Fritz Bauer war wohl der profilierteste Staatsanwalt, den die Bundesrepublik
je hatte. Er sah sich als "Jurist aus Freiheitssinn" und war überzeugt, dass der
Bürger ein Widerstandsrecht gegen Willkürakte des Staates hat. Hierfür stritt
er als niedersächsischer Generalstaatsanwalt 1952/53 in einem aufsehenerregenden Prozess, in dem es um die Legitimität des 20. Juli 1944 ging und in
dessen Verlauf Bauer die Rehabilitierung der hingerichteten Verschwörer erreichte. Damit war er ein Pionier modernen "zivilgesellschaftlichen" Denkens. Mit derselben Zielgerichtetheit hat er die Aufhellung und Ahndung
der NS-Verbrechen in Gang gesetzt. Als hessischer Generalstaatsanwalt
(1956 –1968) war er der maßgebliche Initiator der Frankfurter Auschwitzprozesse. Eine wichtige Rolle spielte Bauer auch bei der Ergreifung Adolf
Eichmanns, indem er den Aufenthaltsort des "Buchhalters der Endlösung"
an den israelischen Mossad verriet, damit Eichmann in Jerusalem vor
Gericht gestellt werden konnte. Während seiner Amtszeit hat er zudem die
Reform des Strafvollzugs vorangetrieben. Dessen Humanisierung gehörte
für ihn zu einer humanen Gesellschaft.
Im restaurativen Klima der Adenauer-Ära wurde Bauer zu einer "Provokation
für den Zeitgeist". Aufsätze und Reden mit Titeln wie "Mörder unter uns"
und "Am Ende waren die Gaskammern" erregten nicht nur rechtsradikale
Kritik, sondern auch beim bürgerlichen Publikum Anstoß. Antisemitische
und politische Anfeindungen begleiteten das Leben des jüdischen
Schwaben.
Ein schwerer Schlag war für Bauer die Verabschiedung der Notstandsgesetze
im Mai 1968. Bauer sah sie als eine irreparable Wende zum autoritären Staat
an. Am 30. Juni 1968 wurde er tot in seiner Frankfurter Wohnung aufgefunden.
Die Umstände seines Todes geben bis heute Rätsel auf.
Quelle: 60. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)
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