Sechswochenamt

Deutschland 2024/2025 Spielfilm

Summary

Even before the world came to a standstill, Lore's life falls apart: saying goodbye to her mother forcers her to return to her childhood home. As she tries to endure her grief without losing herself, the COVID-19 pandemic pulls the plug on the world. Just when Lore needs support, hugs become a risk, visits an exception, and comfort a distance.

In this double isolation, Lore attempts to put her late mother's life in order. Between forms and family expectations, she wrestles with a farewell that does justice to her mother. The film follows her through the weeks leading up to the titular "Sechswochenamt"- the mass held six weeks after death, when grief has already become part of everyday life, yet everything still remains unresolved.

Drawing on personal experience, director Jaquline Jansen observes what follows the death of a loved one: overwhelm, anger, and the humour of the absurd. Sechswochenamt is relentless in its precision, authentic in its details, and for that very reason comforting. The film does not sugarcoat anything, but gives shape to the pain. The lead actress Magdalena Laubisch carries the film with a fragile presence that never lets go.

Source: 19. LICHTER Filmfest Frankfurt International

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Heinz17herne
Heinz17herne
Atmen, atmen, seufzen. Eine junge Frau, die 25-jährige Studentin Lore Mayer, wacht bis zuletzt am Bett ihrer an Krebs erkrankten Mutter Martha im Katharinen-Hospiz in Erkelenz. Und singt ihr ein hauchzartes Abschiedslied, bevor es Lore nach zahllosen Versuchen, das zugefrorene Fahrzeug ihrer Mutter in Bewegung zu setzen, gelingt, spät in der Nacht den außerhalb der Stadt gelegenen Hof ihrer Großmutter Inge zu erreichen.

Es ist bitterkalt im zweiten Corona-Lockdown Ende des Jahres 2020 und Lore muss gänzlich auf die erhoffte Hilfe ihrer Schwester Sophie verzichten, welche sich beruflich gerade in der Probezeit befindet. Was sie freilich nicht daran hindert, sich telefonisch immer wieder kontraproduktiv einzumischen, weshalb Lore eine geraume Zeit braucht, um den ganzen bürokratischen Kram zu erledigen.

Der von der Sterbeurkunde für Sophie, deren Wohnung auf die Verstorbene läuft, bis zur TÜV-Plakette für Marthas Auto reicht, welche eine empathielose Politesse anmahnt. Erst danach kann Lore daran gehen, die Wohnung ihrer Mutter auszuräumen. Wobei ihr der Pastor Paulus, wenn schon nicht emotional, so doch konkret eine Hilfe ist, indem er für kleines Geld einen Großteil des Mobiliars für das Lager der Gemeinde übernimmt, aus dem sich Geflüchtete und Bedürftige bedienen können.

War Martha aufgrund ihrer freigeistigen Einstellung und ihres unorthodoxen Lebenswandels ohne Ehegatten im Dorf eine Außenseiterin, so stößt ihr letzter Wille auch bei ihrem Bruder, dem Spargelbauer Hannes, seiner Frau Sabine und naturgemäß bei der gläubigen Katholikin „Omma“ Inge auf Unverständnis: Einäscherung in einem weißen Sarg und Seebestattung der Urne, nach Möglichkeit im Mittelmeer. Auf keinen Fall jedoch eine Bestattung im Erkelenzer Familiengrab.

An eine Trauerfeier in der Friedhofskapelle ist in der Pandemie nicht zu denken, auch sonst muss Lore alle Register ziehen, um an dringend benötigte Materialien zu kommen wie etwa an weißen Stoff zum Abdecken des dunkelfarbigen Sarges, nachdem der Bestatter kein weißlackiertes Modell auf Lager hat. Dafür aber den Tipp, mit der Urne einen kleinen, wenn auch unerlaubten Umweg über Holland zu nehmen, um doch noch irgendwie Marthas letzten Willen erfüllen zu können. Dieser ganze Stress, noch getoppt von Frau Peters‘ Einforderung des ausstehenden Rasenmäher-Geldes für ihren Gatten, entzieht Lore zunehmend den Boden unter den Füßen. Was im Badezimmer wörtlich zu nehmen ist.

Da ist das kollektive Spargelstechen bei Onkel Hannes, der nach der Grenzsperrung auf seine holländischen Saisonkräfte verzichten muss, geradezu eine willkommene, wenn auch nicht rückenschonende Abwechslung. Lore, die sich schon als Kind nicht zwischen stillem oder sprudelndem Wasser, Snickers oder Mars, pink- oder rosafarbenen Klamotten entscheiden konnte, steht nun permanent ohne jede Hilfe vor grundsätzlichen Entscheidungen. Und trifft diese zunehmend selbstbewusst: Das traditionelle katholische Sechswochenamt findet trotz Versammlungsverbot statt – heimlich im Schlafzimmer der Verstorbenen mit zuvor auf dem Teppichboden mit Klebeband gezogenen Abstandsmarkierungen…

„Sechswochenamt“, ohne Fördergelder mit einem per Crowdfunding zusammengekratzten Mini-Budget von 96.000 Euro in Erkelenz und Umgebung gedreht, sodass nicht ein Euro Gage floss, ist ein ganz erstaunliches autofiktionales Spielfilm-Debüt der 1994 auf einem Kohlbauernhof in Erkelenz geborenen Autodidaktin Jacqueline Jansen zur Frage, wie man richtig trauert angesichts einer zerstrittenen Familie in einer Zeit der pandemiebedingten Isolation.

Der mit Preisen überhäufte, zu einem Dutzend Festivals eingeladene Film ist zugleich der Durchbruch der 1998 in Halle an der Saale geborenen Schauspielerin Magdalena Laubisch, die an der Theaterakademie August Everding in München sowie in Paris ausgebildet wurde und bisher vor allem in Kurzfilmen und TV-Serien vor der Kamera stand. Die 28-jährige Berlinerin wird gerade sehr gehypt.

Pitt Herrmann

Credits

Screenplay

Director of photography

Cast

Production company

All Credits

Assistant director

Screenplay

Director of photography

Assistant camera

Steadycam operator

Colour grading

Visual effects

Still photography

Lighting design

Production design

Stand-by props

Make-up artist

Costume design

Sound editor

Sound design

Audio mixing

Cast

Production company

Location manager

Original distributor

Shoot

    • 20.03.2024 - 04.05.2024: Erkelenz und Umgebung
Duration:
103 min
Format:
DCP, 1:1,66
Video/Audio:
Farbe, 5.1
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 27.04.2026, 281439, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 29.06.2025, München, Filmfest - Neues Deutsches Kino;
Kinostart (DE): 18.06.2026

Titles

  • Originaltitel (DE) Sechswochenamt

Versions

Original

Duration:
103 min
Format:
DCP, 1:1,66
Video/Audio:
Farbe, 5.1
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 27.04.2026, 281439, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 29.06.2025, München, Filmfest - Neues Deutsches Kino;
Kinostart (DE): 18.06.2026

Awards

achtung berlin Filmfestival 2026
  • Preis der Ökumenischen Jury
Filmfestival Türkei Deutschland 2026
  • Großer Preis der Jury
  • Beste Hauptdarstellerin
Filmfest München 2025
  • Förderpreis Neues Deutsches Kino, Beste Produktion
  • Förderpreis Neues Deutsches Kino, Beste Schauspielerin
  • FIPRESCI-Preis