Die Fledermaus

Die Fledermaus

Deutschland 1944/1946, Spielfilm

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Rosalindes roter Rausch

Vielleicht muss man sich im spezifisch Wiener Idiom besonders auskennen, um die „Fledermaus“ so umzuschreiben, wie Ernst Marischka es für diese Verfilmung gewagt hat. Will Dohm als Theaterdirektor Falke wird zur zentralen Figur, sein Défilée durch die Tanzgäste beim Prinzen Orlofsky ist ein Paradestück. Wie er Adele (Dorit Kreysler) aus dem Mundwinkel Verhaltensmaßregeln zuzischt („lächeln“, „nicht so breit“, „mehr ironisch“) und gleichzeitig strahlt wie ein kleiner Bub, der sich einen Streich ausgedacht hat. Die Handlung rollt logischer ab als im Original, verliert dafür aber an Überraschung. Walzerkönig Johann Strauß tritt auf und dirigiert Szenen aus seiner neuen Operette - also eine Operette in der Operette. Es gehört zu den Höhepunkten dieser Verfilmung wie Fritsch als Gefängnisdirektor und Marte Harell als Rosalinde dieselbe Szene, die sie morgens erlebt haben, abends beim Prinzen Orlofsky als Operette gespiegelt bekommen. Die Ironie ist zwar dick aufgetragen, aber trotzdem spaßig. Die Agfacolor-Farbberater wollten zeigen, dass sie die Farbe rot beherrschten. Rot lenkt nicht nur die Aufmerksamkeit, rot ist auch Sinnlichkeit, Feuer, Macht, Krieg, Aggression. So schrieb Marischka eine Szene hinein, in der Rosalinde (sonst blond) ihre Haare färben lässt. Ein Friseur gibt in das Wasser den roten Farbstoff und gleich danach den Entfärber und - schwupp - ist das Wasser wieder klar. Als dann Rosalinde so „errötet“ auf den Ball kommt, denkt der verdutzte Kinobesucher zunächst: das ist die Rökk. Zumal Marte Harell auch noch gekünstelt ungarisiert. - Kameramann Willy Winterstein, der hier seinen ersten Farbfilm fotografierte, passt die Schwenks und Fahrten ganz der Musik an - selten ist Musik so fließend in Kamerabewegungen umgesetzt worden wie hier. Doch die eigentliche Heldin ist Schnittmeisterin Alice Ludwig. Sie buddelte nach dem Krieg nach der Totalzerstörung der Babelsberger Ateliers die Filmrollen mit den Händen aus den Trümmern und sorgte so dafür, dass wir heute eine digitalisierte „Fledermaus“ in Originalrot besitzen.

Credits

Director:Géza von Bolváry
Screenplay:Ernst Marischka
Director of photography:Willy Winterstein
Editing:Alice Ludwig
  
Cast: 
Johannes HeestersGabriel von Eisenstein
Marte HarellRosalinde von Eisenstein
Willy FritschGefängnisdirektor Frank
Will DohmTheaterdirektor Dr. Michael Falke
Siegfried BreuerPrinz Orlofsky
Dorit KreyslerStubenmädchen Adele
Hans BrausewetterSänger Alfred
Josef EggerGefängnisaufseher Frosch
Heinz SalfnerInspektor Fridolin Scharf
Mimi StelzerKöchin Fanny
Franz BöheimGefängnisschreiber
Erik FreyFriseur Pichler
Rudolf StadlerOrlofskys Lakai
Robert LindnerDarsteller des Gefängnisdirektors
Hermine ZieglerBaronin Rüdersheim
Angelo FerrariGast bei Orlofsky
  
Production company:Terra-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Viktor von Struve)

All Credits

Director:Géza von Bolváry
Screenplay:Ernst Marischka
based on:Johann Strauß jr. (Motive der Operette)
Director of photography:Willy Winterstein
Production design:Robert Herlth
Costume design:Walter Schulze-Mittendorff
Editing:Alice Ludwig
Arrangement:Alois Melichar
Source music:Johann Strauß jr. (Operette)
Vocals:Hugo Meyer-Welfing (Synchronstimme für Willy Fritsch)
  
Cast: 
Johannes HeestersGabriel von Eisenstein
Marte HarellRosalinde von Eisenstein
Willy FritschGefängnisdirektor Frank
Will DohmTheaterdirektor Dr. Michael Falke
Siegfried BreuerPrinz Orlofsky
Dorit KreyslerStubenmädchen Adele
Hans BrausewetterSänger Alfred
Josef EggerGefängnisaufseher Frosch
Heinz SalfnerInspektor Fridolin Scharf
Mimi StelzerKöchin Fanny
Franz BöheimGefängnisschreiber
Erik FreyFriseur Pichler
Rudolf StadlerOrlofskys Lakai
Robert LindnerDarsteller des Gefängnisdirektors
Hermine ZieglerBaronin Rüdersheim
Angelo FerrariGast bei Orlofsky
  
Production company:Terra-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Viktor von Struve)
completed by:DEFA Deutsche Film-Aktiengesellschaft (Berlin/Ost)
Line producer:Viktor von Struve
Location manager:Herbert Sennewald
Shoot:09.1944-10.1944: Barrandov-Atelier Prag
Original distributor:Sovexport-Film (Berlin (Ost)), Lloyd-Film Johann Eberhardt (Hamburg)
Length:2827 m, 103 min
Format:35mm, 1:1,33
Picture/Sound:Agfacolor, Ton
Rating:Alliierte Militärzensur (DD): 08.1946, Jugendfrei ab 14 Jahre
Screening:Uraufführung (DD): 16.08.1946, Berlin/Ost;
Kinostart (DE): 16.09.1949, Berlin/West

Titles

Originaltitel (DE) Die Fledermaus

Versions

Original

Length:2827 m, 103 min
Format:35mm, 1:1,33
Picture/Sound:Agfacolor, Ton
Rating:Alliierte Militärzensur (DD): 08.1946, Jugendfrei ab 14 Jahre
Screening:Uraufführung (DD): 16.08.1946, Berlin/Ost;
Kinostart (DE): 16.09.1949, Berlin/West
 

Prüffassung

Length:2712 m, 99 min
Format:35mm, 1:1,33
Picture/Sound:Agfacolor, Mono
Rating:FSK-Prüfung (DE): 09.12.1949, 00605, Jugendfrei ab 16 Jahre / nicht feiertagsfrei
Screening:Kinostart (DE): 13.01.1950, Düsseldorf, Europa-Palast
 
Length:95 min
Format:Video, 4:3
Picture/Sound:Farbe, Ton
Rating:FSK-Prüfung (DE): 16.03.2004, v5505-a, ab 16 Jahre