder Menge buntem Fußvolk.

Wir verstehen zunächst nicht, wie das Zeitungspapier mit dem Kirchenstaub, das in einem Ameisenhaufen gelandet ist, mit dem nächtlichen und notabene vergeblichen Pochen des alten Hirten ans Kirchentor zusammenhängt und damit, dass am anderen Morgen die Ziegen am Bett ihres starr darin liegenden Besitzes zupfen.

Obwohl wir mitbekommen haben, dass es einen besonderen Grund gegeben haben muss, dass der aufgeregte Hütehund des Hirten vergeblich versucht hat, „Laut“ zu geben während der Prozession, um dann im wahren Wortsinn den Stein ins Rollen zu bringen, der den Kleinlaster der „Gladiatoren“-Darsteller mit Wucht in den Ziegenstall rollen lässt und die Tiere befreit.

Erst als wir Zeuge des wesentlich bescheideneren Beerdigungszuges werden, mit dem der alte Ziegenhirt zu Grabe getragen wird, lernen wir, die bisher gesehenen Bilder selbst zu einem Mosaik zusammenzusetzen. Wofür uns Michelangelo Frammartino und Andrea Locatelli immer wieder Zeit einräumen, bis es, Tod und Leben gehen quasi ineinander über, weiter geht mit der Geburt einer Ziege und einem Volksfest, in dessen Mittelpunkt der höchste Baumstamm der Gegend ist.

„Vier Leben“ entführt uns in ein mittelalterliches Dorf im tiefsten Süden Italiens, in die Bergregion Kalabrien, und in eine archaische Welt voller heidnischer Traditionen, die sich im hier naturgemäß römisch-katholischen Christentum gehalten haben. Wie der Staub vom Kirchenboden, den der Alte als Medizin nimmt und stirbt, als er sein Pulverbriefchen unterwegs verloren hat und nachts kein neues mehr auftreiben kann.

Wie das auf die Langobarden zurückgehende Fruchtbarkeitsritual „Festa della Pita“, wo die höchste Tanne der Umgebung gefällt, von den Zweigen befreit und auf dem Dorfplatz aufgestellt wird. Freilich nicht mehr wie früher mit hoch an den Baum gebundenen Ziegen, die vom Boden aus erschossen wurden, sodass sich ihr Blut auf alle Anwesenden verteilte. Sondern mit bunten Luftballons und glitzernden Päckchen.

„Le Quattro Volte“ verknüpft in vier zunächst sehr rätselhaften und, besonders was die wundervolle Ziegen-Episode betrifft, nicht zu Ende erzählten Geschichten vier Lebensbereiche miteinander: Der Hirte repräsentiert den menschlichen, seine Ziegen den tierischen, die gefällte Tanne den pflanzlichen Bereich und die Holzkohle, zu der die Tanne bei den Köhlern schließlich verarbeitet wird, die Transformation des lebenden pflanzlichen Materials in mineralische Materie – als, so Michelangelo Frammartino, „Triumph der Materie über das Objekt, das nicht stirbt, sondern kontinuierlich transformiert wird.“

In seinem nach „Il Dono“ (2003) erst zweiten Spielfilm gibt der 1968 in Mailand geborene Michelangelo Frammartino dem Kinopublikum viele Rätsel auf mit seinen kleinen, unspektakulären, erst auf den zweiten Blick miteinander verbundenen Geschichten. Auf die man sich einlassen, in die man sich erst einsehen muss. Ein nur dem Action-Kino zugeneigtes Publikum wird nach der ersten kontemplativen Viertelstunde das Weite suchen – wie im Übrigen ein Großteil der Kollegen bei der von mir besuchten seinerzeitigen Pressevorführung. Wer dagegen sechs Jahre zuvor von Philip Grönings „Die große Stille“ begeistert war, übrigens auch von Ventura-Film koproduziert, kostet jede Minute aus.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Duration:
2416 m, 88 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Farbe, Dolby SRD
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 18.03.2011, 126978, ohne Altersbeschränkung / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (FR): 16.05.2010, Cannes, IFF;
Erstaufführung (DE): 29.06.2010, München, Filmfest;
Aufführung (DE): 19.02.2011, Berlin, IFF - Kulinarisches Kino;
Kinostart (DE): 30.06.2011

Titles

  • Weiterer Titel (DE IT CH) Le quattro Volte
  • Aufführungstitel (DE) The Four Times
  • Originaltitel (DE) Vier Leben

Versions

Original

Duration:
2416 m, 88 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Farbe, Dolby SRD
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 18.03.2011, 126978, ohne Altersbeschränkung / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (FR): 16.05.2010, Cannes, IFF;
Erstaufführung (DE): 29.06.2010, München, Filmfest;
Aufführung (DE): 19.02.2011, Berlin, IFF - Kulinarisches Kino;
Kinostart (DE): 30.06.2011

Awards

Ciak d'Oro Awards 2011
  • Bester Ton
  • Beste Produktion
  • Beste Kamera
IFF Bellaria 2011
  • Preis für den am häufigsten ausgezeichneten italienischen Film des Jahres
San Diego Film Critics Awards 2011
  • SDFCS Preis, Bester fremdsprachiger Film
IFF Montevideo 2011
  • FIPRESCI Preis
  • Bester Film, Fiktion
IFF Tétouan 2011
  • Prix pour la première oeuvre
Invisibili 2011
  • Bester italienischer Film
Filmfest München 2010
  • CineVision Award
!f Istanbul 2010
  • Siyad Award der türkischen Filmkritik, Inspirierendster Film
IFF Jameson Dublin 2010
  • Preis der Jury
Internationales Film- und Fernsehfestival Bari 2010
  • Bester Schnitt
  • Beste Produzenten
Sulmona Cinema Filmfestival 2010
  • Goldener Ovid, Bester Film
Tallinn Black Nights 2010
  • Internationaler Kritikerpreis
Festival of Independent Cinema, Foggia 2010
  • Kritikerpreis
Sant Arcangelo di Romagna 2010
  • "Lo straniero" Award
IFF Bergen 2010
  • "Cinema Extraordinaire" Preis
2Morrow Filmfest Moskau 2010
  • Hauptpreis
Bobbio Film Festival 2010
  • Gobbo d'Oro
CPH:DOX Kopenhagen 2010
  • DOX Award
Festival du Nouveau Cinéma Montréal 2010
  • Innovationspreis
IFF Reykjavik 2010
  • FIPRESCI Preis
  • Goldener Puffin - Discovery Award
Taormina 2010
  • Nastro Speciale
Italian National Syndicate of Film Journalists 2010
  • Silbernes Band
IFF Bratislava 2010
  • Hauptpreis
IFF Annecy 2010
  • CICAE Award
Filmfest Montona, Kroatien 2010
  • FIPRESCI Preis
  • Special Jury Award
IFF Breslau 2010
  • International Film Guide Award
  • Audience Award
IFF Cannes 2010 2010
  • European Cinemas Label