Begegnung mit Gojko

DDR 1973 Kurz-Dokumentarfilm

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Heinz17herne
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„Wie gefällt Dir Berlin“? Und: „Wie alt bist Du“? Schließlich: „Hast Du eine Freundin“? Junge Fans fragen Gojko Mitić, den 33-jährigen „Chef-Indianer“ der Defa, dessen Karriere übrigens in Westdeutschland begann, was der von der Drehbuchautorin Bärbel Wallstein und dem Dokfilmer Thomas Kuschel angeregte Kurz-Dokumentarfilm naturgemäß verschweigt. Der 1940 im heute serbischen Strojkovce geborene Schauspieler, der als Sport-Student Anfang der 1960er Jahre Stunts in italienischen und britischen Produktionen, die in Jugoslawien gedreht wurden, übernahm, spielte 1964 gleich in drei Karl-May-Verfilmungen mit, in „Old Shatterhand“, „Winnetou 2“ und „Unter Geiern“.

In der DDR, wo zu dieser Zeit Karl May noch kein Thema für devisenträchtige Vermarktung gewesen ist, gibt es gänzlich andere Indianerfilme. Wie „Ulzana“, der im Mai 1973 unter dem Arbeitstitel „Apachen II“ in Rumänien gedreht wird. Gojko Mitić lässt sich nicht doubeln und muss dafür, in diesem Fall mit Pferden, hart trainieren. Ein gutes Kollektiv ist für ihn die Hauptsache, schließlich werde häufig mit Laien und Kleindarstellern gedreht, die erstmals an einem Set sind.

Schnitt. Seit sechs Jahren ist Gojko Mitić in Berlin zuhause. Die Kamera Jürgen Greunigs begleitet ihn beim Einkaufen und beim Radfahren durch die Hauptstadt. „Jeder kennt Gojko auf seinem Ross, aber auf seinem Stahlross kennen ihn nur wenige“ lässt sich der Sprecher Dieter Wien aus dem Off vernehmen. Dann steht die Kamera in Gojkos Wohnzimmer und in der benachbarten Dunkelkammer: Die Mitte der 1970er Jahre noch analoge Fotografie ist sein großes Steckenpferd, für das er jede freie Minute opfert. Auch in Rumänien, wo er die Zeit nach Drehschluss nutzt, um Land und Leute kennenzulernen. Und die Gelegenheit nutzt, mit einer Folkloregruppe zu tanzen.

Schnitt. „Ohne Netz und doppelten Boden“ heißt eine TV-Show des Adlershofer Fernsehens der DDR, nicht zu verwechseln mit der WDR-Reihe aus den frühen 1960er Jahren, für die Gojko in die Zirkusmanege steigt – zusammen mit einem ausgewachsenen Löwen und seinem Dompteur. Er traut sich ‘was, ist auch bei dieser reinen Unterhaltung mit großer Ernsthaftigkeit dabei. Was besonders auch für die möglichst historisch-authentischen Defa-Western gilt – bei aller ideologischen Kapitalismus- und USA-Kritik.

Sommerfilmtage 1973. Großer Auflauf zur „Apachen“-Premiere mit Interviews und Autogrammstunden. Gojko Mitić gibt sich volksnah, etwa wenn er durch die nordthüringische Stadt Schkölen reitet, dort von der nach dem kommunistischen Widerstandskämpfer Alfred Kästner benannten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) ein süßes Ferkelchen geschenkt bekommt oder mit Jungen Pionieren am Lagerfeuer Würstchen grillt und zur Gitarre greift.

Der 23-minütige Kurz-Dokumentarfilm „Begegnung mit Gojko“ von Peter Gauglitz (Text) und Eckhard Potraffke (Konzept, Text und Regie) ist eine Art filmischer Star-Schnitt nach Art der populären Illustrierten „filmspiegel“: ein stets freundlicher, nahbarer, hart arbeitender Schauspieler, der weder seine Herkunft aus einer Bauernfamilie leugnet, so studiert er mit den Jungen Pionieren ein Lied in seiner Muttersprache ein, noch seine politische Überzeugung verloren hat: Da sich sein Vater Živojin den Partisanen anschloss, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Deutsche Wehrmacht kämpften, ist er mit seinem Bruder bei den Großeltern aufgewachsen. Die aus einer Zeit stammten, in der Deutsch Amtssprache im Habsburger Reich war. Das aber ist nicht mehr Bestandteil der Defa-Dokumentation (PL Joachim Siegmund und Siegfried Kolbe) wie auch seine späteren, nicht immer glücklichen privaten Beziehungen u.a. zu seiner Kollegin Renate Blume.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Format:
35mm
Video/Audio:
s/w, Ton

Titles

  • Originaltitel (DD) Begegnung mit Gojko

Versions

Original

Format:
35mm
Video/Audio:
s/w, Ton