Die Brücke

Deutschland (Ost) 1948/1949 Spielfilm

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Heinz17herne
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Eine Gruppe von Flüchtlingen wird in ein Barackenlager eingewiesen. Es sind einfache Massenunterkünfte mit Hochbetten, aber Öfen und Kochherde sind ebenso vorhanden wie elektrisches Licht. Und zum Abendessen gibt’s Nudeln mit Fleischeinlage. Michaelis, der mit Gattin Agnes und der knapp 18-jährigen Tochter Hanne aus dem jetzt polnischen Niederschlesien in die Sowjetische Besatzungszone „umgesiedelt“ ist, so der offizielle Sprachgebrauch, ist so etwas wie der Sprecher der aus Bunzlau und Umgebung stammenden Handwerker, in erster Linie Töpfer. Neunzig Familien sollen in den nächsten Wochen und Monaten in der unzerstört gebliebenen Stadt, gedreht wurde in Zehdenick an der Havel und in Wusterhausen an der Dosse, mit der das Lager durch eine recht wacklige Brücke über einen kleinen Flusslauf verbunden ist, sowie in der weiteren Umgebung auf Dauer untergebracht werden. Wenn es nach dem Willen von Michaelis und seinen Landsleuten geht, wollen sie aber nicht auf den Kreis verteilt werden, sondern zusammenbleiben und am liebsten die alte Ziegelei wiederbeleben, um ihrem angestammten Handwerk nachzugehen: Bunzlauer Keramik war nicht nur durch ihr typisches Dekor ein Begriff in halb Europa, sondern auch durch ihre große Alltagstauglichkeit.

„Was ist denn das für ein Volk, die sehen ja aus wie Zigeuner“: Bürgermeister Reinhardt und seine Gattin haben alle Hände voll zu tun, den Vorbehalten der alteingesessenen Bevölkerung zu begegnen. Unter denen es schließlich auch Verzweifelte gibt, die im Krieg vieles wenn nicht gar alles verloren haben. Als die Flüchtlinge das erste Mal zaghaft und voller Neugier über die Brücke in die Stadt kommen, hängen die Frauen rasch die Wäsche von den Leinen: „So was nistet sich ein wie Ungeziefer“. Im Gasthaus zur goldenen Kugel geht’s beim Wirt Sander hoch her: am Stammtisch zu ebener Erde werden revanchistische Sprüche geklopft, während im ersten Stock Martin Reinhardt, der Neffe des Bürgermeisters, mit Therese (Ilse Steppat), der Gattin des Wirts, schläft. Mit der Zeit renkt sich manches ein, selbst Oma Leuscher beherbergt bald eine Umsiedlerin. Hanne Michaelis könnte Haushälterin bei Gerhard Wagner werden, aber weil der eifersüchtigen Wirtin Therese Sander aufgefallen ist, wie auch ihr Liebhaber Martin Reinhardt Interesse an dem blitzsauberen Madel zeigt, holt sie sich die mögliche Nebenbuhlerin der besseren Aufsicht wegen lieber in die Küche der Goldenen Kugel. Wo Hanne sich mit der Kellnerin Mariechen anfreundet, der Kunze hinterhersteigt. Um dann doch noch an Wagner „weitergereicht“ zu werden.

Eine Gruppe junger Einheimischer beschließt, die Brücke zum Einsturz zu bringen. Nun nicht mehr aus Angst vor den Fremden, sondern aus Neid über ihren Erfolg: Die Bunzlauer haben eine Genossenschaft der Töpfer gegründet, die Ziegelei wieder auf Vordermann gebracht und können sich vor Aufträgen kaum retten. Die junge sozialistische Republik, die am 7. Oktober 1949 als DDR gegründet wird, acht Monate nach der Uraufführung des Kino-Regiedebüts Arthur Pohls, „Die Brücke“, am 28. Februar 1949 im (Ost-) Berliner Filmtheater am Friedrichshain, kann jede Aufbauinitiative gut gebrauchen. „Was wir aus unserem Leben machen, das liegt allein an uns“: Unter Michaelis, längst mit Reinhardt und anderen Honoratioren der Stadt in bestem Einvernehmen, bricht nach einer durchzechten Nacht mit dem Sargtischler die Brücke zusammen und die Flüchtlinge verlieren ihren Sprecher. Sogleich plädiert der Bürgermeister für einen Neubau - um ein Zeichen zu setzen. Als die einmal mehr betrunkene Therese Sander mit brennender Zigarettenkippe einschläft, steht bald nicht nur das Gasthaus in Flammen, sondern auch angrenzende Gebäude. Hanne Michaelis ist trotz des Todes ihres Vaters sofort zur Hilfe bereit, andere Flüchtlinge folgen ihr über den Fluss und bilden eine Eimerkette: gemeinsam kann die Stadt gerettet werden. Und bald fahren Pferdegespanne und Autos über die neue Brücke…

Arthur Pohl, 1900 als Sohn eines sozialdemokratischen Schriftsetzers in Görlitz geboren, war Bühnenbildner und Theaterregisseur, bis er bei der Ufa und der Tobis, ab 1. Mai 1947 auch bei der Defa als Schauspieler, Autor und Regisseur unter Vertrag genommen wurde. Pohl lebte weiterhin in West-Berlin, erhielt sein Gehalt jedoch nur zu 10 Prozent in West-Devisen, wovon er auf Dauer nicht leben konnte. Nachdem er sich weigerte, ganz in die DDR überzusiedeln, wurde „Spielbank-Affäre“ 1957 sein letzter Defa-Film. Beinahe wäre sein erster nicht zustandegekommen: Slatan Dudow, einer der Gründerväter und künstlerischer Beirat der Deutschen Film AG, zeigte sich skeptisch gegenüber dem Szenarium, das „gewisse Ressentiments“ aufwühlen könnte. In der Tat war „Die Brücke“ neben dem am 18. Oktober 1946 in Potsdam uraufgeführten semidokumentarischen Flüchtlingsdrama „Freies Land“ von Milo Harbich erst der zweite Defa-Film zum später in der DDR tabuisierten Thema Vertreibung. Immerhin musste der junge Staat vier Millionen Vertriebene unterbringen und versorgen, was nicht ohne Probleme gelingen konnte – zumal angesichts der erheblichen Reparationsleistungen an die sowjetische „Brudermacht“.

Pitt Herrmann

Credits

Director

Screenplay

Director of photography

Cast

All Credits

Director

Screenplay

Script editor

Director of photography

Still photography

Production design

Make-up artist

Sound

Cast

Unit production manager

Location manager

Original distributor

Duration:
2312 m, 85 min
Format:
35mm, 1:1,33
Video/Audio:
s/w, Ton
Screening:

Uraufführung: 28.02.1949, Berlin, Filmtheater am Friedrichshain

Titles

  • Originaltitel (DD) Die Brücke

Versions

Original

Duration:
2312 m, 85 min
Format:
35mm, 1:1,33
Video/Audio:
s/w, Ton
Screening:

Uraufführung: 28.02.1949, Berlin, Filmtheater am Friedrichshain