Credits
Director
Screenplay
Director of photography
Editing
All Credits
Director
Screenplay
Director of photography
Editing
Duration:
90 min
Titles
- Originaltitel (DE) Und plötzlich war alles anders
- Weiterer Titel (DE) Liebe mit Hindernissen
Versions
Original
Duration:
90 min
Comments
You have seen this movie? We are looking forward to your comment!
Login or register now to write a comment.
Im Zweifelsfall trifft sie ihre Entscheidungen vor Gericht, dessen Gebäude sie durch einen düsteren Keller und damit sozusagen über die Hintertreppe betreten muss, zugunsten von Frauen und besonders von Müttern. Was auch zu Fehlentscheidungen führt wie in einem besonders krassen Fall, der im Selbstmord des Verurteilten endet: Es ist der einzige Schatten, der auf Anettes Karriere, einer einzigen Erfolgsstory, fällt. Selbst ein eifersüchtiger Kollege, der Richter H. Boegner (der grandiose Niklas Paryla), muss klein beigeben, obwohl er das Fehlurteil wittert: die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklimmt Anette.
Der Architekt Viktor Dursthoff (etwas blass: Hans-Werner Meyer) hat kaum eine Chance auf Verwirklichung eigener Ideen, seit er für den Immobilienhai Frank Westerfeld (Dieter Mann) arbeitet. Auch privat steht es nicht zum Besten, seine Beziehung zu Sylvie Troger (Bettina Hauenschild), einer alleinerziehenden Mutter, mit der er nicht nur die Wohnung teilt, ist gespannt, seit der jungen, selbstbewussten und attraktiven Lokalpolitikerin, die auch als Bürgerrechtlerin aktiv ist, kaum mehr Zeit für ein gemeinsames Privatleben bleibt. Worunter auch Sylvies Sohn leidet.
Auf einer Party des Baulöwen Westerfeld, dem Anette einst das Sorgerecht für seine Tochter zugestand, lernt sie Viktor kennen – und gleich auf den ersten Blick lieben. Weil der zu spät gekommen ist, hat er die Behinderung seiner attraktiven Tischnachbarin, mit der er sich auf Anhieb bestens verstand, nicht mitbekommen – und bei der Auflösung der Tafel entsprechend erschrocken reagiert. Es hat seine Zeit und zahllose Entschuldigungen seinerseits gebraucht, bis dieser Fauxpas aus ihrem Kopf getilgt worden ist. Aber dann taucht ihr „Ex“ unvermutet auf wie eine Fata Morgana in der Wüste und Annette erfährt von der Existenz Sylvies. Plötzlich steht alles auf tönernen Füßen...
Mit „Und plötzlich war alles anders“ hat Dagmar Damek („Miras Haus“) die Chance auf einen „anderen“ Frauenfilm verpasst. Dabei hätte es Brigitte Blobels Story hergegeben: Anette, von ihrem Verlobten über die „familiäre“ Bande Viktors ins Bild gesetzt, trifft auf die engagierte Politikerin Sylvie, wohnt einer ihrer Bürgerversammlungen bei. Doch zu einem Austausch zwischen den Frauen kommt es nicht, das Drehbuch sieht ein konventionelles Ende vor: Viktor und Anette ziehen in einer neuen, eleganten und natürlich behindertengerecht ausgestatteten Wohnung zusammen, in welcher der Architekt endlich seine gestalterischen Träume verwirklichen – und dabei auch sich selbst beweisen kann...
Apropos elegant und behindertengerecht. Die zierlich-aparte Hernerin Marita Marschall spielt die Rolle der behinderten Anette so, als sei der Rollstuhl ein modisches Accessoire. Was auch immer sie anstellen muss, um ins Gerichtsgebäude zu kommen oder ganz schlicht ihren Alltag zu bewältigen, die Anette der Marita Marschall erledigt alles mit links und ohne eine einzige Schweißperle auf der blondgelockten Stirn. In dem 90-minütigen Fernsehfilm, der am 30. Dezember 1997 im ZDF erstausgestrahlt worden ist, werden Probleme nur behauptet, ihnen aber nicht wirklich zu Leibe gerückt.
Pitt Herrmann