Credits
Director
Screenplay
Director of photography
Editing
Cast
- Helmut Halm
- Helene Buch
- Klaus Buch
- Sabine Halm
Production company
All Credits
Director
Screenplay
based on
Director of photography
Costume design
Editing
Cast
- Helmut Halm
- Helene Buch
- Klaus Buch
- Sabine Halm
Production company
Commissioned by
Duration:
77 min
Video/Audio:
Farbe
Screening:
TV-Erstsendung (DE): 06.11.1985, ARD
Titles
- Originaltitel (DE) Ein fliehendes Pferd
Versions
Original
Duration:
77 min
Video/Audio:
Farbe
Screening:
TV-Erstsendung (DE): 06.11.1985, ARD
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Wie ein typisches Bodenseegewitter brechen Klaus Buch und seine zweite, um 15 Jahre jüngere, nur "Hel" genannte Ehefrau Helene in dieses Intellektuellen-Idyll herein. Das Journalisten- und freiberufliche Autorenpaar macht ebenfalls seit Jahren am Bodensee nicht einfach nur Urlaub, sondern unternimmt Studienreisen, um der Natur auf die Spur zu kommen, um sich Inspirationen für ihre nächsten literarischen und populärwissenschaftlichen Arbeiten zu holen.
„Wir sollten, bevor wir fünfzig sind, noch einmal vom Stapel laufen“: Klaus konfrontiert seinen ehemaligen Studienkollegen und Klassenkameraden „HH“ mit der bewegten Vergangenheit, fördert Details erster sexueller Abenteuer ans Tageslicht, renommiert ein wenig mit seiner beruflichen und persönlichen Freiheit, die im krassen Gegensatz zum gesicherten, zutiefst bürgerlichen Dasein eines Gymnasiallehrer-Ehepaars zu stehen scheint. Helmut unternimmt vergeblich Versuche, diesem Ansturm zu entgehen. Der ist, wie seine Gattin Sabine, mehr und mehr fasziniert von Klaus‘ rücksichtslosem Draufgängertum, das im Einfangen und Bändigen eines fliehenden Pferdes kulminiert.
Da kommt es, auf bodenseetypische Art, zur Katastrophe: Plötzlich schlägt das Wetter um und das Segelboot ist auch vom sportlichen Klaus, der seine Kräfte auf den stürmischen Wellen überschätzt hat, nicht mehr zu halten. Klaus wird über Bord gespült – und für tot erklärt. Jetzt rückt Hel mit der ganzen, entlarvenden Wahrheit heraus: Ihr Gatte ist beruflich wie menschlich ein Versager. Er hat ihre vielversprechende musikalische Karriere aus eifersüchtigem Egoismus zerstört, lebt in einer materiell völlig ungesicherten Traumwelt, rettet sich von Auftrag zu Auftrag und lebt im Grunde planlos in den Tag hinein.
Helmut, der sich insgeheim Vorwürfe macht, dass er aus Angst und körperlichem Unvermögen die Katastrophe auf See nicht verhindern konnte, versucht, mit Sabine bisher Vernachlässigtes nachzuholen: Sie radeln, joggen, nehmen sich mehr Zeit für ihren Körper. Da taucht der ertrunken geglaubte Klaus wieder auf…
Am Anfang stand die 1978 erschienene Meisternovelle „Ein fliehendes Pferd“, laut Marcel Reich-Ranicki das „reifste und schönste Buch Martin Walsers“. Dann wollte Peter Beauvais den Stoff nach einer Adaption des DDR-Dramatikers Ulrich Plenzdorf („Die neuen Leiden des jungen W.“) verfilmen, schrieb aber wenige Wochen vor dem Drehstart einen Brandbrief an Walser: das Drehbuch sei eine „Katstrophe“ und der Autor der Vorlage solle bitte selbst Hand anlegen. Was dieser in einer „Notoperation“ auch versucht habe, so Walser gegenüber der „Welt“ (vom 13. September 2007) anlässlich der neuerlichen Verfilmung – diesmal für die Kinoleinwand von Rainer Kaufmann.
Schließlich gründete Walser zusammen mit Freunden in Meersburg am Bodensee ein Sommertheater, das in bewusstem Gegensatz zu anderen jahreszeitbedingten Festivals die neue deutsche Dramatik pflegen wollte. Was lag da näher, eine Dramatisierung der Novelle als Eröffnungspremiere zu inszenieren. Bühnen- und Leinwandadaption von „Ein fliehendes Pferd“ werden zum Paradebeispiel für die Probleme, einen literarischen Stoff in ein anderes Medium zu transponieren, gerade wenn der Autor jeweils unmittelbar beteiligt ist.
Peter Beauvais hatte mit der Schwierigkeit zu kämpfen, aussprechen zu müssen, was der Leser eines Textes zwischen den Zeilen liest. Es ist häufig eine Unmöglichkeit, gedankliche Assoziationen literarischer Figuren auch nur einigermaßen adäquat in Bilder und Handlungen umzusetzen. Das gelingt am ehesten bei Vadim Glowna, der in idealer Weise den im Hier und Jetzt fest verankerten bürgerlichen Intellektuellen verkörpert, welcher seine Sturm-und-Drang-Jugendphase völlig verdrängt hat, um mit seinem jetzigen, allzu ruhigen Leben in selbst gewählter Isolation besser fertig werden zu können.
„Ein fliegendes Pferd“, von Harald Müller im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks produziert, ist vom 25. Juni bis 3. August 1984 am Bodensee sowie am Starnberger See gedreht worden. Der 77-minütige TV-Film sollte am 6. November 1985 in der ARD erstausgestrahlt werden. Live-Übertragungen populärer Sportereignisse sorgten jedoch für eine zweifache Terminverschiebung auf den 26. März 1986.
Pitt Herrmann