Der kleine Seitensprung

Deutschland 1931 Spielfilm

Der kleine Seitensprung


Kinematograph, Nr. 193, 22.8.1931


(...) Manchmal stört das herzliche, immer wiederkehrende, laute Lachen, weil es hier und da eine Pointe verschluckt. Aber es kommt gar nicht auf das eine oder andere Bonmot an, es reiht sich ein guter Einfall an den anderen. Und schließlich ersetzt das ausgezeichnete Spiel gerade in diesen Augenblicken der höchsten Heiterkeit das sicherlich an sich gute Wortspiel.

Die Darstellung ist, wie sich schon aus dien Feststellungen ergibt, in jeder Beziehung ausgeglichen und von hoher Klasse. Man entdeckt in Hermann Thimig einen Lustspielbonvivant von hohen Graden. Sieht, daß hier eine brauchbare Filmkraft vorhanden ist, die man viel zu wenig beachtete, und die, richtig angesetzt, bereits erhebliche Gewähr für den Erfolg gibt. Man sieht dann Hans Brausewetter in einer komischen Rolle. Hat das Vergnügen, ihn in Szene zu sehen, für die man sich, wenn man typisiert, etwa Heinz Rühmann vorstellt. Brausewetter führt seinen Part mit sehr viel Glück und weisem Verständnis durch. Es wird viele Kinobesucher geben, die erst ins Programm schauen müssen, um den bekannten Schauspieler zu erkennen. Er zeigt sich von einer ganz neuen, ausgezeichneten Seite und wird sicher in ähnlichen Rollen noch manchmal zur Freude der Kinobesucher und Kinobesitzer auf der Leinwand erscheinen. Bleibt, um erst den männlichen Teil zu erledigen, Otto Wallburg, der die Heiterkeit von der ersten bis zur letzten Szene an seine Fersen heftet, und Hermann Blaß, der, im Gegensatz zu seinem Namen, eine außerordentlich farbige, gutsitzende Charge absolviert. Bei den Frauen kommt Renate Müller in die erste Reihe. Sie wirkt elegant, fesch, liebenswürdig und strahlt wieder jene Anmut aus, die das Publikum zwingend für sie einnimmt. Hilde Hildebrandt gibt das kleine Luderchen, die Frau, die ohne Seitensprünge anscheinend nicht auskommen kann. Dieses Genre liegt ihr im Film wie auf der Bühne. Und bringt ihr ganz selbstverständlich auch diesmal wieder reichen Erfolg. Bleibt noch zu bemerken, daß Mrs. Dinah ein Chanson von Ralph Erwin singt, in dem melodiös und klangwirksam an den Liebling die Frage gerichtet wird, ob er ein Spielzeug brauche. Vielleicht wäre die Wirkung besser, wenn man eine Strophe weggelassen hätte. Aber Schünzel benutzt diese Einlage dazu, eine Reihe komischer Intermezzi zu zeigen, die merkbar gefallen, und die deshalb die etwas längliche Musikeinlage sanktionieren. Ob dieser Schlager höchste Popularität erreichen wird, ist schwer zu entscheiden. Er ist jedenfalls apart, genau so, wie das nette Liedchen vom Schwips, bei dem Renate Müller auseinandersetzt, daß der Himmel, die Erde, ihr Partner und sie selbst blau seien. (...)