Credits
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Director
Editing
Music
Source music
Producer
Titles
- Originaltitel (ES) Las Hurdes
- Weiterer Titel (FR) Terre sans pain
- Verleihtitel (US) Land Without Bread
- Weiterer Titel (DE) Las Hurdes - Land ohne Brot
Versions
Formatfassung
Weiterer Titel (DE)
- Originaltitel (ES)
- Las Hurdes
Duration:
306 m, 28 min
Format:
16mm, 1:1,33
Video/Audio:
s/w, Ton
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Wenn die Kamera des französischen Surrealisten Eli Lothar in den engen Gassen Albercas, durch die Maultiere getrieben und Rinder aus schmalen Hauseingängen gezurrt werden, gen Himmel schwenkt, scheinen sich die Erker der gegenüberliegenden Gebäude beinahe zu berühren. Frauen in traditionellen, hochgeschlossenen Gewändern machen sich gegenseitig die Haare, während sich die Männer auf dem Kirchplatz versammeln.
Nachdem Luis Buñuel ein 1927 in Bordeaux ediertes Grundsatzwerk zum Studium der Humangeographie, „Las Jurdes: étude de géographie humaine“ von Maurice Legendre gelesen hatte, reiste er selbst dorthin. Der französische Autor Legendre, stellvertretender Leiter der von der Universität Bordeaux gegründeten französischen Schule „Casa de Velázquez” in Madrid, besuchte erstmals im Sommer 1913 die Gegend um Alberca und setzte sich seither für die von der Politik im Stich gelassene Region ein.
Zusammen mit dem Anarchisten Ramón Acín hat Buñuel zunächst einen Stummfilm zur dramatischen Musik der 4. Sinfonie von Johannes Brahms gedreht und produziert: Binnen einer knappen halben Stunde zeigt er in „Las Hurdes, tierra sin pan“ das harte Leben der Bauern in einer sich kaum entwickelten Zivilisation mit dem Ziel, die junge spanische Republik auf die Situation der noch ganz in archaischen Verhältnissen lebenden Menschen aufmerksam zu machen. Nachdem der Film nach der Uraufführung im Dezember 1933 im Madrider Kino Palacio de la Prensa verboten wurde, hatte Buñuel erst zwei Jahre später die finanziellen Mittel für eine Vertonung des kritischen Kommentartextes von Pierre Unik und Rafael Sánchez Ventura.
In Alberca herrschen altertümliche Riten: Frischgebackene Ehemänner reißen, auf Pferden durch die engen Gassen galoppierend, Hähnen, die mit den Füßen an einem zwischen gegenüberliegenden Häusern gespannten Seil aufgehängt sind, die Köpfe ab. Das ist bei noch lebendigen Tieren eine Grausamkeit, das archaische Ritual selbst aber ist nicht auf die Iberische Halbinsel beschränkt, wie das jährliche Wattenscheider Gänsereiten zur Karnevalszeit seit rund 400 Jahren zeigt: Eine zuvor getötete Gans wird zwischen zwei Bäumen an den Füßen aufgehängt und die Reiter versuchen, ihr im Galopp den Kopf abzureißen. Noch bis 1805 wurde der Brauch im heutigen Bochumer Stadtteil an noch lebenden Tieren ausgeübt.
Die Natur erobert sich die Klosterruine im Tal „Las Batuecas“ allmählich zurück. Im Schatten der Zypressen sprudelt nur noch ein Wasserspeier zur Freude der einzigen Bewohner, Kröten und Schlangen. Dann geht es in die sich bis zum Horizont ziehenden felsigen Berge. Die aus Naturstein errichteten flachen Häuser der kleinen Dörfer wie Aceitunilla und Martilandran ducken sich eng an die Berghänge. Ein Kind treibt ein kleines Schwein durch die enge Gasse, ein anderes sitzt mit einem Reisigbündel auf einem Maultier.
Die Menschen teilen sich ihre Häuser mit Schweinen, Schafen, Ziegen und Hühnern, gekocht wird auf einer offenen Feuerstelle am Boden. Ernste Kindergesichter blicken in die Kamera, als die Filmemacher zu Gast in einer Schule sind. Die barfüßigen Schüler sitzen auf harten Bänken, es wird vorgelesen und gesungen und mit Kreide an der Tafel für Respekt geworben. Die Zähne der Kinder werden später ausfallen wie die ihrer Eltern: ohne ärztliche Versorgung keine hygienische Schulung. Das von Larven verschmutzte Wasser des Gebirgsbaches, dass sich die Kinder mit den Haustieren teilen, ist Auslöser von Schüttelfrost und Krankheiten, die Kindersterblichkeit ist hoch – und der Friedhof jenseits des Flusses weit entfernt.
Dem felsigen Boden wird mit harter körperlicher Arbeit und Naturstein-Stützmauern etwas Essbares abgetrotzt und der Kontakt zur Außenwelt ist nur über steile Maultierpfade durch die Berge möglich, die selbst für Kletterkünstler wie die Steinböcke lebensgefährlich sind, wie der Absturz eines Tieres zeigt. Viele junge Leute müssen sich in anderen Regionen Spaniens oder gar im Ausland Arbeit suchen und dennoch zeigt der Film auch fröhliche Gesichter von jungen und alten Bewohnern. Die bundesdeutsche Erstaufführung unter dem Titel „Land ohne Brot“ erfolgte am 30. Januar 1963 im Fernsehen. 2021 wurde die Kurz-Dokumentation in HD-Qualität restauriert.
Pitt Herrmann