Der rote Elvis

Der rote Elvis

Deutschland 2006/2007, Dokumentarfilm

Der rote Elvis



Nun hat sich der 1968 in Dresden geborene Regisseur Leopold Grün des Sängers angenommen. In "Der rote Elvis" rekonstruiert er die letzten 15 Jahre im Leben Reeds, befragt Zeitzeugen, montiert überliefertes Material aus öffentlichen und privaten Archiven. Die Spanne der Befragten reicht von einer jungen Russin, die Dean Reed nie begegnet ist, ihn aber als Projektionsfläche ihrer eigenen Träume und Sehnsüchte benutzt, über Wiebke Reed, die heute eine Schauspieleragentur leitet, bis zu Armin Mueller-Stahl, der gemeinsam mit dem Rockstar in der DEFA-Verfilmung von Jack Londons "Kit & Co." (fd 23 993) gespielt hatte. Isabel Allende Bussi, die Tochter des einstigen chilenischen Präsidenten, und Bergarbeiter aus Rancagua erinnern sich der begeisternden Auftritte vor und nach dem Militärputsch. Dokumentarfilmszenen zeigen Reed in einem Trainingscamp der Palästinenser; der amerikanische Regisseur Will Roberts, der schon 1985 ein Porträt über Reed drehte ("American Rebel"), denkt über die ambivalenten Beziehungen des Helden zu seiner Heimat nach. Die Interviews sind weitgehend chronologisch montiert. In den besten Momenten belegen sie nicht nur äußere Stationen dieser Biografie, sondern beschreiben auch den komplizierten Charakter des nach außen hin meist nur als Strahlemann erscheinenden Barden. So erinnert sich Regisseur Celino Bleiweiß, der ihn in der Hauptrolle seiner Eichendorff-Adaption "Aus dem Leben eines Taugenichts" (1973) besetzte, an Reeds "Angst vor dem Leben". Und Maren Zeidler, eine heimliche Geliebte, skizziert einstige Gedanken an einen gemeinsamen Suizid, lange bevor Reed seinen Selbstmord in die Tat umsetzte. Dank solcher Gesprächspartner und der Bezüge zur Zeitgeschichte wird "Der rote Elvis" zu einem ernsthaften, nachdenklichen Porträt, das sich nicht in die Niederungen von Spekulation oder Häme begibt, aber auch keine unkritische Schwärmerei betreibt.

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Quelle: FFA

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