Credits
Director
Screenplay
Editing
Cast
Producer
All Credits
Director
Screenplay
Editing
Cast
Producer
Duration:
16 min
Format:
35mm, 1:1,33
Video/Audio:
s/w, stumm
Titles
- Originaltitel (FR) Un chien andalou
- Verleihtitel (DE) Ein andalusischer Hund
- Verleihtitel (US) An Andalusian Dog
Versions
Original
Duration:
16 min
Format:
35mm, 1:1,33
Video/Audio:
s/w, stumm
Formatfassung
Duration:
174 m, 16 min
Format:
16mm, 1:1,33
Video/Audio:
s/w, stumm
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Ein Mann, es ist der Regisseur selbst, steht auf einem kleinen, schmalen Balkon und schärft ein Rasiermesser. Sein Blick geht zum Himmel, wo sich eine Wolke langsam vor den (Voll-) Mond schiebt. Gleichzeitig ist eine junge Frau mit angstvoll aufgerissenen Augen zu sehen, die auf einem Stuhl sitzt und sich nicht vom Fleck rührt – wie das Kaninchen im Angesicht der Schlange. Und dann passierts: Die Hand führt das Rasiermesser zum Auge der Frau, der Augapfel scheint zerschnitten zu werden, eine gelatineartige Flüssigkeit quillt heraus...
Der Skandal war groß 1928 bei der Uraufführung in Paris, obwohl man es auch damals schon hätte anders wissen können: „Un chien andalou“ war keine Provokation der bürgerlichen Gesellschaft um der Provokation willen, sondern anarchisch-künstlerischer Ausdruck der Revolte der Surrealisten, ein gerade mit dem neuen Medium Film gesetztes Fanal gegen die damals etablierte repräsentative Kunst.
Buñuels Film verstört auch heute noch, und das keineswegs nur der geschilderten Eingangsszene wegen. Im Vorspann werden Bezüge zu Salvador Dali und dem Surrealismus hergestellt, die aber bleiben ohne nähere Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte nur oberflächlich – und sind für den Filmliebhaber vielleicht auch nicht so wichtig. Der ist erst einmal von den, zumal aus heutiger Sicht, ungewöhnlichen Bildern beeindruckt, ist vom Fehlen einer herkömmlichen „Handlung“ irritiert, aber nicht mehr so beunruhigt wie vielleicht achtzig Jahre zuvor.
Wo sich kluge Köpfe dieselben marterten mit der Interpretation eines kleinen leeren Kastens, der sich leitmotivisch durch den ganzen (Kurz-) Film zieht. Bis Buñuel selbst einen Debatten-Schlussstrich zog: Dieses viereckige hölzerne Kästchen sei nicht nur tatsächlich leer, sondern auch im übertragenen Sinne ohne Inhalt, d.h. sinn-los.
Wie man für viele Bilder Buñuels zwar Interpretationen liefern kann, so etwa werden die Seminaristen, die zusammen mit den Tierkadavern und den beiden Flügeln durch den Raum ziehen, mit Buñuels Hass auf die Institution Kirche und die Macht des Papstes in Verbindung gebracht, so gibt es keinen eigentlichen „Roten Faden“. Obwohl die Protagonisten Pierre Batcheff, Simone Maureuil, Salvador Dali und Jaime Miravilles immer wieder in Splittern einer angedeuteten Amour fou-Geschichte, wie sie Buñuel dann zwei Jahre später in seinem zweiten Film „L’age d’or“ („Das Goldene Zeitalter“) mit Lya Lys und Gaston Modot erzählt, zu sehen sind.
Das Rasiermesser im Auge des Mädchens kann auch heute noch körperlichen Schmerz verursachen beim Betrachter, andere seinerzeit als sehr provokant empfundene Szenen Buñuels aber, etwa Ameisen, die nicht nur über die Hand eines Menschen laufen, sondern aus dessen Körper herauszukrabbeln scheinen, oder das Environment zweier Eselskadaver auf kostbaren Flügeln, dem Ausdruck großbürgerlicher Kunst schlechthin, lösen keine vergleichbaren Effekte mehr aus. Wie wir heute längst ganz andere, rasantere und brisantere Schnitt-Techniken gewohnt sind als das gute alte Prinzip der Montage, das Buñuel – oder etwa Sergej M. Eisenstein in seiner Leinwand-Inkunabel „Panzerkreuzer Potemkin“ – ins neue Medium Film eingeführt haben. Buñuels „Un chien andalou“ zu sehen ist wie ein Besuch einer Surrealismus-Ausstellung in einem Museum: Man nimmt die Exponate, hier: den Film, als künstlerischen Ausdruck einer zwar wichtigen, aber längst vergangenen Zeit wahr.
Pitt Herrmann