Elf Jahre ist es her, dass Valeska Grisebachs letzter Spielfilm "Sehnsucht" auf der Berlinale gefeiert wurde. Nun präsentiert die ausführlich recherchierende Regisseurin einen Nachfolger, dem prompt die Ehre zuteil wurde, die Sektion "Un Certain Regard" der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes zu eröffnen. Der mit Laiendarsteller gedrehte "Western" zeigt deutsche Bauarbeiter auf Montage, die nahe der griechischen Grenze in Bulgarien ein Wasserkraftwerk bauen. Die Kamera schaut dabei ganz genau hin und versucht fast dokumentarisch zu erkunden, warum diese mitunter wortkargen Männer tun, was sie tun. Sie beobachtet, wie sich zwischen Zweien ein stiller Kampf um die Sympathien der Menschen vor Ort entwickelt, der am Ende den Charakter eines Duells annimmt. Wie der Titel erahnen lässt, spielt Grisebach dabei mit Versatzstücken des ur-amerikanischen Genres, lässt diese sich aber in unerwartetem, verfremdenden Kontext entwickeln. Das Resultat ist ein kraftvoller, zeitgemäßer Film, der tief im Osten Europas den Drang nach Freiheit und Abenteuer aber auch die Suche nach Identität erfahrbar macht.