Der Neffe

Deutschland 1996/1997 TV-Film

Comments

You have seen this movie? We are looking forward to your comment!

Heinz17herne
Heinz17herne
Irene (Ulrike Kriener) und Walter (Erich Hallhuber) sind ein gutsituiertes Ehepaar, das nach zwölf Ehejahren endlich die Hochzeitsreise nachholen. Irenes Schwester Isabella (Martina Gedeck) wird zum Haus- und Sohn-Hüten eingeladen. Und sorgt für einiges Aufsehen im Dorf. Schon bei ihrer Ankunft ist Hagen (Germain Wagner), Zahnarzt und Lover ihrer Schwester Irene, Feuer und Flamme für Isabella und es knistert rasch gewaltig. Aber natürlich ist auch der 13-jährige Schützling Albert (Patrick Schwamberger) nicht nur von den Kochkünsten der so gar nicht tantenhaften Isabella angetan.

Aber er weiß aus Erfahrung mit seinen Eltern, dass Erwachsene komplizierte Wesen sind und lässt die beiden gewähren, zumal Hagen als Hausfreund für ihn ja nichts neues ist. Albert reagiert erst, dann aber äußerst eifersüchtig, als Tante Isabella sich einen jungen, attraktiven Studenten ins elterliche Ehebett holt: Karl (Xaver Hutter), ausgerechnet der ältere Bruder seines besten Freundes Ludwig (Roman Storm).

Albert beschließt, das Haus in zwei Hälften zu teilen. Nur dumm, dass sich Isabella und Karl in der Küche geradezu lukullischen Genüssen hingeben können, während er sich nur vom Inhalt der Tiefkühltruhe ernähren kann. So eskaliert der Streit und Albert benachrichtigt Karls Eltern, die ihren Sohn bereits beim Studium in Wien wähnten. Mit dem gewünschten Effekt, dass der Liebhaber seine Sachen packen muss und Albert wieder alleiniger Herrscher im elterlichen Haus ist. Doch dann geschehen merkwürdige Dinge im Haus, in das eine nachgerade gespenstische Stille einzieht. Zuerst verschwindet Alberts Hund...

„Der Neffe“ ist ursprünglich eine 1991 bei Piper in München herausgekommene Erzählung der österreichischen Autorin Monika Helfer über die komplexe Beziehung zwischen einem strengen Onkel und seinem freigeistigen Neffen. Angesiedelt in einem kleinen Dorf der Alpenrepublik folgt sie auf 125 Seiten dem Leben des Neffen, der nach dem Tod seiner Eltern bei diesem Mann mit festen Vorstellungen von richtig und falsch aufwächst. Trotz ihrer Unterschiede entwickeln sie eine tiefe Bindung zueinander.

Daraus hat Gabriela Zerhau eine harmlose, ganz nette Komödie mit dem Flair „von Sommer, Liebe, Erotik, Schweinsbraten und Kartoffelknödeln“, so die Regisseurin im ZDF-Presseheft, um eine äußerst lustbetonte Tante gemacht, deren Leichtlebigkeit diversen Männern den Kopf verdreht und auch den halbwüchsigen Neffen nicht kalt lässt. Am Ende, als Alberts Eltern wieder zurückkehren, hat sich einiges verändert in der ländlich-beschaulichen Idylle.

Kameramann Peter Aichholzer hat die 32-jährige Schauspielerin Martina Gedeck, die seinerzeit gerade als Kellnerin in Helmut Dietls Kinofilm „Rossini“ so etwas wie ihren Durchbruch auf der Leinwand feierte, ins beste Licht gerückt. So ist Gabriela Zerhau eine geradezu französisch-leichte, sehr sinnliche und durchaus auch leicht frivole Sommerkomödie gelungen: „Es kann auch einmal ein nettes, saftiges Gefühlsprogramm sein“, so die Regisseurin.

Die sich für „Der Neffe“ nicht entschuldigen muss, zumal zu ihrem 90-minütigen Beitrag für die Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ viele weitere tolle Schauspieler beigetragen haben, darunter Manon Straché und Ulrich Wildgruber als Eltern des Brüderpaars Karl und Ludwig. Isabellas reichlich trotteligen Gatten spielt schließlich ein prominenter TV-Film-Debütant: Olli Dittrich. Die Erstausstrahlung erfolgte am 7. April 1997 im ZDF. Martina Gedeck ist 1997 mit dem „Telstar“ und im Jahr darauf mit dem Adolf Grimme Preis als „Beste Schauspielerin“ ausgezeichnet worden.

Pitt Herrmann