Lauf oder stirb

Deutschland 1996 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
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Die aus Russland stammende Laufsportlerin Olga (Susanna Simon) hat gerade ihren Manager Jan Köppel (Daniel Minetti) geheiratet, was in Maßen feucht-fröhlich gefeiert wird, weil der nächste City-Lauf in Halle ansteht, die Grundlage ihres Einkommens und seines Geschäftes. Dass sie fit bleiben muss für den Sport, ist auch ihrem Bruder Andrej Naumow (Alexej Nesterow) klar. Der berühmte Läufer, der zum konkurrierenden „Dream-Team“ von Georg Stoll (Veit Stübner) gehört, kann aber nicht nachvollziehen, dass das frisch getraute Paar die Hochzeitsnacht nicht gemeinsam verbringt.

Schnitt. Hauptkommissar Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz) sitzt in der Leipziger Oper, schon um seiner Lebensgefährtin Edith Reger (Marita Böhme) einen Gefallen zu tun, einer Regisseurin, die am schönsten Theater-Neubau der DDR gerade mit dem aus Parma stammenden Tänzer und Performer Giovanni (Jörg Lucas) arbeitet. Mitten in der Vorstellung macht sich sein Handy bemerkbar: Schmücke wird zu einem Tatort gerufen. Auf einer Straße mitten in einem Waldstück ist ein unbekannter Mann tot aufgefunden worden, offenbar von einem Auto angefahren.

Auch für seinen Kollegen und langjährigen Freund, Hauptkommissar Herbert Schneider (Wolfgang Winkler), deutet zunächst alles auf einen Unglücksfall hin: Autounfall mit Fahrerflucht. Schmücke sieht sich trotz der nächtlichen Dunkelheit in der näheren Umgebung um und findet ein Stirnband, das an einem Zweig hängengeblieben ist. Was macht ein Mann um diese Zeit im Wald? Am anderen Morgen ist aufgrund der Vermisstenanzeige seiner Schwester die Identität des Toten klar: Andrej Naumow.

Das Aushängeschild der sowjetischen Leichtathletik der 1980er Jahre verdingt sich nun zusammen mit seiner jüngeren Schwester als Profi-Läufer. Allerdings gehören sie konkurrierenden Teams an und es geht in der Szene das Gerücht um, Andrej stünde kurz vor dem Wechsel vom Stoll- ins Köppel-Team. Letzterer hat die Hochzeitsnacht mit Stolls bester Stute im Stall, der Äthiopierin Maria (Carol Campbell), verbracht: Er will auch die attraktive Läuferin vom „Dream-Team“ abwerben, das mit der Veranstalterin der City-Läufe, Brigitte Landau (Claudia Wenzel), in bestem Einvernehmen steht – noch.

„Das kann doch kein Vergnügen sein, jede Woche durch eine andere Stadt zu rennen“ meint Schmücke, der sich in seinem Urteil bestätigt sieht: „Sport ist Mord“. Auf Hochtouren wird nach dem Unfallfahrzeug gefahndet, bis sich der Leiter einer Kfz-Werkstatt (Torsten Buchsteiner) meldet. So kann Frank Hellmann (Jürgen Trott) in U-Haft genommen werden, der von einem Unfall spricht: das Opfer sei ihm förmlich ins Auto gelaufen. Wovon inzwischen auch die Ermittler ausgehen, auf die Frage, vor wem Andrej Naumow geflohen ist, aber keine Antwort wissen.

Den City-Lauf begleiten Schmücke und Schneider als angebliche MDR-Reporter im Begleitfahrzeug, sodass sie die Manipulation des Zieleinlaufs hautnah mitbekommen: Die mit großem Abstand führende Olga lässt, scheinbar verletzt, Maria und ein weiteres Mitglied des „Dream-Teams“ auf den letzten Metern an sich vorbeiziehen. Als in der folgenden Nacht Köppel vor Marias Wohnwagen im Sportlercamp angeschossen wird, findet die Polizei die Tatwaffe im Auto des Trainers Hofmann (Jörg Panknin). Doch was sollte Köppels bester Freund für ein Motiv haben? Die Waffe wurde ihm offenbar untergeschoben.

Inzwischen beginnen die Vorbereitungen für den nächsten City-Lauf in Wernigerode. Bei den Sportlern stoßen die Kriminalisten auf eisiges Schweigen, doch hinter den Kulissen geht es umso heftiger zu. Anja (Susanne Lüning), bei Köppel als „Hase“ unter Vertrag zur Unterstützung der Favoriten, stellt angesichts des Neuzugangs von Maria, der jemand eine tote Ratte vor den Wohnwagen gelegt hat, Ansprüche. Und Brigitte Landau wendet sich von Georg Stoll ab.

Als auch noch Maria von einem Unbekannten überfallen und am Bein verletzt wird, lassen Schmücke und Schneider sie beim „Harz-Gebirgslauf“ nicht aus den Augen. Weshalb sie mitbekommen, wie Georg Stoll kurz nach der Zielankunft seinen Schäferhund Rex auf Maria hetzt, wie er es offenbar auch bei Andrej Naumow in der Nacht vor dem Lauf in Halle getan hat. Der Manager bestreitet freilich, mit der Ratte vor Marias Camper und der Attacke auf sie sowie dem Anschlag auf seinen Konkurrenten Köppel etwas zu tun zu haben. Also doch Taten aus Eifersucht? Olga versucht, sich davon zu stehlen…

Der „Polizeiruf 110“-Krimi von Peter Probst (Buch) und Matti Geschonneck (Regie), gedreht vom 1. September bis 1. November 1995 in Halle an der Saale, im Opernhaus Leipzig sowie im Harz (in Wernigerode und am Brocken), ist am 14. April 1996 in der ARD erstausgestrahlt worden. Der von Saxonia Media Leipzig produzierte zweite Fall der in Halle an der Saale ermittelnden Hauptkommissare Schmücke und Schneider zeichnet sich durch eine so spannungs- wie wendungsreiche Story aus, die sich den Manipulationen kommerzieller Veranstalter widmet, die mit Sport nicht wirklich etwas zu tun haben. Die launigen Interaktionen zwischen Jaecki Schwarz samt Sidekick Marita Böhme und Wolfgang Winkler sind höchst unterhaltsam und ein Versprechen auf mehr.

Hans-Werner Honert, ein in der DDR höchst erfolgreicher Regisseur, der in der Meisterklasse von Alexander Borissowitsch Stolper am Moskauer Institut für Kinematographie studierte, fungiert als frischgebackener Geschäftsführer der Saxonia Media (bis 2012) bei „Lauf oder stirb“ als Produzent – wie bei mehr als einem Dutzend „Tatort“-Folgen nach der Wende. Kapitalismus-Kritik ist bei dem einstigen SED-Mitglied und Berliner PDS-Stadtverordneten stets inbegriffen.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Duration:
89 min
Video/Audio:
Farbe, Stereo
Screening:

TV-Erstsendung (DE): 14.04.1996, MDR

Titles

  • Reihentitel (DD DE) Polizeiruf 110
  • Originaltitel (DE) Lauf oder stirb

Versions

Original

Duration:
89 min
Video/Audio:
Farbe, Stereo
Screening:

TV-Erstsendung (DE): 14.04.1996, MDR